Fachkräfte-Engpass: Beruflich qualifizierte Mitarbeiter fehlen

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TRIER. Die rheinland-pfälzische Wirtschaft fürchtet den Fachkräftemangel: Fast 40 Prozent der Unternehmen im Land sehen nach der jüngsten Konjunkturumfrage der rheinland-pfälzischen Industrie- und Handelskammern (IHKs) in der mangelnden Verfügbarkeit ausreichend qualifizierter Mitarbeiter ein akutes Geschäftsrisiko.

Dass sich die Unternehmen nicht unbegründet sorgen, bestätigen die Ergebnisse des jetzt erstmals aktualisierten IHK-Fachkräftemonitors Rheinland-Pfalz.

Der zentrale Befund: Die Sicherung des Nachschubs an beruflich qualifizierten Fachkräften ist und bleibt die zentrale Herausforderung für den Wirtschaftsstandort Rheinland-Pfalz. Zwar kann gegenwärtig der Bedarf an entsprechend qualifizierten Fachkräften rein prozentual besser gedeckt werden als bei Akademikern. Doch ist der Fachkräfteengpass bei beruflich Qualifizierten in absoluten Zahlen bereits heute um ein Vielfaches höher. Und: Er wächst in den kommenden Jahren dramatisch an. Bis 2030 werden nach aktuellem Stand rund 100.000 beruflich qualifizierte Fachkräfte fehlen. Schon heute sind es in der Region Trier etwa 5000. „Bis 2030 wird sich die Zahl hier voraussichtlich mehr als verdoppeln“, sagt Martina Becker, Referentin für Fachkräftesicherung der IHK Trier. Dem steht im Land ein Akademiker-Engpass von rund 6200 Personen gegenüber.

„Beruflich qualifizierte Fachkräfte sind das Fundament der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit unserer Unternehmen. Dass sich hier ein dramatischer Engpass abzeichnet, muss Politik und Wirtschaft in Alarmstimmung versetzen“, bewertet ARGE-Hauptgeschäftsführer Arne Rössel die Ergebnisse. „Auf diese Herausforderung müssen wir gemeinsam und zügig Antworten finden. Der anhaltende Akademisierungstrend im Land und die rentenpolitischen Weichenstellungen im Bund sind allerdings alles andere als geeignet, die Engpässe bei den beruflich qualifizierten Fachkräften zu mildern.“

Um den Akademisierungstrend im Land zu stoppen, empfiehlt die IHK-Arbeitsgemeinschaft, systematisch am Image der beruflichen Bildung zu arbeiten, die Berufsorientierung insbesondere auch an Gymnasien zu verbessern und den Zugang zum Studium stärker als bisher zu steuern. „Darüber hinaus steht die Landesregierung natürlich in der Pflicht, eine verlässliche und qualifizierte duale Berufsbildung zu gewährleisten. Dazu muss unter anderem der überdurchschnittliche Unterrichtsausfall in den Berufsschulen beseitigt und ein angemessenes Fachklassenangebot auch bei sinkenden Schülerzahlen in der Fläche erhalten werden“, sagt Rössel.

Der IHK-Fachkräftemonitor Rheinland-Pfalz:
Das unter www.fachkraeftemonitor-rlp.de abrufbare Programm bietet eine umfassende, auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basierende Analyse des Fachkräfteangebots und der Fachkräftenachfrage in Rheinland-Pfalz. Damit können Unternehmen und Institutionen die künftige Entwicklung der Fachkräftesituation differenziert nach Berufsgruppen und beruflichen Qualifikationsniveaus beurteilen. Das Tool ermöglicht die Analyse der Fachkräftesituation in 105 Berufsgruppen, 13 Wirtschaftszweigen und vier IHK-Regionen und liefert damit eine fundierte und differenzierte Datenbasis. Der IHK-Fachkräftemonitor wurde im Auftrag der IHK-Arbeitsgemeinschaft Rheinland-Pfalz vom Wirtschaftsforschungsinstitut WifOR aus Darmstadt entwickelt. Die den Prognosen zugrunde liegenden Daten werden einmal jährlich aktualisiert. (red)

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