„Sie wollten sie tot schlagen“

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TRIER. Am Dienstag, den 25. Februar, wurde der Prozess gegen einen russischen Staatsbürger fortgesetzt, der gemeinsam mit einem Komplizen am 23. August des vergangenen Jahres ein Trierer Autohaus am Porta-Nigra-Platz überfallen haben soll. Sergej R. der seit dem Tattag in Untersuchungshaft sitzt und sein mutmaßlicher Mittäter hatten den Autohandel R-Company gegen über der Porta Nigra überfallen und ein regelrechtes Blutbad angerichtet. Drei Personen waren bei der Tat zum Teil schwer verletzt worden (lokalo berichtete).

Am zweiten Verhandlungstag waren weitere Zeugen geladen, die die von der Staatsanwaltschaft erhobenen Tatvorwürfe erhärten sollten.

Zu Beginn wurde Heike S. gehört, eine Polizistin, die noch am Abend des Überfalls den zu dieser Zeit siebenjährigen Jungen vernommen hatte, den Sohn von Michail P., dem Inhaber des Autohauses. Die Frau berichtete von einem traumatisierten Kind, dessen Aussagen immer wieder von Weinen und Schluchzen unterbrochen worden seien. Während des Geschehens hatte sich der Kleine hinter dem Tresor in einem der Geschäftsräume versteckt. Von zwei Tätern mit „Stöcken aus Metall“ hatte der Junge berichtet, dass „alles voller Blut war“ und dass er, nachdem die Zeugin Barbara A. aus dem neben dem Geschäft liegenden Hotel ihn vorübergehend zu sich genommen hatte, „umgekippt“ sein. Wie schon am ersten Verhandlungstag zeigte der vermutliche Täter, dem alle Worte von einer Dolmetscherin simultan übersetzt wurden, keine äußerliche Regung. Dieses Verhalten setzte sich bei allen nachfolgenden Zeugen fort.

Die weiteren Polizisten, die auf dem Zeugenstuhl Platz nahmen, gehörten überwiegend nicht zum Kern der Ermittler. Sie waren zum Tatort gerufen worden, um die Kripo bei den Nachforschungen zum Tatgeschehen zu unterstützen. Sie hatten die Kleidung der Tatverdächtigen sichergestellt, teils aus dem von ihnen angemieteten Hotel in der Rindertanzstraße, teils aber auch bei der Einlieferung des Angeklagten in die Justizvollzugsanstalt, um sie an die Spurensicherung weiterzuleiten. Von ihnen waren auch die zwei „Totschläger“ nach Ansicht von Ermittlern und Staatsanwaltschaft die Tatwerkzeuge, sichergestellt worden.

Eine der Stahlruten lag im rechten Torbogen der Porta Nigra und war offensichtlich bei der Flucht weggeworfen oder verloren worden. Die andere hatte die Polizei im Autohaus gefunden. An beiden Teleskopschlagstöcken, die in Deutschland lt. Waffengesetz verboten sind, waren Blutspuren gefunden worden, eine dieser Waffen war im beweglichen vorderen Teil halbmondförmig gebogen – vermutlich durch die Schlagwirkung.

Eine Verfolgungsjagd wie im Actionfilm

Zu Wort kam am zweiten Verhandlungstag auch Olga K. die eine besondere Rolle bei dem Überfall gespielt hatte. Die Angestellte einer ebenfalls dem Inhaber des Autohauses gehörenden Firma in Luxemburg, war an diesem Freitag im August zu einer Besprechung im Autohaus gewesen. „Da ich auf dem Sofa saß und durch die Lehne verdeckt war, haben mich die Täter nicht gesehen“, vermutet sie. Sie habe aber gleichwohl eine kurze Begrüßung gehört – ob auf deutsch („Guten Tag“) oder englisch („How are you“) konnte sie nicht mehr mit Bestimmtheit sagen. Dafür war sie sich aber sicher: „Direkt danach ging es los. Die Männer haben immer nur auf die Köpfe geschlagen. Das Blut spritzte bis zur Decke. Ich bin mir sicher, sie wollten sie tot schlagen.“ Sie ist sich sicher, dass sie selbst erheblichen Anteil daran hat, dass es dazu nicht kam.

„Ich bin ohne nachzudenken, welcher Gefahr ich mich aussetze, rausgelaufen.“ Sie rannte zur Rezeption des Hotels und überzeugte das dortige Personal schnell davon, Polizei und Krankenwagen zu rufen.“ Als sie zum Tatort zurückwollte, war der Überfall schon in der Schlussphase. Die Täter waren dabei, die Räume des Autohauses zu verlassen. Was die junge Frau dann geritten hat, die Verfolgung eines Mannes aufzunehmen, weiß sie selbst nicht so genau. „Instinktiv“ sei ihr Handeln gewesen, schildert die 32-Jährige die Verfolgungsjagd, die wie so manches in diesem Verfahren klingt, als seien Sequenzen einem Actionfilm entliehen. Über die Nordallee zur Porta Nigra, von da aus durch die Simeonstraße und dann nach links in die Glockenstraße führte die Verfolgung des Täters, dessen Kleidung blutverschmiert war und den sie während der Hetzjagd noch mit dem Handy fotografierte und filmte. In der Glockenstraße bekam sie Angst, „weil hinter mir noch zwei Männer liefen. Ich wusste nicht, wer sie waren.“ Sie flüchtete in ein Büro. Von dort aus sah sie, dass die von ihr beobachteten Männer dem Täter weiter folgten. Nach der Aussage der russisch-stämmigen Frau hatte die Verteidigerin Swetlana Rosenzweig viele Nachfragen. Für den Anwalt des Nebenklägers, Frank Schulze und Staatsanwalt Wolfgang Barrot ein Manöver, das nur darauf abzielen sollte, die Zeugin zu verunsichern. „Sie haben doch schon alles gehört, warum soll Frau K. ihre Aussage wiederholen?“, fragten sie unisono. Trotz einiger Bedenken ließ Richterin Petra Schmitz die Fragen zu – zu neuen Erkenntnissen führten sie aber offensichtlich nicht.

Die Verhaftung von R. am Tattag hatte schließlich der Kripobeamte K. gemeinsam mit einem Kollegen vorgenommen, der die beiden Männer, die Olga K. verängstigt hatten, als weitere Zeugen bezeichnete. „In der Grünanlage zwischen Christophstraße und Nordallee“ habe man den Mann „niedergeredet.“ Auf Nachfrage erklärte er: „Wir nennen das so, wenn wir eine Verhaftung vornehmen, bei der sich der Verdächtige nicht wehrt, sondern auf unsere Ansprache reagiert.“ So sei das in diesem Fall gewesen. „Hals, Hände und Kleidung waren blutig“, schilderte er den ersten Eindruck, nachdem R. mit Handschellen fixiert worden war. „Er hat uns dann beschimpft und gedroht“, so der Beamte weiter. Er habe sich selbst als „White Nazi“ bezeichnet und gedroht, den Polizisten drohe dasselbe Schicksal wie den soeben Überfallenen. Die Identität des Festgenommenen hatte sich schnell geklärt, da sein Reisepass noch in dem am Tag zuvor angemieteten Hotelzimmer lag. Den zweiten Täter fand die Polizei aber nicht mehr – er war über die Feuerleiter des Hotels entkommen.

Die Verhandlung wird am Mittwoch, den 5. März fortgesetzt. (wir)

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