Neues Regionalbahnkonzept für Trier?

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TRIER. In seiner nächsten Sitzung am 18. Februar wird der Trierer Stadtrat über eine Vorlage zu einem neuen Regionalbahnkonzept abstimmen. Demnach könnte es ab dem Jahr 2018 Durchsagen wie diese geben: “Wir erreichen in Kürze den Bahnhof Kaiser-Wilhelm-Brücke.” Auf einer Informationsveranstaltung der Stadt zu diesem Thema ging es schon am gestrigen Donnerstag hoch her.

Die Vertreter von zwölf betroffenen Ortsbeiräten sowie interessierte Bürgerinnen und Bürger hatten sich am Donnerstag, den 23. Januar in der Europäischen Kunstakademie versammelt, um über den Planungsstand der Stadtverwaltung zum neuen Regionalbahnkonzept aufgeklärt zu werden. Dezernatsleiterin Simone Kaes-Torchiani hatte sich aus gesundheitlichen Gründen entschuldigt und so führten ihre Mitarbeiter von Stadtplanungs- und Tiefbauamt durch die Veranstaltung. In gut 40 Minuten wurde dargelegt, wie die Stadt zukünftig den Trierer Regionalbahnverkehr “verdichten” will. Grundlage dafür ist vor allem die Schaffung neuer Bahnhaltepunkte im Stadtgebiet, wofür das Land Rheinland-Pfalz immerhin 19 Millionen Euro zur Verfügung stellt.

Das erklärte Ziel der Stadt, das auch im Mobilitätskonzept 2025 festgehalten ist: die Nutzung des Öffentlichen Personen-Nahverkehrs (ÖPNV) in Trier soll von 16 auf 20 Prozent gesteigert werden. Trierer sollen vermehrt auf ihr Auto verzichten und stattdessen mit Bus und Bahn an ihr Ziel gelangen.

Um die Attraktivität der Regionalbahn zu steigern, sollen dazu neue Haltepunkte realisiert werden. Welche dafür in Frage kommen, hat die Stadtverwaltung laut Stadtplanungsamts-Mitarbeiter Wilko Kannenberg, der maßgeblich durch die Informationsveranstaltung führte, genau geprüft. In die sogenannte Potentialanalyse für die Westtrasse wurden laut Präsentation vor allem “Ein- und Auspendler, Studenten der Hochschule, Schüler der Berufsbildenden Schule und Besucher des Messeparks” einbezogen. Außerdem wurde auf die Berücksichtigung der neuen Entwicklungen im “Masterplan Trier-West” und im neuen Flächennutzungsplan geachtet. Nach der Kosten-Nutzen-Relation kommt die Stadt so zu dem Ergebnis, dass mit der höchsten Priorität zunächst folgende Haltepunkte auf der für den Personenverkehr reaktivierten West-Trasse realisiert werden: Kaiser-Wilhelm-Brücke, Römerbrücke, Eisenbahnstraße in Trier-Euren, Kantstraße in Trier-Zewen und Hafenstraße in Trier-Ehrang. In einem zweiten Schritt sollen auch zwei neue Haltepunkte auf der Ost-Trasse geschaffen werden: Trier-Nord (Höhe Metternichstraße im Industriegebiet) und Kaiserthermen.

Trier-Ehrang würde somit neben dem Bahnhof und dem Haltepunkt Ehrang-Ort einen dritten Haltepunkt erhalten, der vor allem für Schüler des Schulzentrums Mäusheckerweg geignet ist. Am teuersten zu Buche schlägt der Haltepunkt-Vorschlag Kaiser-Wilhelm-Brücke. Aufgrund der sowieso schon beengten Situation in der Bonner Straße werden sogar gegebenenfalls Umbaumaßnahmen des Straßenraums notwendig, so das Tiefbauamt. Dafür räumt das Stadtplanungsamt dem Haltepunkt aber große Potentiale ein. Bis zu 1666 Reisende könnten laut Verwaltungsvorlage hier pro Tag ein- und aussteigen. Gerade für Studenten der Hochschule scheint dies eine interessante Alternative neben dem Stadtbus zu sein.

Für Proteste sorgte bisher aber vor allem der geplante Haltepunkt Trier-Euren. Anwohner, die extra zur Informationsveranstaltung erschienen waren, äußerten Bedenken, dass die Lärmbelästigung zu hoch werde. Angst habe man nicht unbedingt vor dem Personenverkehr, sondern vor einer möglichen Zunahme des Güterverkehrs. Gerade nachts würden dann mehr Güter durch Euren rollen, sei doch tagsüber die Schiene durch den Personenverkehr belegt. Dieser Vorwurf konnte von den Mitarbeitern der Ämter nicht ganz ausgeräumt werden. Diese verwiesen auf die Deutsche Bahn, beziehungsweise den Schienenpersonennahverkehr Nord (SPNV Nord). Man sei als Stadt lediglich an den Planungen der Haltepunkte und der Umgebungsmaßnahmen beteiligt, nicht aber an der Nutzung der Schienen. Der Groll wollte sich allerdings nicht legen und blieb bis zum Ende der Veranstaltung deutlich spürbar im Raum.

“Schade, dass das Konzept hier so zerredet wird”, äußerte Iris Wiemann-Enkler vom Stadtplanungsamt. “Aber wenn wir nichts tun, dann haben wir bald noch mehr Autos vor der Tür.” Das Konzept sei “ambitioniert”, gestand Kannenberg ein, “aber die Mittel stehen zur Verfügung und wenn alle Kräfte gemeinsam an einem Strang ziehen, dann ist es realisierbar”, appellierte er an die Besucher.

Die Diskussion in der Europäischen Kunstakademie zeigt einmal mehr: grundsätzlich wird das politische Ziel, den Autoverkehr im Stadtgebiet durch die Attraktivitätssteigerung des ÖPNV, gar nicht so schwarz gesehen. Wenn aber persönliche Betroffenheit ins Spiel kommt, werden die Vorteile ausgeblendet. Eine Erweiterung und Verdichtung des Regionalbahnverkehrs wäre für Trier eine große Chance. Nun aber werden zunächst die Ortsbeiräte beraten und schließlich der Stadtrat im Februar entscheiden, ob der Nutzen überwiegt. Vielleicht heißt es dann schon ab Dezember 2018: “Nächster Halt: Trier, Römerbrücke.” (rom)

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3 KOMMENTARE

  1. es ist nicht alles so positiv wie dargestellt:
    dass noch 2006 eine Stadtratsvorlage aus dem Baudezernat empfohlen hat, mangels Wirtschaftlichkeit die Reaktivierung der Westtrasse für den Personenverkehr zurückzustellen, liest man nicht. Damals gabs ein Gutachten, diesmal nur eine Machbarkeitsstudie. Kein Wort zu dem Problem mit den Bahnübergängen im Trierer Westen. Wie soll ein Verkehrsinfarkt im Bereich Aachener / Kölner Str. vermieden werden? Wie soll die Bonner Straße zurückgebaut werden, damit die Fußgänger sicher zum Haltepunkt kommen? Dass die Güterzüge dann nachts fahren müssen, wenn tagsüber Personenzüge fahren, wird auch gerne unterschlagen.Wer muss zahlen, wenn die Kosten höher werden? Was genau muss die Stadt aus eigenen Mitteln zahlen? Und: 19 Millionen dafür dass ein Zewener nach Ehrang fährt oder ein Ehranger nach Euren? Die Verkehrsströme in Trier gehen nicht entlang der Westtrasse. Und die Lux-pendler fahren sehr gut , schnell und preiswert mit dem Bus, wenn sie denn den ÖPNV nutzen.

  2. Ich bin gebürtiger TR- Süder, wohnte 8 Jahre Am Weidengraben und nun in TR – Nord. Hier knallst doch hier ist Traffic auf dieser Seite der Mosel. Die rechte Seite. Was sind die paar Hanseln ( sagt man in Bayern) welche die Westtrasse benutzen den an Entlastung des Trierer Verkehrs wert. Da 1000 da 800 da 1200. Der Mosel entlang von Trier Nord nach Süd und umgekehrt fahren ca 40000 Fahrzeuge welche keine Entlastung haben und sicher auf der Westseite nicht suchen. Dazu die Preise des ÖPNV in unserer Region welche Deutschlandweit mit die höchsten sind. Wir brauchen ordentliche Strassen mit Umfahrungen im Norden in den Süden, wir brauchen ein Angebot für Trier- Kürenz und Neukürenz, Petrisberg, Tarforst usw. Wir brauchen den Moselaufstieg. Und nicht zuletzt sollte man sich überlegen einer Grossstadt würdig, einige Verkehrsachsen als zweispurige Einbahnstr. festzulegen wie es in Mainz und Saarbrücken auch ist. da fliesst alles besser ab.

    • Genau, da fliesst alles besser ab, vor allem das Hirn. Noch mehr Strassen fuer noch mehr hinlose Deppen, so sagt man auch in Bayern, das ist die Loesung. Das Hirn ist bei den meisten in Trier sowieso schon abgeflossen, deswegen gibts auch soviel Unfaelle. 80% aller Fahrten in Trier sind Kurzstreckenfahrten, weil der sowieso uebergewichtige Trierer per se zu faul ist auch nur kurze Strecken zu Fuss zu gehen. Ausserdem frage ich mich was ein HAltepunkt in Trier Euren mit Gueterverkehr zu tun hat. Der Gueterverkehr auf der Westtrasse haengt von der Auslastung der zufuehrenden Strecken ab, also die Strecke Richtung lux und Richtung perl, sind diese tagsueber ausgelastet fahren die Gueterzuege so oder so nachts. Und wenn morgen ein privates Bahnunternehmen Containerverkehr mit 20 Zuegen von Antwerpen nach Suedeuropa nachts organisiert und ueber die Weststrecke fahren laesst koennt ihr sowieso nix machen.

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