Bure: Atommüllklo mitten in der Region?

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TRIER. Am Dienstag, den 18.02., wurde die Vortragsreihe „Cattenom-Bure-Fukushima“ des Anti-Atom-Netzes in der VHS fortgesetzt. Markus Pflüger informierte die Gäste über den bevorstehenden Bau eines Atomendlagers Bure, Region Lothringen, im Nachbarland Frankreich, welches den Anschein erweckt ein europäisches Enlager für radioaktiven Müll zu werden.

Hauptsächliche Kritik am Projekt: zu wenig Transparenz, Risiken unzureichend erforscht oder schön geredet von der zuständigen Agentur, Orientierung an bloßen Wahrscheinlichkeiten.

Die Region Bure, in der das Endlager entstehen soll, liegt circa 167 Kilometer von Trier entfernt im französischen Lothringen. Sie ist geprägt von Landwirtschaft, einer geringen Einwohnerdichte (6 Einwohner/km²; Vergleich Trier 930 Einwohner/km²), hoher Arbeitslosigkeit und Strukturschwäche. Laut einem Bericht der französischen Regierungskommission zur Standortauswahl eigne sich die Region aufgrund der genannten Kriterien für das geplante Vorhaben daher besonders: „Letztendlich ist die Akzeptanz der lokalen Bevölkerung entscheidend, das ist wichtiger als die Vorteile der jeweiligen Gesteinsart.“

Das Vorgehen der Regierung erinnert stark an die Asse (Atommüllendlager, ehemaliges Salzbergwerk in Niedersachsen), bei der Wissenschaftler für viele tausend Jahre Sicherheit attestierten. Bekanntlich hielt diese lediglich für Jahrzehnte. Nun wird für das Jahr 2017/18 die Baugenehmigung für ein in Europa unvergleichlich großes unterirdisches Stollenwerk erwartet, in welches ab 2020/25 wöchentlich zwei Castorenlieferungen aus dem Atommüllaufbereitungslager „La Hague“ transportiert werden sollen. Im Vergleich: durch Deutschland rollen jährlich lediglich zwei Castoren in das Zwischenlager nach Gorleben.

Der Atommüll aus „La Hague“ muss nach der Ankunft in Bure noch schätzungsweise 50 Jahre an der Oberfläche abkühlen, bis er schließlich über die fünf Kilometer lange Rampe unter Tage befördert werden kann. Das unterirdische Stollennetzwerk soll die Eigenschaft erfüllen, die radioaktive Strahlung eine Million Jahre von der Erdoberfläche abzuschirmen. Der Beschaffenheit der Gesteinsschicht spielt hierbei eine wichtige Rolle, um Undurchlässigkeit von Strahlung zu garantieren.

Dass ausgerechnet die Region Bure als Standort gewählt wurde, erscheint vielen Beobachtern im Nachhinein logisch. In der Region gibt es schon vier weitere Atomanlagen in l’Aube/ Soulaines-Dhuy, Morvilliers/ Soulaines, Daher/ à Epothemont und natürlich in Cattenom. Die Standortentscheidung für Bure ist nach französischem Recht dennoch bedenklich, da bei der Vorauswahl keine weiteren Alternativen überprüft wurden.

Das Projekt an sich wird jährlich mit vielen Millionen Euro subventioniert. Die bisherige Kosten umfassen: 1,5 Milliarden Euro für Bau des Labors, 16 Miollionen Euro jährliche Betriebskosten und seit 2010 30 Millionen Euro für die Départements (Kommunen) Meuse und Haute-Marne. Diese Gelder stammen nicht nur aus dem französischen Haushalt. Fördergelder aus der Europäischen Atomgemeinschaft (Euratom) und in nicht unerheblichen Teil aus Deutschland (bis 2013 4,5 Millionen Euro) flossen in den vergangenen Jahren in das Projekt. Nicht ohne eigenen Vorteil: Laut einer kleinen Anfrage der Linken im Bundestag führen deutsche Wissenschaftler seit 2001 ebenfalls Forschungen in Bure durch. Mit scheinbarem „Erfolg“: Eine der beteiligten Behörden, die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, weist seit 2007 eine Liste mehrerer untersuchungswürdiger Gesteinsschichten in Norddeutschland aus.

Markus Pflüger warnt in seinem Vortrag ausdrücklich vor den Gefahren, welche durch die Produktion von Atommüll entstehen. „Das Problem an den wissenschaftlichen Prognosen ist, dass sie alle nur auf Wahrscheinlichkeiten beruhen, die sich über den enormen Zeitraum von einer Million Jahre erstreckt. Aussagen über Risiken können kaum den Anspruch haben sich über so lange Zeit zu bewähren. Daher mein Tipp: Wenn die Badewanne überläuft, muss zuerst der Hahn abgedreht werden.“ Er erklärt: „Dies würde bedeuten alle Atomkraftwerke gänzlich still zu legen, weil kein notwendig sicheres Endlager vorhanden ist und es ein solches auch nie geben kann.“

Im Fall Bure kritisierte Pflüger vor allem die nicht beachteten Risikopotentiale durch geologische Verwerfungen im Gebiet, welche zu Verschiebungen in der Bodenstruktur führen könnten und letztlich das Lager beschädigen. Die Gefahr des Eindringens von Wasser in die Stollen sei ebenfalls gegeben. Dann drohe Bure ein ähnliches Schicksal wie der Asse, bei der noch heute nicht geklärt ist, wie die Bergung des radioaktiv verseuchten Schlamms bewältigt werden soll. Außerdem kritisierte er die millionenschweren Subventionen, mit denen die Zustimmung der Bevölkerung zu dem Projekt erkauft werde und die fehlende Beteiligung der Öffentlichkeit.

Die Zustimmung der Bevölkerung sinke zwar, der Stop des Projekts scheint bisher aber nicht wahrscheinlich zu sein. Rein rechtlich wurden zwar französische Gesetze umgangen durch eingeschränkte Standortauswahl und die Nichtbeachtung des Geothermiepotentials, dessen Erforschung rechtlichen Vorrang vor weiteren Baugenehmigungen hat, jedoch scheint der zeitliche Fahrplan bis 2025 trotz aller Bedenken wie geplant fortgesetzt zu werden. (mhä)

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