Lebensretter hat Lebensretter gefunden

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    BITBURG. „Wir arbeiten uns ins Leben zurück!“ Die vergangenen Monate waren für Stephan W. und seine Frau Bettina aus dem Kreis Bitburg-Prüm mehr als turbulent. Stephan W. hat im August vergangenen Jahres die Diagnose „Leukämie“ bekommen. Eine Stammzelltransplantation war seine einzige Chance. Parallel zur Suche nach einem passenden Spender wurde auch zur Typisierung in Bitburg und Speicher aufgerufen und Spenden gesammelt, um diese zu finanzieren. Die Solidarität war riesig.

    Gleichzeitig kam die Nachricht: Es gibt einen passenden Spender. Stephan W. kam ins Krankenhaus und konnte transplantiert werden. Jetzt wollen er und seine Frau, den Menschen, die ihnen beigestanden haben, ein Lebenszeichen geben. „Lebensretter braucht Lebensretter“ stand auf den Plakaten und Handzetteln, die im September und Oktober 2013 im ganzen Kreis Bitburg die Situation von Stephan W. und seinen Angehörigen öffentlich gemacht haben. Kurz zuvor hatte der 59-jährige Feuerwehrmann, Mitarbeiter der Verbandsgemeinde Speicher, erfahren, dass er an Leukämie erkrankt ist. Und: Nur eine Stammzelltransplantation kann sein Leben retten. Seine Familie, seine Freunde, die Arbeitskollegen der Verbandsgemeindeverwaltung  Speicher mit Bürgermeister Rudolf Becker, seine  im Katastrophenschutz des Eifelkreises zusammengeschlossen Kameraden  von Feuerwehr, DRK und THW unter Leitung von  Kreisfeuerwehrinspekteur Jürgen Larisch und Landrat Dr. Joachim Streit wollten nicht hilflos daneben stehen. Deshalb organisierten sie gemeinsam mit der Stefan-Morsch-Stiftung, Deutschlands ältester Stammzellspenderdatei, eine Hilfsaktion. (lokalo berichtete)

    Was Stephan W. und seine Familie erlebt haben, trifft jährlich 11 000 Menschen – allein in Deutschland. Wenn Chemotherapie und/oder Bestrahlung die Leukämie nicht besiegen können, beginnt die Suche nach einem Stammzellspender, der die gleichen genetischen Merkmale besitzt wie der Patient. Stammzellspenderdateien – wie die Stefan-Morsch-Stiftung – sind dabei die entscheidenden Partner. Sie leisten Aufklärungsarbeit über die Chancen der Stammzellspende und die Typisierung. Denn je mehr Menschen als Stammzellspender registriert sind, desto größer ist die Chance, einem an Leukämie erkrankten Menschen helfen zu können.

    Die Medien vor Ort, aber auch Vereine, Gruppierungen, Privatpersonen und Geschäftsleute haben die Organisatoren unterstützt und sich gemeinsam daran gemacht, nicht nur Stephan W. sondern auch anderen erkrankten Menschen Hoffnung zu geben. Fast 1400 Menschen krempelten Anfang November in Bitburg und Speicher die Ärmel hoch, ließen sich einen Fingerhut voll Blut abnehmen und gaben ihr Einverständnis, als Stammzellspender bei der Stephan-Morsch-Stiftung registriert zu werden. Gleichzeitig wurden Geldspenden gesammelt, um die Kosten der Registrierung von 50 Euro pro Blutprobe zu decken, die allein von der gemeinnützigen Stiftung getragen werden müssen. Mehr als 21 500 Euro kamen so zusammen – auf dem Spendenkonto „Hilfe für Stephan“, in den Spendenboxen vor Ort und durch Spenden, die direkt an die Stiftung gingen.

    Nahezu zeitgleich kam die Nachricht: Es gibt einen passenden Spender für Stephan W. „Das ist die beste Nachricht, die jemand bekommen kann, der auf eine Stammzelltransplantation wartet. Damit immer mehr Menschen eine solche Nachricht bekommen können, sind solche Typisierungsaktionen vor Ort wichtig. Solche Nachrichten für Patienten sind Ziel unserer Arbeit“, so die Stefan-Morsch-Stiftung. „Wir wissen aber auch, dass für die Patienten damit erst eine lange, sehr schwere Reise beginnt.“

    Stephan W. kam Ende November 2013 ins Krankenhaus, um die erhoffte Spende eines ihm unbekannten Spenders zu erhalten. Dazu musste sein Immunsystem komplett ausgeschaltet werden. Das neue Immunsystem des Spenders kam mit den Stammzellen eines fremden Menschen. Das ist die einzige Hoffnung, aber auch ein gefahrvoller Weg. Bettina W. freut sich, dass es ihrem Mann nun nach wenigen Monaten „gut geht. Er hat die Transplantation bislang ohne Komplikationen überstanden.“ Die große Solidarität, die Hilfe, die sie im Herbst von den Menschen im Kreis Bitburg-Prüm erfahren hat, war für die Familie eine große Kraftquelle. Die Zuversicht trägt sie weiter: „Ich will die Nachricht geben: Es geht voran.“

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