Die Angst vor dem Ruin geht um

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TRIER. Seit Tagen ist das Vorhaben der Stadt Trier und einer sie umgebenden Allianz aus verschiedenen Ämtern, Organisationen und einiger Politiker, die Werbeschilder in der Fußgängerzone abzuschaffen, Gesprächsthema Nummer Eins. Was sich harmlos anhört („Fortschreibung der Sondernutzungssatzung“) ist für viele Händler und Gastronomen der Stadt existenzbedrohend. lokalo hat Nicole Aytar besucht, die in der Brotstraße die Boutique „Nicay“ führt, die exklusive Ledermoden anbietet.

Nicole Aytar ist eine dieser Unternehmerinnen, die, wie die überwiegende Mehrzahl der Geschäftsleute der Innenstadt, nicht in der komfortablen Situation ist, über eine zig Meter lange Fensterfront zu verfügen und damit bequem auf Werbeschilder verzichten zu können. Die Designerin ist sogar besonders gehandicapt, denn sie zählt zu denen, die ihr Geschäft in der zweiten Etage der Fußgängerzone betreiben. Ihre Boutique „Nicay“, ihre Kollektion exklusiver Lederwaren („Pure Eco Leather“), findet man in der Brotstraße 11 – aber nur, wenn man ihr Werbeschild sieht. Oder eigentlich in der Wäschegalerie Heinemann einkaufen will, und dann in deren Eingangsbereich auf der rechten Seite den Treppenaufgang zu „Nicay“ sieht.

„Klein aber fein“, denke ich, als ich den Verkaufsraum betrete. So also sieht ein Geschäft aus, das Michael Müller, einer der führenden Köpfe der „Weg-mit-den-Stoppern-Aktion“, offensichtlich als Kollateralschaden ansieht, wenn die Sterilisierung der Innenstadt gelingen sollte (lokalo berichtete). Nicole Aytar empfindet Äußerungen wie „Wir können nicht auf jeden Einzelnen Rücksicht nehmen“, oder „Dann müssen sich die Betroffenen einen anderen Standort suchen“, als zynisch: „Eine andere Miete, als die in der 2. Etage der Fußgängerzone kann ich mir nicht leisten. Ich bin froh, dass ich überhaupt die Möglichkeit bekommen habe, hier mein Geschäft zu eröffnen.“

Die Triererin kam erst vor vier Jahren aus Zürich wieder zurück in ihre Geburtsstadt, wo sie auch aufgewachsen ist und am Friedrich-Spee-Gymnasium ihr Abitur gemacht hat. Irgendwann wandte sich die junge Frau, die BWL und Sprachen studiert hat, der Mode zu. Ihre Kollektion, die zum großen Teil von ihr selbst entworfen wurde, umfasst Mäntel, Jacken, Schuhe, Stiefel, Handtaschen und Accessoires – alle in geringen Stückzahlen produziert und alle aus Leder. „Das Leder, das ich verwende, ist rein pflanzlich gegerbt und kommt aus Deutschland und Italien. Die Fertigung erfolgt in kleinen Stückzahlen in Deutschland, Italien und Spanien.“

Die eichenloh-gegerbten Ledersohlen für die Schuhe und Stiefel kommen von Joh. R. Rendenbach aus der Gerberstraße in Trier, das Rindnappa von Ecopell in Süddeutschland, die hochwertigen Kalbsleder vom Konsortium Vera Pelle in Italien, einem Zusammenschluss von 28 Gerbereien, die nach traditionellen Methoden rein pflanzlich gerben. Stolz schwingt in ihrer Stimme mit, wenn sie von „höchstmöglicher Qualität“ spricht. Überwiegend ist ihre Ware aus Kalbs- oder Rindleder hergestellt, und eben chromfrei, „ohne allergieauslösende Stoffe und Chemikalien“. Die Schuhe sind rahmengenäht und bieten daher einen ganz besonderen, nicht alltäglichen Tragekomfort.

Nicola Aytar weiß um ihre Abhängigkeit von der Platzierung eines Werbeschildes vor ihrem Geschäft. „Wie soll ich denn sonst auf mich aufmerksam machen“, fragt sie. „Die Menschen, die durch die Stadt bummeln, schauen doch nicht nach oben, um zu sehen, ob es da auch noch ein Geschäft gibt. Und wer nicht nach oben schaut, der sieht mein Geschäft gar nicht, weil mir ja außer einem Aufkleber auf dem Fenster auch jede weitere Form der Werbung verboten ist.“

Die jetzt initiierte Kampagne, die das Ziel hat, die Stadt „stopperfrei“ zu machen, ist für sie „die Autobahn zum Kopfschuss.“ Natürlich ist es für sie und auch für andere Betroffene illusorisch, einen anderen Standort zu suchen. „Wo soll ich denn hin. Ich muss in der Fußgängerzone bleiben, weil ich an der Peripherie keine Geschäftsgrundlage habe. Im Parterre sind die Mieten zu teuer. Wenn ich auf der Straße nicht mehr auf mich aufmerksam machen kann, bin ich ruiniert. Dann muss ich zumachen.“ Dann wären alle Investitionen, die sie in ihre Boutique gesteckt hat, vernichtet. Das Geld, das erforderlich war, die Idee, „nachhaltigem Luxus“ produzieren zu lassen, die Energie, die sie in die Umsetzung dieses Konzepts setzt, ihre eigenen Entwürfe, nach denen ihre Ledermode produziert wird. Um es ganz deutlich zu sagen: „Dann ist meine Existenz ruiniert.“

Nicole Aytar ist enttäuscht von der Kampagne, „die einige wenige zum Nachteil vieler“ losgetreten haben: „Ich bin doch nicht die einzige, die Existenzangst hat. Den meisten anderen Gewerbetreibenden in der Innenstadt geht es doch genauso.“ Nach ihrer Auffassung ist „die erdrückende Mehrzahl der Geschäfte darauf angewiesen, mit Schildern auf sich und die eigene Angebotspalette hinzuweisen. Wenn das Verbot kommt, dann gehört die Vielfalt in der Fußgängerzone der Vergangenheit an. Die Mieten können sich dann nur noch Filialisten leisten. Dazwischen wird man nur noch die wenigen Hauseigentümer finden – das war’s.“

Deshalb hofft Nicole Aytar, dass sich die Betroffenen gegen das „Stopper-Verbot“ wehren. Weil sonst viele Läden schließen müssen. „Und dann ist es vorbei mit der bunten Vielfalt.“ Willi Rausch

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1 KOMMENTAR

  1. Wie war noch eine der Thesen des Michael Müller?“Wir müssen uns gegen den Online-Kauf besser positionieren“!Aber genau diese jungen innovativen Geschäfte,denen man ihre Existenzgrundlage entzieht, werden dann ihre Waren im Internet anbieten,und das geht dann wirklich zu Lasten der Innenstädte und ihrer Frequenz. Also überlegt euch nochmal, ob ihr diesen Irrsinn wirklich durchziehen wollt!

  2. Was zum Teufel reitet diese Leute eigentlich, dass sie anderen immer Knüppel zwischen die Beine werfen müssen. Zum Verantwortungsbereicht von Frau KT kann man ja nur noch sagen: und täglich grüßt das Murmeltier. Jeden Tag wird eine andere Sau durchs Dorf getrieben. Das „Schwarzbuch KT“ ist inzwischen ein elend dicker Wälzer. Und niemand ist da, der diese Frau stoppt. Im Gegenteil. Und genau das ist die Crux: Egal wieviel Scheiße sie produziert – sie hat ja nichts zu befürchten. Frau Aytar leider schon.

  3. Von dieser Frau ist nichts Produktives zu erwarten. Wenn sie für ihr Geld hart arbeiten müsste, hätte sie gar keine Zeit, auf solch hirnrissige Gedanken zu kommen. Am schlimmsten aber ist, dass die Politiker schon auf der unteren Ebene nicht mehr das tun, wofür sie eigentlich da sind – nämlich den Bürgern zu helfen, statt ihnen zu schaden.

  4. Ich finde es schade, dass die Geschäftsleute und die Gastronomen sich bei der Behandlung durch die „Stadt“ nicht entschiedener zur Wehr setzen. Sollen sie doch mal ihre Parkplätze schließen bei einer gut besuchten Arenaveranstaltung oder beim Altstadtfest konsequent die Toiletten nur für ihre Gäste zugänglich machen….. Vielleicht merken ja die betroffenen Geschäftsleute irgendwann, dass sie auch einen Hebel haben. Manchmal, so lehrt die Geschichte, dauert es eben etwas länger.

  5. Die Taktik von Frau K.T. ist doch klar erkennbar:
    1. Wirbel erzeugen. Lenkt von ihrem Totalversagen als Verantwortliche Dezernentin bei der Aufarbeitung des Baumsturzes ab.
    2. Solche Werbegeschichten sind eigentlich Sache der Wirtschaftsförderung, sprich des Dezernenten Egger, der ja auch als natürliches Mitglied im Vorstand der City-Initiative sitzt uns so viel näher dran ist an der Materie. Später im Jahr kann man dann evt. sagen, der OB, der dann ja in Rente ist, hat das so entschieden.
    3. Weitere Aufgaben seinem Dezernat zuzuführen, um dann bei weitern Verzögerungen bei wirklich wichtigen Projekten behaupten zu können, man habe zu wenig Personal.
    So wird z.B. verfahren bei der Verlängerung Avelertal. Hier ist 7! Jahren eine Stadtratsbeschluss gefasst wurden, der noch nicht ansatzweise umgesetzt ist. Mit eben dieser Begründung.

  6. Die 50-Euro-Frage bei WWM: haben Frau KT und die sie umgebenden willfährigen Lakaien irgendwann, irgendwas getan, was in die Rubrik „Gut gemacht“ einzuordnen ist?
    Antwort: Nein!!!!!!!!!!

  7. Welche Frau ist die unbeliebteste Kommunalpolitikerin in der Geschichte der Stadt Trier

    A: Angela Merkel B: Franziska Müntefering

    C: Dolly Buster D: Simone K.T

  8. Antwort D – habe ich jetzt was gewonnen ?
    Da gibt es noch eine Schläferin aus Schleswig-Holstein, die hier auch noch nichts produktives geleistet hat.

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