Fiese Masche

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TRIER. In den letzten Wochen sind in der gesamten Region Vertreter von Telefonanbietern unterwegs. Der Grund: Es gibt technische Erweiterungen, die es möglich machen, die Übertragungsgeschwindigkeiten im Internet gerade in ländlichen Gebieten zu beschleunigen. In vielen Fällen wird von einer „3 000er-DSL“- auf eine „15 000er-DSL-Verbindung aufgerüstet. Für Telefonanbieter eine ideale Möglichkeit, neue Verträge zu verkaufen.

Wer allerdings glaubt, es seien Mitarbeiter der Telekom, die da an der Haustür klingeln, irrt. In den an Bitburg angrenzenden Orten sind Vertreter der Telekom unterwegs, die man an auffälligen Uniformen mit der Aufschrift „Telekom“ erkennt, die mit Dienstausweisen und Vollmachten herumwedeln. Es sind offizielle Beauftragte der Telekom, die von Tür zu Tür laufen und Verträge abschließen, welche sie dann gegen Provision an die Telekom verkaufen. Das ist durchaus legitim. Dennoch sollte man wissen, dass es reine Provisionsabsichten sind, die hinter den vermeintlichen „Beratungsgesprächen“ stehen. Zwar gibt die Telekom strenge Verhaltensregeln für die Akquise an der Haustür vor (lautere Methoden, kein Bedrängen, etc.), doch was tatsächlich an der Haustür passiert, sieht oft etwas anders aus.

Einem jungen Paar aus Nattenheim wurde im Dezember von eben einem solchen Vertreter mitgeteilt, dass die Leitungen nun verbessert würden und sie mit dem „Telekom-Entertain-Tarif“ in den Genuss eines schnelleren Internets kommen. Zunächst klang das Angebot verlockend, als das Paar sich aber Bedenkzeit erbat, wurde Druck ausgeübt indem der Vertreter behauptete: „Die Anschlussplätze hier im Ort sind begrenzt, wenn diese vergeben sind, können sie das Angebot nicht mehr in Anspruch nehmen.“ So ließ sich das Paar darauf ein und schloss den Vertrag ab. Der Mitarbeiter fuhr fort: „In den nächsten Tagen wird ihnen der Entertain-Receiver zugeschickt.“ Auf den Einwand des Paares, sie würden den Receiver gar nicht benötigen sondern lediglich das schnellere DSL, sagte der Vertreter: „Das geht nicht anders, aus technischen Gründen, aber wenn der Receiver kommt, lassen sie ihn einfach zurück gehen…“

Die Telekom antwortete auf Anfrage des Paares: „Eine Begrenzung von Steckplätzen ist uns nicht bekannt. Der Receiver gehört zum Entertain-Paket. Durch das automatisierte Verfahren ist das Versenden des Receivers unumgänglich, dem Kunden entstehen aber dadurch keine zusätzlichen Kosten.“

Das folgende Prozedere kennt so mancher Versandhandel-Kunde. Es entstand ein heilloses Hin und Her bezüglich Umstellung, Abbuchung, usw. Der Router musste neu konfiguriert werden. Bei der Hotline hingen die neuen Kunden ewige Zeiten in der Warteschleife. „Wenn du erstmal einen Vertrag unterschrieben hast, ist keiner mehr zuständig“, sagt Michael K. aus Nattenheim. Tatsächlich sitzen in den Callcentern Mitarbeiter, die kaum über technisches Wissen verfügen. Diese würden auf „freundliche Inkompetenz“ trainiert, sagt ein ehemaliger Mitarbeiter eines Callcenters in Koblenz. Er verlor seine Anstellung, weil er einem Kunden weitergeholfen hatte. Er hatte dem Ratsuchenden erklärt, wo sich am Router der „Reset-Knopf“ befindet, den er 5 Sekunden gedrückt halten müsse. Damit hatte er seine Kompetenzen überschritten, denn er hätte den Kunden an die (gebührenpflichtige) Technikhotline weiterleiten müssen.

Während die Telekom grundsätzlich auf Seriosität setzt, gehen andere Anbieter mit anderen Mitteln vor. Es gibt Vertreter anderer Provider, die mit Telekomprospekten wedeln und so den Eindruck erwecken, sie kämen vom magenta-farbenen Branchenriesen. Diese verkaufen alles was geht.

In Bitburg wurden einem 82-jährigen Mann eine Internet- und Telefonflatrate und zwei Handyverträge verkauft, die er weder brauchte noch haben wollte. Unter dem Vorwand, er müsse die Leitungen durchmessen, verschaffte sich der Vertreter Zugang in die Wohnung. Nachdem er „irgendwas mit Steckern und Drähten“ herumhantiert hatte, erklärte er dem Mann, man müsse den Vertrag umschreiben, da sonst ein Bußgeld von 80 Euro fällig würde. Wie kann man sich vor solch unlauteren Vertretern schützen? Zunächst gilt: Jeder Beauftragte der Telekom verfügt über einen Dienstausweis mit Lichtbild, Namen und Dienstnummer. Im Zweifelsfall kann man eine kostenlose Servicenummer der Telekom (Tel.: 0800 33 01000) wählen. Grundsätzlich gilt auch: Verträge genau durchsehen und gegebenenfalls Bedenkzeit verlangen. Wer dann Druck macht, macht sich verdächtig. Weiterhin gilt: Haustürgeschäfte können ohne Angaben von Gründen innerhalb von 14 Tagen nach Unterschrift gekündigt werden.

Die Geschichte des Paares aus Nattenheim endete damit, dass das Paket mit dem Receiver ankam. Nachdem sie die Annahme verweigert hatten, klagte die Zustellerin, dass dies schon das dritte Paket des Tages sei und sie noch das ganze Auto voll habe. „Hoffentlich gehen die nicht alle zurück“, stöhnte die Postbotin. Am 27. Januar wurde dann umgestellt. Nach umständlicher Konfiguration des Routers funktionierte er tatsächlich „halb“. Denn angerufen werden konnte man nicht mehr. „Kein Anschluss unter dieser Nummer“, erklärte eine Automatenstimme. Gegen 21 Uhr, nach einer Stunde in der Warteschleife, erklärte die Dame am anderen Ende: „Wir haben derzeit ein deutschlandweites Problem, wir arbeiten aber mit Hochdruck daran.“ Am darauffolgenden Morgen funktionierte wieder alles. Fazit des Pärchens aus Nattenheim: „Bei uns braucht kein Vertreter der Telekom mehr zu klingeln.“

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