Axel „Aggy“ Mock: Unikum und Unikat

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TRIER. 750 Spiele in der Bundesliga! Auf diese Zahl kommt kein Trainer, erst recht kein Spieler. Aber Axel „Aggy“ Mock im nächsten Spiel der Trierer Bundesliga-Basketballer am Sonntag, den 9. Februar, gegen die Artland Dragons.

Der Mann ist Kult, er ist ein Unikat und auch ein Unikum. Niemand sonst kann von sich behaupten, als Maskottchen „verewigt“ worden zu sein. Eine solche Ehre ist keinem Teammitglied eines Proficlubs jemals zuteil geworden. Allein das sagt genug über die Wertschätzung aus, die dem manchmal kauzigen Masseur entgegengebracht wird.

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Gezählt hat Aggy auf dem Weg zu seinem Jubiläum nur die Bundesligaspiele.“ Mit dem Aufstieg 1990 habe ich für mich eine Entscheidung getroffen“, sagt Mock, „nämlich die, ganz auf den Sport zu setzen.“ Von da an war das Bundesligateam seine Familie. „Mit 18 Kindern“, sagt er – und meint das durchaus ernst.

Die Entscheidung, die er damals fällte, bedeutete und bedeutet immer noch in vielen Lebensbereichen auch Verzicht, denn bei jedem Training und bei jedem Spiel dabei zu sein und oft genug auch nachts oder am frühen Morgen nach Auswärtsspielen Massagen zu machen, lässt kaum noch Zeit für andere Dinge. In den frühen Bundesligajahren schon gar nicht, zumal er in dieser Zeit noch die Praxis in der Kloschinskystraße betrieb. Die wenigen Stunden, die er noch erübrigen konnte, gehörten und gehören immer noch dem Karneval. Bei der KG „M’r wieweln noch en Zalawen“ schwärmen nicht nur Karnevalisten noch heute von seinem legendären Auftritt als „Trapper vom Weishauswald“, mit dem er Ende der 1980er-Jahre mit einem lebenden Esel („Elsie von der Ponderosa“) als Partner die Lachmuskeln strapazierte.

Seine Laufbahn als Masseur der Basketballer hatte 1985 im Dezember begonnen. In jener Saison, als der sensationelle Höhenflug der Trierer begann. Unter Trainer Wolfgang Esser endete die Spielzeit auf dem zweiten Platz der Regionalliga. Da Speyer auf den Aufstieg in die zweite Liga verzichtete, rückte Trier nach.

Wenig später wurde „Aggy“ auch zum Einpeitscher. Weil „La Ola“, die Welle, die längst aus Mexiko auch nach Trier herübergeschwappt war, in der nur mit einer Tribüne bestückten Halle am Mäusheckerweg meist schnell verebbte, nachdem sie vom Fanclub initiiert worden war, lief Axel irgendwann zum ersten Mal in der Auszeit aufs Feld, zählte vor den Fans den Countdown herunter und animierte das gesamte Publikum. Zum Abschluss gab es einen Salto obendrauf. Einmal praktiziert, wurde diese Inszenierung zur Pflicht. In jeder Auszeit rief das Publikum nach ihm. Die Aufgaben, die er gewöhnlich in der Mini-Pause zu erledigen hatte, mussten andere übernehmen.

Seine Fähigkeit, das Publikum zum Kochen zu bringen, war mitverantwortlich dafür, dass er in der gesamten Bundesliga bekannt und geschätzt wurde. In Hagen widmeten sie ihm in der Saison 1991/92 sogar eine ganze Seite in der Hallenzeitung. Nicht zuletzt, um ihr eigenes Publikum anzustacheln. „Wenn in Trier mal nicht alles zur Zufriedenheit läuft, die Mannschaft einem Rückstand hinterherrennt und die Stimmung auf dem Nullpunkt ist, dann kommt ein dem Zauberer Catweazle ähnliches Wesen, und bringt die Halle zum Kochen“, stand dort geschrieben. Gemeint war „Aggy Mock“, der seinen Bekanntheitsgrad in der Liga immer weiter steigerte. Kaum ein „Aktiver“, ob ehemalig oder immer noch am Ball, kann mit der Wertschätzung, die „Aggy“ genießt, mithalten.

Ein Highlight seiner Laufbahn war die Europameisterschaft 1993 in Deutschland, als er als Masseur für die russische Nationalmannschaft arbeitete. Verpflichtet von Triers damaligem Coach Juri Selikhov, der damals auch Trainer des EM-Favoriten Russland war. „Aggy“ massierte auch den Trierer Star Sergej Babkov, der die Russen zum Triumph führen sollte. In der FAZ stand nach dem Turnier zu lesen, dass der russischste aller Männer auf und rund um die Bank „der kleine Masseur“ gewesen sei, der den Verfasser des Artikels an Rasputin erinnert hatte. Wie dem auch sei, als die Entscheidung in diesem Spiel fiel, das von Deutschland (mit Henrik Rödl) mit einem Punkt gewonnen wurde, kniete „Aggy“ mit gefalteten Händen an der Seitenlinie. Chris Welp stand an der Freiwurflinie und traf – und er konnte nicht hinsehen. Noch heute sagt er, der deutsche Masseur einer russischen Mannschaft: „Wir haben verloren.“ So ist er eben. Wenn er einen Job übernimmt, dann identifiziert er sich hundertprozentig mit seiner Aufgabe.

Die weiteren Höhepunkte, die er als Teil des Teams miterlebte, sind für jedermann nachvollziehbar. „Die beiden Pokalsiege 1998 und 2001. Das werde ich nie vergessen und auch nie mehr erleben“, ist er sich sicher.

Bundesliga damals und Bundesliga heute sind für ihn nicht miteinander vergleichbar. „Es war alles komplett anders damals“, sagt der 54-Jährige, „das Spiel, die Liga, die Vereine. Das Spiel ist viel, viel athletischer und damit auch härter geworden, die Liga, und damit auch die Vereine, sind auf sportlicher und administrativer Ebene längst ins Vollprofitum gewechselt. Wir waren damals ja eine besser bezahlte Amateurliga.“

Was sich sonst noch geändert hat, ist schon fast offensichtlich und lässt sich auch von der fortgeschrittenen Professionalisierung ableiten. „Früher sind wir nach dem Spiel ins Foyer der Halle am Mäusheckerweg marschiert. Daher hatten die Zuschauer ganz engen Kontakt zu den Spielern und allen anderen Teammitgliedern. Das ist natürlich vorbei. Das ist der Preis, den die Fans bezahlt haben.“

Wenn er mal ins Plaudern gerät, überrascht der dienstälteste Bundesliga-Aktive mit einigen überraschenden Bekenntnissen. Nicht etwa die Sportart, der er sich seit fast drei Jahrzehnten verschrieben hat, ist in seiner persönlichen Hitliste die Nummer Eins, sondern Baseball. „Ich hatte schon als Kind eine Affinität zum Schach. Im Schach spielt Taktik die Hauptrolle. Beim Baseball ist ebenfalls sehr viel taktisches Gespür gefragt. Und außerdem ist das in meinen Augen die härteste Sportart überhaupt.“

Triers Basketballlegende James Marsh steht ihm am nächsten

In allen diesen Jahren hat er viele Spieler kommen und gehen sehen. Ein paar Dauerbrenner waren natürlich auch dabei. Wie Carl Brown oder Bernard Thompson. Oder Frank Baum, der jetzt als Sportchef wieder an Bord ist. Nicht zu vergessen die Trierer Jungs, wie Michael Edringer, Rainer Loch oder Patrick Börder, die er von der Regional- bis in die Bundesliga begleitet hat. Die Frage, wer ihm von allen am liebsten war, wird wie aus der Pistole geschossen beantwortet: „James Marsh.“ Ihn hat er als 17-Jährigen erstmals massiert und als Mittdreißiger zum letzten Mal. Die vielen Jahre schaffen Nähe. Noch mehr aber der Körperkontakt, den er in seiner unkomplizierten Art so beschreibt: „Wenn du jemanden jahrelang immer wieder unter die Hose greifst, dann entsteht ein besonderes Vertrauensverhältnis.“

750 Spiele – das ist eine Zäsur, andererseits auch „nur“ eine Durchgangsstation. Die Frage, wie lange er denn noch weitermacht oder welche Rekordzahl er anpeilt, drängt sich auf. „Aggy,1000 ist doch bestimmt für dich der optimale Abschluss, oder?“, frage ich meinen alten Weggefährten. „Nein“, antwortet Aggy, „1111 aus alter Verbundenheit zum Karneval.“ Klar, hätte ich auch selbst drauf kommen können, bei einem Mann, der in Kürze zum 41. Mal am Rosenmontagszug teilnimmt und dem Fanclub beim Bau des Wagens für den Karnevalsumzug mit Rat und Tat zur Seite steht.

Es wundert mich nicht, dass er schon jetzt weiß, wann das 1111. Spiel seiner Laufbahn über die Bühne geht. „Wenn ich keines mehr versäume, dann ist das am 7. Spieltag der Saison 2024/25. Eventuelle Playoff-Spiele sind da natürlich nicht eingerechnet.“ Dann bleibt mir – und sicherlich allen Basketballfans in Trier und zumindest auch in der gesamten Republik nur noch eines – ihn zu würdigen.

„Lieber Aggy, danke für alles, was du für den Verein getan hast. Danke für viele unvergessliche Erlebnisse – auch die, auf die wir aus Gründen der ‚Geheimhaltungspflicht‘ nicht berichten dürfen.“

Der kleine Mann mit dem Rauschebart hat immer alles für „seinen Verein“ gegeben. Dazu passt auch die Antwort auf die Frage, was er sich zu seinem Jubiläum wünscht. „Einen Sieg, mehr will ich nicht.“ Willi Rausch

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1 KOMMENTAR

  1. Herzlichen Glückwunsch, Aggy, zum Jubiläum und zu einer einzigartigen Karriere!
    Und schönen Dank an Willi Rausch und lokalo für den tollen Artikel mit vielen Erinnerungen. Vor 2 Wochen Don Beck, jetzt Aggy Mock, demnächst dann bitte Hartmut Ortmann, Sergej Babkov, Bernard Thompson und Paule Reiser! 😉

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