TBB Trier: Die Krux mit der Erwartungshaltung

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TRIER. Vor der Saison war die Euphorie groß. Auch die Verantwortlichen machten kein Geheimnis daraus, dass man mit den Verpflichtungen in der Sommerpause sehr zufrieden war und es wahrscheinlich immer noch ist. Während der Serie von vier teils sehr deutlichen Niederlagen wurden die ersten Stimmen laut, die dem Team mangelnden Kampfgeist unterstellten. Das wiederum wurde von Henrik Rödl und einigen Spielern vehement bestritten. Woran liegt es also, dass man mit lediglich acht Siegen aus 22 Spielen im Niemandsland der Tabelle weilt? Dafür gibt es zwei Gründe.

1. Verletzungssorgen
Tony Canty fiel die komplette Spielzeit wegen diverser Verletzungen aus. Der wieselflinke Spielmacher hatte in der Vorbereitung eine sehr wichtige Rolle inne – grade weil Jermaine Anderson erst sehr spät und nach einer Viruserkrankung mit Untergewicht zum Team stieß. Der Kanadier brauchte lange, bis er in dieser Saison Fuß fasste. Zudem fehlt mit dem A2-Nationalspieler ein wichtiger Mosaikstein in der Defensive, denn der Neuzugang kann den gegnerischen Point Guard früh unter Druck setzen. Mit Saisonbeginn wurden also alle taktischen Kniffe über den Haufen geworfen und die angedachte Starting Five gesprengt. Auch Jermaine Bucknor, Mathis Mönninghoff und Andreas Seiferth fehlten mehrere Spiele – die Niederlagen in diesen Partien waren die logische Konsequenz. Mit etwas mehr Fortune wäre eine aktuelle Bilanz von 12 Siegen durchaus realistisch und alle wären wohl mehr als zufrieden mit dem aktuellen Tabellenstand. Es sind am Ende eben Kleinigkeiten, die eine gute von einer durchschnittlichen Saison unterscheiden.

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2. Die stärkste BBL aller Zeiten
Ist es falsch gewesen, von der stärksten Mannschaft unter Henrik Rödl zu sprechen? Schwer zu sagen. Was man aber mit Sicherheit sagen kann ist, dass es sich um die stärkste BBL aller Zeiten handelt. Allein dadurch relativiert sich die vielleicht falsche Erwartungshaltung vor Saisonbeginn wieder. Ludwigsburg verpflichtet unter John Patrick mehrere Hochkaräter (Coby Karl, Keaton Grant, CJ Harris), Frankfurt zaubert Andy Rautins, Braunschweig Isiah Swann aus dem Hut. medi Bayreuth ist mit großen Erwartungen in die Saison gestartet und hat mit Ronald Burrell, Kevin Hamilton, Kyle Weems und Brian Qvale sogar mehrere Topspieler in den eigenen Reihen. Trotz dieses Kaders stehen die Oberfranken aktuell auf einem Abstiegsplatz. Selbiges gilt für die Walter Tigers aus Tübingen, deren Teamzusammenstellung auf den ersten Blick auch eher nach Playoffs schreit, denn nach roter Laterne. Die Spitzenteams haben zudem derart aufgerüstet, dass Sensationen seltener geworden sind. Bayern München könnte fast eine zweite Mannschaft stellen, die sicher in den Playoffs landen dürfte. Der Vizemeister aus Oldenburg hält fast den kompletten Kader. Wenn man die Finanzen als Grundlage nimmt, ist Trier aktuell voll im Soll. Dass einige Niederlagen zu Hause bitter und vermeidbar (Vechta, Hagen, Frankfurt) waren steht außer Frage. Auch das Zusammenspiel funktioniert nicht wie erhofft.  Aber auch hier gilt: Auch in anderen BBL-Städten wird guter Basketball gespielt und Laufkundschaft gibt es nicht mehr. Die Maxime „Von Spiel zu Spiel schauen“ war wohl noch nie so sinnvoll, denn an jedem Spieltag werden die Karten neu gemischt. 

Zu diesen beiden Punkten gesellt sich sicherlich der ein oder andere Spieler, der durch seine Verletzung in ein Leistungsloch gefallen ist (Mathis Mönninghoff) oder sich im Vergleich zur Vorsaison sogar zurückentwickelt hat (Vitalis Chikoko). Der Simbabwer kann die nötigen Schalter im Kopf scheinbar nicht umlegen und wirkt verunsichert und gehemmt. Aber auch hier zeigt sich die Loyalität eines Henrik Rödl, der seine Spieler nicht fallen lässt. Wo ein John Patrick wohl schon längst den einen oder anderen kriselnden Spieler in die Wüste geschickt hätte, versucht Rödl seine jungen Akteure aus dem Leistungsloch herauszuholen und ihnen Vertrauen zu schenken. Ob man in Trier wieder Söldnertruppen sehen will, deren Gesicht sich jeden Monat ändert?

Klar ist: Mit jeder Niederlage wächst die Verunsicherung im Team und die Untergangsstimmung, die sich bei manchen Fans breitmacht, macht die Angelegenheit nicht einfacher. Aber auch hier muss man die Anhänger verstehen, die seit der Ankunft von Henrik Rödl mit tollem Teambasketball verwöhnt wurden. Dass es dieses Jahr durch mehrere Faktoren nicht wie gewünscht klappt, sorgt für Frust statt Lust. Schon gegen Braunschweig können Andreas Seiferth und Co. das Ruder wieder herumreißen. Denn trotz der teils enttäuschenden Niederlagen: Die Trierer Basketballer haben ihr Schicksal immer noch selbst in der Hand. (cw)

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