„Verbotene Liebe“ vor Gericht

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TRIER. In der heutigen Verhandlung der 1. Großen Jugendkammer unter Vorsitz von Richter Albrecht Keimburg wurde der geständige Angeklagte Manuel K. zu einer Haftstrafe von 4 Jahren und 6 Monaten wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern in insgesamt elf Fällen verurteilt. Die Kammer sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte in mindestens elf Fällen sexuelle Handlungen mit einer damals Zwölfjährigen gehabt hatte.

 

Der 23-jährige Angeklagte aus dem Kreis Daun, der zurzeit in Untersuchungshaft sitzt, ließ sich nach der Verlesung der Anklageschrift über seinen Rechtsanwalt Christian Hölzer zu den Vorwürfen ein. Zwar stimmten die gegen ihn vorgebrachten Anschuldigungen, allerdings sei der Sex einvernehmlich gewesen und die Initiative sei von Jenni K. gekommen, dem Opfer, das seine Kusine ist. Manuel K. wurde bereits im Jahr 2013 wegen derselben Vorwürfe zu drei Jahren verurteilt worden. Im Vorfeld des damaligen Prozesses wurde der Angeklagte aus der U-Haft entlassen, da er einen Job hatte und keine Wiederholungsgefahr bestanden habe, da das Gericht ihm die Auflage gab, sich von seiner Kusine fernzuhalten. Allerdings gestand er im Hauptverfahren des Jahres 2013, während seiner Haftverschonung erneut mit der Minderjährigen geschlafen zu haben. Die Staatsanwaltschaft in Person von Stephan Parent ermittelte nach dem Urteil im Mai 2013 weiter und erhob erneut Anklage.



Auch wenn die Beteiligten gewusst hätte, dass das, was man tat, nicht richtig war und den Angeklagten in noch größere juristische Probleme bringen könnte, habe man sich des Öfteren heimlich im Wald oder in der Wohnung seines Chefs, in der der Angeklagte ein Zimmer bezogen hatte, getroffen und mindestens drei Mal vor Jennis 14. Geburtstag einvernehmlichen Sex gehabt. Auch hätten beide für Nachfragen dem Mädchen eine falsche Identität mit anderem Namen und höherem Alter ausgedacht.

Jenni K. selber machte in der heutigen Verhandlung nur bei hartnäckigem Nachfragen von Richter Keimburg Aussagen zu den Vorfällen. Die heute 14-Jährige gab zu, dass man sich mehr als drei Mal getroffen habe, sich über das Handy verabredet und verschiedene Wege zu den Treffpunkten gewählt habe, um nicht aufzufallen. „Das ist ja hochgradig konspiratives Verhalten“, beurteilte der Vorsitzende Richter diese Aussagen. „Aber ich liebe ihn doch über Alles und wollte ihn unbedingt wiedersehen“, antwortete das vermeintliche Opfer. Auch die geladene Kriminalbeamtin Silvia K. bestätigte, dass Jenni sehr in Manuel verliebt sei und sich eine gemeinsame Zukunft vorstellen kann.

Allerdings machte Staatsanwalt Parent in seinem Plädoyer deutlich, dass es sich trotz der geschilderten Gefühle um eine Straftat gehandelt hat und der angeklagte Landwirt dementsprechend zu bestrafen sein. Auch wenn er geständig sei und einige Dinge, wie z.B. der geschützte Geschlechtsverkehr mit dem Kind, für ihn sprechen würden, forderte er eine Gesamtfreiheitsstrafe von 4 Jahren und 6 Monaten. Mit einzuberechnen seien allerdings auch die drei Jahre aus dem Jahr 2013. Rechtsanwalt Hölzer schloss sich den Ausführungen der Staatsanwaltschaft zwar an, bat allerdings um eine Strafe nicht über 4 Jahren, da man dem jungen Mann seine Zukunft nicht komplett verbauen sollte.

Die Kammer folgte jedoch den Ausführungen des Staatsanwalts und verurteilte Manuel K. zu 4 Jahren und 6 Monaten. Es sei eine „katastrophale Beziehung“ zwischen den beiden Verliebten gewesen, die niemals hätte zustande kommen dürfen. Außerdem habe der Angeklagte die Justiz schwer enttäuscht, indem er während seiner Haftverschonung weitere Straftaten begangen  hatte. „Wir haben einen Fehler mit der Haftverschonung gemacht, den wir allerdings nicht nochmal wiederholen werden“, gab Richter Keimburg zu.

Der Angeklagte hat die Möglichkeit, innerhalb der nächsten sieben Tage Revision einzulegen. Daher ist das Urteil noch nicht rechtskräftig. (bas) 

 

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