Klassenfahrt mal ganz anders

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BITBURG/ERNZEN. In einer 9. Klasse der Realschule Plus in Bitburg wird ein spannendes Thema diskutiert. Im folgenden Jahr steht die Abschlussfahrt der Schule auf dem Plan. Neben Städtereisen wie München und Berlin schlägt der Lehrer europäische Ziele wie London oder Pisa vor. Es herrscht Uneinigkeit. „Dann schlagt ihr doch mal was vor“, ermuntert der Lehrer die Schüler. Und von der soeben eingeräumten Option lassen sich die Teenager beflügeln und ihrer Phantasie freien Lauf.

Ibiza, Malediven, Mallorca (Ballermann???), ja sogar New York wird vorgeschlagen, eine kleine Clique kennt sogar eine gute „All-Inclusive-Ferienanlage“ in Bulgarien. Während der Schulausflug noch als „Exkursion zur kulturellen Weiterbildung und der Sozialkompetenz der Klasse dienlich“ beim Kultusministerium deklariert ist, sind semi-exotische Ziele längst keine Seltenheit mehr bei Schulausflügen.

Es begann in den 30er-Jahren. Einige engagierte „Schulmeister“ organisierten Exkursionen zu Museen und kulturellen Sehenswürdigkeiten innerhalb der Schulzeit. Anfang der 50er-Jahre wurde der „Schulwandertag“ offiziell beschlossen. In der Tat beobachteten die Pädagogen, dass solche Unternehmungen außerhalb des Schulalltages förderlich für das soziale Miteinander der Klassen sind. An Wandertagen wurden kulturelle Anlaufpunkte im Umkreis der Schule erkundet, doch die zu Fuß erreichbaren Ziele sind endlich und so erweiterte sich der Wandertag auf weiter entfernte Ziele, die mit Bus oder Bahn erreichbar sind. Die Kinder der 80er in Rheinland-Pfalz kannten alle den Kölner Dom und den Kölner Zoo. Aber auch diese Ziele waren irgendwann abgegriffen und so entstand die Situation, dass noch weitere Ziele angesteuert wurden. Die Schullandheime entstanden mit dem Beschluss 1983 des Kultusministeriums, das von nun an die Schulfahrt als offizielle schulische Veranstaltung einführte. Parallel dazu gab es den Schüleraustausch, was sich unbestritten förderlich auf die kulturelle Entwicklung der Jugendlichen auswirkte.

Durch das seit den 90ern steigendes Mitspracherecht der Schüler entwickelten sich die Wandertage immer mehr zu Erlebnis-Events. Heute ist es nicht unüblich, dass eine siebte Klasse z.B. in Bitburg am Wandertag zu „Mc Donalds“wandert oder ins Kino geht. Während in den 80ern die Kinder im Bus noch auf dem Weg zum Kölner Dom mit sehnsüchtigen Blicken die Abfahrt „Phantasialand“ passierten, nehmen heute die Busse selbige um den Schülern auf Attraktionen wie der „Black Mamba“ und „Free Fall Tower“ Kurzweil und Action zu bieten.

Klassenfahrten mit rein touristischem Charakter (Strandurlaub) sind nicht genehmigt. So wird der Italienausflug mit Strandspaß durch den schiefen Turm von Pisa kulturell kaschiert. Ausnahmen sind Abschlussfahrten – sie dürfen „Urlaubs-Charakter“ haben. Aber es gibt auch die andere Seite. Im Naturparkzentrum „Teufelsschlucht“ bei Ernzen in der Eifel treffen zunehmend Schulklassen ein, die z.B. das Blockhüttencamp beziehen und mit Naturerlebniswanderungen und Lagerfeuerromantik ihre Freizeit gestalten. „Für manche ist es zunächst eine befremdliche Situation“, so Bruno Zwank, Geschäftsführer des Naturparkzentrum Südeifeler Felsenland, „wir hatten mal eine 6.Klasse aus Köln aus der nur vier der 22 Schüler schon einmal im Wald waren. Aber wenn das erste Eis gebrochen ist, haben alle große Freude an den vielseitigen Angeboten, die wir mit unserem Dozententeam anbieten.“

Ob „Steinzeitprogramme“ mit Bogenschießen, Speerwerfen, Feuer entfachen, oder Märchenwanderungen, GPS-Rallye, Fackelwanderungen, Kräuterwerkstatt, Ziegenwanderung und vieles mehr, die Teufelsschlucht bietet eine breite Palette an Erlebnisprogrammen, die sowohl pädagogisch wertvoll sind, aber auch jede Menge Spaß beinhalten. Harry Fröhlich

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