„Ich würde für den alten Pokalmodus kämpfen!“

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TRIER. Er ist Wahl-Trierer, prägte den hiesigen Basketball fast ein Jahrzehnt lang und ist momentan Coach in der Weltmetropole Tokio. Don Beck war für ein paar Tage in Trier und gab uns während dieser Tage Gelegenheit, über den Basketball in Japan, aber auch in der BBL zu sprechen.

Don Beck kam 1994 auf Empfehlung des ehemaligen Bundestrainers Dirk Bauermann nach Trier, nachdem sein Engagement in Ostende beendet war. Beide hatten sich an der Fresno State University kennengelernt und waren seitdem befreundet. Bauermanns Empfehlung entpuppte sich als echter Glücksgriff für die Moselstädter. Acht Jahre lang prägte der US-Amerikaner das Bild des Trierer Basketballs.

Unter der Regie des mittlerweile 60-Jährigen feierte die TBB mit den beiden Pokalsiegen (1998/2001) die größten Erfolge der Vereinsgeschichte und zog trotz schmalen Budgets sechs Mal in die Playoffs ein. „Wenn du mit kleinerem Budget Erfolg haben willst, musst du ungewöhnliche Pfade einschlagen. Wir haben immer sehr klein, schnell und unkonventionell gespielt“, blickt Beck auf seine neunjährige Amtszeit als Coach in der ältesten Stadt Deutschlands zurück. Das Beispiel aus Hagen zeige, dass dies auch in der BEKO BBL immer noch funktioniere. Ein Trainer, der mit so knappem Budget ähnlich erfolgreich gewesen ist, wie Beck selbst, ist John Patrick. Wenig verwunderlich, dass sich Beck nicht nur als Fan des „Guard-Terror-Schöpfers“, sondern auch als Freund des Ludwigsburger Coachs outet. „Was John in Göttingen geleistet hat, ist unbeschreiblich. Es hat mich an unsere Saison 1998/99 erinnert – damals wäre so viel möglich gewesen.“

Beck spricht im Konjunktiv, denn ein Autounfall von Keith Gray und Bernard Thompson warf nicht nur den Wagen, sondern auch die damals noch als TVG Trier an den Start gehende Mannschaft aus der Bahn. Trier galt als Mitfavorit auf die Meisterschaft und lag nach dem wohl legendärsten Spiel der Trierer Basketballgeschichte (80:78-Erfolg gegen Alba Berlin nach zwischenzeitlichem 32:57-Rückstand) auch in der Tabelle ganz vorne. Nach dem Unfall der beiden US-Amerikaner brachen die Moselstädter in der zweiten Saisonhälfte ein, erst recht, nachdem sich Keith Gray die Patellasehne gerissen hatte, und unterlag Leverkusen in der ersten Playoff-Runde (1:3). 2001 folgte der zweite Pokalerfolg. „Ich kann einfach nicht verstehen, warum der Pokalmodus geändert wurde. Wenn ich noch in der Liga wäre, würde ich um den ehemaligen Modus kämpfen. Er war spannend und auch Teams mit geringerem Budget hatten die Chance auf große Vereinserfolge“, sieht Beck diese Veränderung sehr negativ. „Es wird höchste Zeit, dass sich da wieder etwas tut und man nicht ausschließlich Teams im Pokal sieht, die ohnehin wenig später die Playoffs bestreiten.“

Doch nicht nur in der ältesten Stadt Deutschlands hatte Beck Erfolg. Nach seiner weniger erfolgreichen Zeit in Oldenburg wurde er mit Bree (Belgien) Vizemeister. Die Belgier mussten aufgrund von Zahlungsunfähigkeit in der zweiten Liga an den Start gehen – Beck zog es ins Nachbarland zu Den Bosch. Dort gewann er den Pokal und wurde abermals Vizemeister. 2010 folgte der Wechsel zu Toyota Alvark in Tokio. Hier arbeitet der Wahl-Trierer seit nunmehr 3,5 Jahren erfolgreich – und lobt die Metropole in höchsten Tönen. „Es ist zwar eine große kulturelle Umstellung, aber die Trainingsbedingungen dort sind besser als bei jedem Team in der BBL, die Menschen freundlich, das Essen gesund. Die Japaner sind den Deutschen sogar in ein paar Dingen sehr ähnlich und ich habe mich von Anfang an gut aufgehoben gefühlt.“

Auch während der Atomkatastrophe reagierten die Verantwortlichen im Sinne der Vereine und beendeten die Spielzeit mit sofortiger Wirkung. „Wir hätten zwar weiterspielen können, aber es hätte sich nicht richtig angefühlt. Keiner hätte die Tragödie in Fukushima ausblenden können.“ Vergleichbar mit Tschernobyl sei das Unglück, aber die Japaner gingen wesentlich relaxter mit der Siutation um, als die Medien im Ausland.

Beck coacht in der JBL – der Japan Basketball League. In der Liga wird zwar nach FIBA Regeln gespielt, allerdings sind nur zwei Ausländer pro Team zugelassen. Interessant: Lediglich im ersten und dritten Viertel dürfen die beiden vermeintlichen Stars gemeinsam auf dem Parkett stehen. Nächste Saison soll sich das laut Beck allerdings ändern – dann dürfen die Ausländer im zweiten und vierten Spielabschnitt zusammen auf das Spielfeld. In den weiteren Profiligen sieht es wieder anders aus.

Lothar Hermeling: „Die Spieler lieben es in Japan zu spielen“

Jemand, der Japan noch vor kurzem einen Besuch abstattete, ist Ex-TBB-Manager Lothar Hermeling. Hermeling hat sich mit seiner Agentur „regiospot“ selbstständig gemacht und arbeitet unter anderem auch als Spielervermittler. Fünf Klienten spielen mittlerweile im Land der aufgehenden Sonne – in drei verschiedenen Profi-Ligen. „Es ist etwas verwirrend. Neben der JBL gibt es die JBDL – die Japan Basketball Development League. Diese ist vergleichbar mit der amerikanischen NBDL und der Pro A. Völlig losgelöst davon gibt es die BJ League – hier dürfen vier Amerikaner pro Team auflaufen, in bestimmten Vierteln allerdings nur drei gleichzeitig auf dem Parkett. Das ist eine rein kommerzielle Liga und vergleichbar mit der Bundesliga“, versucht Hermeling etwas Licht ins Dunkel zu bringen.

In der BJ League spielte beispielsweise Ex-TBBler Brian Harper. Der ehemalige TBB Geschäftsführer hatte letztes Jahr nur einen Spieler in Japan unter Vertrag, jetzt sind es fünf. „Viel geht über Kontakte. Ich habe mich kürzlich vor Ort davon überzeugt, dass die Spieler mit viel Respekt behandelt werden und alle fühlen sich sehr wohl in Japan – egal in welcher Liga sie spielen.“ Hermeling stellt im Gespräch die Professionalität heraus, die vor allem in der JBL herrscht. „Dort spielen nur Werksclubs von Toyota, Toshiba und Co. Alle Vereine haben Trainingscenter, die sich hinter keinem NBA-Team zu verstecken brauchen. Zudem wird jedem Coach ein Dolmetscher zur Seite gestellt, der für die einheimischen Spieler die taktischen Anweisungen übersetzt.“ Den Japanern sei ein guter Charakter bei den Spielern besonders wichtig und sowohl samstags als auch sonntags wird gespielt – und kein Spieler beschwere sich über die Belastung. Trotzdem ist Basketball noch nicht so populär wie in Deutschland. „Das Zuschauerinteresse ist noch nicht so groß hier. Im Schnitt bewegt man sich zwischen 1500 und 3500 Zuschauern – Ausnahmen wie das Finale der Playoffs oder des Pokals natürlich ausgenommen“, sieht er noch Entwicklungspotenzial.

Beck auch in Japan erfolgreich – Rückkehr in die BBL für ihn vorstellbar

Jemand, der sich mit Teilnahmen in den Finals der Playoffs und des Pokals auskennt, ist Don Beck. Auch mit Toyota Alvark stellte sich schnell der Erfolg in der nur acht Teams umfassenden JBL ein. Mit „Mr. Incredible“ Jeff Gibbs kann er dabei auf einen ehemaligen Bundesligastar zurückgreifen. „Jeff ist ein unglaublicher Spieler. Er war es schon in der BBL und er hat sich jetzt noch mehr zu einem Scorer und zuverlässigen Werfer entwickelt. Es ist toll, ihn im eigenen Team zu haben“, schwärmt der ehemalige TVG-Coach von seinem All-Star und All-Tournament-Spieler.

Dass Beck in Deutschland war ist kein Zufall. Vor Weihnachten wurde pausiert, am 25. Januar geht es mit dem Spielbetrieb weiter. Auch eine Zukunft im deutschen Basketball kann sich der Wahl-Trierer vorstellen. „Ich liebe Deutschland und ich finde die Entwicklung der Bundesliga sehr beachtlich. Es ist toll zu sehen, was dort passiert. Deshalb kann ich mir in 1-2 Jahren, wenn ich meine Mission hier als erfüllt ansehe, durchaus vorstellen noch einmal ein Team in der BBL zu coachen.“ Dass er auch während seiner Zeit in Tokyo Anfragen von deutschen Clubs bekommen hat, bestätigt Beck, will aber nicht verraten, um wen es sich handelte. „Ich fühle mich hier wohl und bin niemand, der sein Team mitten in einer Spielzeit hängen lässt. Es passt einfach hier. Deshalb kam das für mich nie in Frage.“

Dann träfe er auch auf Henrik Rödl, dessen Philosophie und Arbeit er für „ehrenwert und die beste seit vielen Jahren in Trier“ hält. Vor allem die Entwicklung von Seiferth unter Rödl imponiert ihm und Nate Linhart sei der beeindruckendeste Spieler der jüngeren Trierer Basketball-Geschichte. „Andi Seiferth ist ein harter Arbeiter und großartiger Spieler. Nate Linhart ist ein Spieler, der für jedes Team interessant ist. Er hilft Abstiegskandidaten und Euroleague-Teams gleichermaßen weiter. Ihm zuzusehen macht einfach Spaß“, outet er sich als Fan der „Steal-Ikone“ und der Scoutingarbeit von Henrik Rödl.

Den Trierer Basketball und die BEKO BBL wird er auch in Zukunft verfolgen und vielleicht findet er ja wirklich wieder den Weg in die Basketball Bundesliga. Die Erfolge mit seinen letzten Teams dürfte auch vielen Clubs in Deutschlands höchster Spielklasse nicht verborgen geblieben sein. (cw)

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1 KOMMENTAR

  1. Sehr schöner Artikel, vielen Dank dafür.
    Ohne Frage ein „Großer“ des Trierer Basketballs. Ganz so lang hat er ihn aber doch nicht geprägt: es waren keine 9, sondern 8 Jahre (94/95 bis 01/02).
    Wäre schön, wenn es nochmal klappen würde mit nem Job in der BBL!

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