Bekenntnis zur Entwicklung des Einzelhandels – aber nicht auf der Grünen Wiese

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TRIER. Am Dienstag, den 4. Februar, wurde das neue Einzelhandelskonzept 2025+ vorgestellt. In einem Pressegespräch erläuterten Stadtentwickler, Gutachter sowie Oberbürgermeister Klaus Jensen und Dezernent Thomas Egger den vorliegenden Entwurf, der in den nächsten Monaten durch die städtischen Gremien wandern und vom neugewählten Stadtrat beschlossen werden soll. Unter anderem ein Ergebnis: Trier fehlen 50 000 Quadratmeter Verkaufsfläche für Einrichtungshäuser.

“Ohne Einzelhandel sehen wir alle ganz schön alt aus”, begann Oberbürgermeister Klaus Jensen die Vorstellung des neuen Einzelhandelskonzeptes bei einem Pressegespräch am Dienstag. Jensen und Beigeordneter Thomas Egger betonten mehrmals, auch bei diesem Konzept ginge es ihnen vor allem um eine breite Einbindung von städtischen Gremien und Einzelhandel. Auch der Runde Tisch zum “Strategischen Entwicklungs- und Nutzungskonzept Innenstadt Trier”, kurz SENI, soll in das Konzept einbezogen werden.

Michael Karutz vom bundesweiten Gutachter-Büro “CIMA GmbH” machte deutlich: “Trier braucht sich nicht verstecken.” Die Stadt könne sich im Einzelhandelsvergleich durchaus mit Städten wie Nürnberg oder Hannover messen. Für ihn und Stadtplaner Dr. Johannes Weinand steht allerdings fest: dafür muss Trier sich entwickeln. Mit einem potentiellen Einzugsgebiet von bis zu 780.000 Menschen müsse die Stadt aber vor allem in Hinblick auf das “Wettrüsten” mit Luxemburg attraktiver werden. Immerhin 28% des Trierer Kaufkraftzuflusses stammen aus dem Nachbarland.

Derzeit werden dort zwei neue Großprojekte realisiert. Zum einen das “Royal Hamilus” im Innenstadtbereich. Dort entsteht in diesem Jahr ein neues Shoppingcenter, dessen Verkaufsfläche sich über 38 500 Quadratmeter erstrecken soll. “Auf der grünen Wiese” (siehe Infobox) soll das neue “Auchan Shopping Centre” in Gasperich durch seine günstige Verkehrsanbindung die Kundenströme nach Trier verhindern und Luxemburger vom Einkauf im Heimatland überzeugen. Der “Liebesentzug” der Nachbarn könnte für Trier als Oberzentrum fatale Folgen haben. Auch zeigte sich Stadtplaner Weinand davon überzeugt, dass das gestiegene Angebot in den Mittelzentren wie Bitburg, Schweich oder Wittlich Kaufkraft abziehen würde.

Hierarchisch, durchlässig, eindeutig

Gerade im Bereich Bekleidung und Elektronik könnten bisherige Trierer Kunden abgeworben werden. Ganz anders im Bereich Möbel und Einrichtung: hier sieht Gutachter Karutz erheblichen Nachholbedarf. 50 000 Quadratmeter Verkaufsfläche würden hier fehlen. Es wäre der einzige Sortimentsbereich in dem die Stadt laut Konzeptentwurf deshalb eine Ausnahme bei der Ansiedlung außerhalb der Innenstadt machen will. Generell sieht Thomas Egger in dem Konzept ein “eindeutiges Bekenntnis zur Stadtentwicklung – auch des großflächigen Einzelhandels – aber auch eine Absage an die Grüne Wiese.” Über 300 Seiten umfasst der derzeitige Entwurf. Bis zum Sommer soll er die städtischen Gremien wie die Ortsbeiräte und den Steuerungsausschuss durchlaufen haben. Der nächste Stadtrat, der im Mai gewählt wird, soll ihn dann als Zielvorgabe beschließen.

Dabei wird den Verantwortlichen der vorliegende Entwurf doch reichlich abstrakt erscheinen. Trier soll an Attraktivität gewinnen, kann aber keine weiteren Einzelhandelsflächen ausweisen. Auch die weitere Diskussion um eine mögliche Ansiedlung des Investors ECE ist mit dem Entwurf noch nicht geklärt. Und welche konkreten Maßnahmen folgen eigentlich aus dem abstrakten Konzept? Ist Luxemburg überhaupt noch einholbar, wenn sich Trier der Grünen Wiese verschließt? Mit all diesen Fragen werden sich die Kommunalpolitiker in den nächsten Wochen und Monaten beschäftigen. Damit dürfte dieser Komplex auch zu einem wichtigen Wahlkampfthema werden. (rom)

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