Sieben Jahre Haft

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    TRIER. Im Prozess um eine Serie von Raubüberfällen wurde am Dienstag, den 18. Februar der geständige 30-jährige Angeklagte Marc H. für seine Beteiligung als „ausführendes Organ“ in zwei von fünf Fällen zu sieben Jahren Haft verurteilt. Der Prozess gegen die beiden Angeklagten Marc H. und Luis R. war verfahrenstechnisch voneinander getrennt worden. Noch ungeklärt sind die Vorwürfe gegenüber dem Angeklagten Luis R., der die Beteiligung an zwei Fällen gestanden hat, die restlichen Vorwürfe jedoch zurückweist.

    Um 14 Uhr fiel in der 1. Großen Strafkammer des Landgerichts Trier unter Vorsitz von Richterin Petra Schmitz das Urteil im Falle des Angeklagten Marc H. aus Zweibrücken. Dieser hatte gestanden, die zwei Raubüberfälle in Trier-Heiligkreuz (September 2009) und Thomm (Februar 2010) als „ausführendes Organ“ begangen zu haben. Die Strippenzieher der Überfälle, welche die Taten geplant und den Angeklagten angeheuert hatten, müssen jedoch noch im fortlaufenden Prozess ermittelt werden. Im Raum steht die Verwicklung des bekannten Trierer Schrotthändlers M., welcher allerdings gleichzeitig als V-Mann der Staatsanwaltschaft geführt worden war. Der zweite Angeklagte, Luis R., bestreitet die drei weiteren der insgesamt fünf Fälle begangen zu haben (lokalo berichtete).



    Der Fall des in Trier geborenen Angeklagten H. war jedoch eindeutig genug, um zu einem Urteil zu kommen. Er hatte gestanden, die Überfälle in Trier-Heiligkreuz und Thomm in Auftrag ausgeführt zu haben. Ihm war von seinen Vermittlern stets versichert worden, dass alle Opfer „selbst Dreck am Stecken hätten“, weswegen ein Überfall bei den angegebenen Opfern moralisch nicht verwerflich erscheinen müsse. Sein Geständnis wird vom Ermittlungsergebnis der Polizei und Staatsanwaltschaft gestützt.

    Um sich seiner Schuldenlast zu entledigen, die durch frühere Straftaten entstanden war, hatte sich der Angeklagte im Jahre 2009 zum Überfall in Heiligkreuz überreden lassen. Er hatte die Hausherrin im Garten angetroffen, sie in ein Gespräch verwickelt, um sie sogleich danach niederzuschlagen. Sein Plan, die Frau durch rohe Gewalt und das Einfordern „seines Geldes“ zur Kooperation zu bewegen, scheiterte. Aus Angst, erwischt zu werden, hatte er dann aber ohne Beute die Flucht ergriffen. Beide überfallenen Frauen leide bis heute unter den physischen und psychischen Folgen der Tat.

    Da der erste Raub nicht gelungen war, ließ sich Marc H. ein zweites Mal überreden. In Thomm öffnete die Geschädigte dem Mann mit Klemmbrett in der Hand ohne Vorbehalt die Tür und wurde wie im ersten Fall niedergeschlagen. H. hatte durch sein Auftreten den Eindruck erwecken wollen, sich für einen Job bei ihrem Mann bewerben zu wollen. Nach einem erfolglosen Hilferuf war das Opfer gefesselt und geknebelt für Stunden im Keller eingesperrt worden.

    Die Rechtsanwältin der Nebenklägerin aus Trier-Heiligkreuz, Sylvia Karrenbauer, erklärte: „Auf wehrlose Frauen einzuschlagen macht mich sprachlos. Sie sind ein Wolf im Schafspelz und stehen beispielhaft für die Verrohung der Gesellschaft.“ Verteidiger Claus-Jürgen Stichler rief in seinem Plädoyer die lediglich ausführende Rolle und die positive Charakterentwicklung seines Mandanten in Erinnerung. Er wolle die Taten nicht beschönigen, wies aber darauf hin, dass Marc H. gute Chancen hätte sich zu resozialisieren, er habe sich geändert. Als Beleg dafür galt die Aussage: „Früher hätte ich das Ding durchgezogen, heute habe ich nicht mehr den Mumm dafür“.

    Richterin Petra Schmitz begründete das Strafmaß von insgesamt 7 Jahren, unter Berücksichtigung der bestehenden Vorstrafen, mit der Feststellung von „versuchter räuberischer Erpressung, schwerer Körperverletzung ohne Rücktritt von der Tat im ersten Fall und schwerem Raub, vorsätzlicher Körperverletzung und Freiheitsberaubung im zweiten Fall.“ Durch den Einsatz der Hundeleine und das Mitführen des Elektroschockers, auch wenn dieser nicht zum Einsatz kam, erfolgte die Bewertung als „schwerer Raub“. An einer Sicherungsverwahrung sei der Angeklagte nur die auf dem psychiatrischen Gutachten basierende günstige Sozialprognose „gerade noch einmal vorbeigeschrammt“, mahnte Schmitz an. Die bisherigen Vorstrafen umfassen: gefährliche Körperverletzung, schwere räuberische Erpressung im Zuge eines Banküberfalls, Handel mit Betäubungsmitteln und schwerer Raub in drei Fällen.

    In der kommenden Verhandlung am Mittwoch, den 26. Februar, wird die Anklage von Luis R. verhandelt. Dann wird auch der Zeuge M. wieder eine gewichtige Rolle spielen (siehe Extra). Als weitere Zeugen werden dann die Lebensgefährtin des Angeklagten und die Geschädigten eines weiteren Falles in Trier aufgerufen. Marilena Häring

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