AVG-Sanierung – eine unendliche Geschichte

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TRIER. Im Jahr 2010 stellte der Stadtrat fast fünf Millionen Euro für die Sanierung der Räumlichkeiten im Altbau des Trierer Auguste-Viktoria-Gymnasiums (AVG) zur Verfügung. 2012 wurde nochmal fast eine Million Euro nachgeschossen. Immer wieder kommt es zu Kostensteigerungen und Bauplanverlängerungen. Außerdem mehren sich Beschwerden über die unzureichende Betreuung der Baustelle durch die Stadt.

Zwei bis drei Klassenräume, ein Bibliothekssaal, die Toilettenanlage und ein Aufzug sollten saniert werden. Das jedenfalls wurde in der städtischen Vorlage 565/2010 vom Baudezernat gefordert und vom Stadtrat abgesegnet. Für die Baumaßnahmen am alten Klosterbau des Gymnasiums wurden so fast fünf Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

Aber immer wieder kam es zu Problemen auf der Baustelle. Das größte davon: das Dach. In der Vorlage aus 2010 hatte es noch geheißen, das Dach sei grundsanierungsbedürftig, genaue Angaben könnten aber erst nach einem Rückbau gemacht werden. Und bei exakt diesem stellte man fest: das Dach leidet unter einer erheblichen Asbest-Schadstoffbelastung. Eine Sanierung des Daches kam nicht weiter in Betracht, die Neuerrichtung war günstiger. Offenbar traf diese Feststellung das Bauamt derart unvorbereitet, dass beim Stadtrat erneut fast eine Million Euro beantragt werden musste. An eine Verlängerung der Baumaßnahmen um lediglich sechs bis acht Monate, so die Ansage aus dem Bauamt, glaubte allerdings niemand so wirklich.

Hinzu kommen Hinweise über erneute Feuchtigkeitsschäden, die lokalo vorliegen. Teilweise sei Holz, das monatelang fast ungeschützt vor dem Klosterbau im Freien gelagert wurde, in den neuen Dachstuhl eingebaut worden. Dort zeigen sich nach diesen Informationen am neuen Holz jetzt bereits wieder deutliche Anzeichen für Feuchtigkeit. Mittlerweile arbeite man auf der Baustelle mit großen Heizstrahlern, um die Nässe aus Holz und Mauerwerk wieder herauszubekommen. Denn die Folge dieser nachhaltigen Feuchtigkeit im Bauwerk würde zu späterer Schimmelbildung führen. Ein Szenario wie bei der Sanierung der Kindertagesstätte Tarforst oder derzeit in der Grundschule Egbert sollte möglichst vermieden werden.

Zusätzliches Problem auf der Baustelle: vor der Wiederfreigabe für den Schulbetrieb muss erst eine Freiluftmessung für das gesamte Gebäude durchgeführt werden. Bei dieser Messung durch ein unabhängiges Ingenieur-Umweltbüro darf die Asbestkonzentration maximal 500 Fasern pro Kubikmeter Luft betragen. Außerdem dürfen keine Künstlichen Mineralfasern (KMF) mehr vorhanden sein, die in alten Baustoffen enthalten sein können. Diese Stoffe erhöhen bei langfristiger Aussetzung das Krebsrisiko.

Ein Problem dieser hohen Konzentration besteht darin, dass es sich dabei um feinsten Staub handelt, den man nicht sieht, der sich aber überall festsetzt. Im Untergeschoss des Altbaus befand sich bis vor einigen Monaten noch ein alter Bibliothekssaal. Die dort befindlichen Bücher und Materialien sind erst nach Baubeginn abtransportiert worden. Eigentlich hätten sie aufgrund der langen Schadstoffbelastung grundgereinigt werden müssen. Dies ist allerdings nicht passiert. Auch Lehrer, Schüler und Eltern sind hierüber nicht informiert worden.

Auch ist die Baustelle weiterhin nicht ausreichend gesichert. Nach lokalo-Information ist der Klosterbau fast immer öffentlich zugänglich. Das Abschließen des Bauzauns erfolgt lediglich sporadisch, sodass Unbefugte sich Zutritt zum Gebäude verschaffen könnten. Hier verstößt der Bauherr, in diesem Fall die Stadt Trier, gegen die gültige Baustellenverordnung. Zuständig ist hier das ehemalige Amt für Gebäudewirtschaft, das seit gut einem Jahr nur noch „Gebäudewirtschaft Trier“ heiß und dem Dezernat von Simone Kaes-Torchiani unterstellt ist.

Momentan handelt es sich immer noch um reine Spekulation, wann der Altbau wieder für den Unterricht freigegeben werden kann. Die Bauarbeiten dauern an und die Schüler sind in sogenannten „“Unterrichtscontainern“ untergebracht. Die Anmietung kostete die Stadt bisher schon über eine Million Euro. Und vor allem im Winter klagen die Schüler über die Zustände in den Containern. So sei es manchmal viel zu kalt, um dem Unterricht überhaupt folgen zu können.

Wünschenswert wäre, dass der Klosterbau schnellstmöglich wieder für den Unterrichtsbetrieb freigegeben werden kann. Bis dahin wird die Heizung zur Bekämpfung der Feuchtigkeitsschäden auf Hochtouren laufen. Ähnlich effizient sollte auch der Bauherr daran arbeiten, dass die Sanierung, die mittlerweile zu einer Generalsanierung ausgeufert ist, bald fertiggestellt wird und dass der Bauzeitenplan eingehalten wird. Wie teuer das Projekt letztendlich werden wird, ist derzeit verlässlich nicht abzuschätzen. (rom)

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1 KOMMENTAR

  1. Das zeigt mal wieder, das man einfach nicht will. Hatte als Handwerker auch schon öfters mit der Stadt zu tun. Einfach nur grausam.
    Oder: Wer glaubt ein Bauleiter leitet einen bau, der glaubt auch das Zitronenfalter Zitronen falten.
    Jeder private Bauherr wäre im Armenhaus.
    Was da alles “ vergessen “ wird in den Ausschreibungen. Wahnsinn. Mittlerweile bin ich überzeugt, daß das alles Methode hat. Niedriger Preis in Planungen= Stadtrat stimmt zu. Hier muss eine Amtshaftungsregelung her.

  2. andreas hat recht ….der stadvorstadt und stadtrat mueste hier zur veranteortung gezogen werde hoffe die trierer buerger wissen was sie balda zu waehlen haben

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