Der Schock nach dem Meeth-Rücktritt ist noch nicht verdaut

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SALMROHR. Der FSV Salmrohr geht unsicheren Zeiten entgegen. Mit der außerordentlichen Mitgliederversammlung am gestrigen Freitag, den 17. Januar, wurde nur bestätigt, was schon alle wussten (lokalo berichtete). Der langjährige Präsident Helmut Meeth, in dessen Sog auch der Sportliche Leiter Friedhelm Raach sein Amt niedergelegt hatte, ist zurückgetreten. Wie es weiter geht, wusste nach der Versammlung niemand so richtig. Bis zum Frühsommer sollen der bisherige „Vize“ Christian Rauen und Geschäftsführer Thomas Kröffges den Verein führen.

Auf die Entscheidung, wer den FSV in eine neue Ära führt, werden die Mitglieder des Vereins noch „bis Mai oder Juni“ (Ehrenpräsident Peter Rauen) warten müssen. Die Erwartungen, dass die seit dem Meeth-Rücktritt herrschende Verunsicherung im Verein und sogar im ganzen Ort beendet würde, erfüllten sich nicht. Dabei war das Interesse an der außerordentlichen Mitgliederversammlung des FSV Salmrohr so groß, wie schon lange nicht mehr. Das Bürgerhaus am Vereinsgelände war mit rund 150 Besuchern über Erwarten gut gefüllt, es mussten sogar noch zusätzliche Tische und Stühle herbeigeschafft werden, um den Ansturm zu bewältigen.

Die zentrale Frage, wer die Nachfolge von Helmut Meeth, der am 3. Dezember des vergangenen Jahres nach mehr als sechsjähriger Amtszeit zurückgetreten war, blieb indes unbeantwortet. Peter Rauen, sein Sohn Christian als amtierender 2. Vorsitzender und Thomas Kröffges als Geschäftsführer boten den Mitgliedern nur eine Möglichkeit der Abstimmung. In Ermangelung einer personellen Alternative als Meeth-Nachfolger ließen sie darüber abstimmen, ob das Duo Rauen/Kröffges bis zum angedachten Termin der nächsten Verhandlung die Vereinsgeschäfte weiterführen soll. Gegenstimmen für diesen Vorschlag gab es nicht – lediglich 11 Enthaltungen aus dem Kreis der Aktiven des Oberliga-Teams bezeugten, dass die Zustimmung im Saal nicht rückhaltlos war.

„Der Verein ist schuldenfrei“

Zuvor hatte Kröffges die finanzielle Ausgangslage des Clubs geschildert. Durch das Ausscheiden Meeths steht ein Deckungsdefizit von ca. 250 000 Euro im Raum. Dennoch hatte Peter Rauen verkündet, die Lage sei so schlecht ja nicht und das vor allem so begründet: „Der Verein ist schuldenfrei.“ Diese Erkenntnis fußte vermutlich auf der Zusage Meeths am Freitagmorgen 100 000 Euro zu übernehmen und auch für die kommende Saison noch einmal 50 000 Euro beizusteuern, „wenn der Wille zu einer grundlegenden strukturellen Änderung sichtbar ist.“

An dem bedingungslosen Willen, die teils verkrusteten Strukturen aufzubrechen, mussten Zweifel aufkommen. Und so blieben an diesem Abend fast alle im Raum stehenden Fragen unbeantwortet. Das betrifft nicht nur die drängendste nach in Bezug auf das vakante Amt des Präsidenten, das von Meeth schon mit fast erdrückender Präsenz ausgefüllt wurde. Meeth war bestens vorbereitet erschienen, kürzte seinen Vortrag sogar erheblich, verzichtete ganz auf die vorbereitete Power-Point-Präsentation. Kurz nach Versammlungsbeginn hatte Rauen sen. noch die von Meeth schon seit Jahren vertretene Haltung bestätigt, zu wenig Unterstützung bekommen zu haben. Rauen wortwörtlich: „Da haben sich manche hinter dem Präsidenten versteckt.“

Darauf ging Meeth in seiner Rede auch ein, nannte Daten und Fakten. Danach stand er schon im Jahr 2011 vor dem Rücktritt. „Ich habe dann eindeutig klar gemacht, dass ich nur dann weitermache, wenn ich mehr Unterstützung bekomme.“ Wie die auszusehen hat, habe er in einer „To-Do-Liste“ festgehalten, in dem jedem Vorstandsmitglied ein Aufgabenbereich zugewiesen wurde. Einer aus dem Vorstand, Lothar Christ, bestritt sogar, eine solche Liste jemals gesehen zu haben. Im Sommer vor der noch laufenden Saison wiederholte Meeth nochmals seine Forderung, die 2013 zum Ultimatum erweitert wurde: „Entweder es ändert sich jetzt grundlegend etwas, oder ich höre in der Winterpause auf.“ Auch daraufhin geschah nichts oder zumindest erheblich zu wenig. „Ich habe nichts an mich gerissen, sondern mir blieb nichts anderes übrig, um den Laden am laufen halten.“ Den Zeitpunkt des Rücktritts hat er dann bewusst so gewählt, „um den Aktiven noch die Möglichkeit zu geben, in der Winterpause wechseln zu können, falls sie das wollen.“

In seiner vermutlich letzten Rede vor dem höchsten Vereinsorgan, der Mitgliederversammlung, hatte Meeth auch die mangelnde Bereitschaft angemahnt, etwas ändern zu wollen. „Ich würde mich wahnsinnig freuen, wenn mein Rücktritt etwas bewegt, denn mein Herz hängt weiterhin an diesem Verein hängt. Doch unter den aktuellen Bedingungen sehe ich für mich keine Perspektive mehr. Ich habe mehrfach den Versuch unternommen, mit anderen Vereinen zu kooperieren. Ob das Mehring ist, oder (mit einem Lächeln) ‚der Verein aus der Stadt hinter Konz‘, oder andere. Der Einsehen, und der Wille, etwas ändern zu müssen oder zu wollen, hat gefehlt.“

Die Aussprache über die Rede von Meeth fiel erstaunlich kurz aus. Es gab sie eigentlich zunächst gar nicht. Stattdessen wurde rund eine Stunde über Jugendarbeit gesprochen. Wie auch die Exkursion in den Seniorenbereich mit dem Tenor („Wir müssen Geld sparen“) versehen. Immer wieder wurde bei den verschiedenen Wortmeldungen versucht, über die Jugendarbeit als „Vehikel“ die Kurve zur Etatverminderung zu kriegen. Mehrfach meldeten sich Kapitän Daniel Schraps, Alexander Adrian und Sebastian Grub zu Wort, die gemeinsam den Spielerrat des Oberliga-Teams bilden. Sie alle wollten nur wissen, was der Vorstand nun im Hinblick auf die Gegenwart und die sportliche Zukunft des Oberligisten zu tun gedenkt.

Die Antworten darauf waren eher diffus. Zu mehr als der Aussage, „natürlich wollen wir den maximalen sportlichen Erfolg, aber er muss finanzierbar sein“, die mehrfach in dieser oder leicht abgewandelter Form von Vater und Sohn Rauen sowie Thomas Kröffges verkündet wurde, reichte es nicht. Auch die mehrfache konkrete Nachfrage von Alexander Adrian half nichts. Schon fast beschwörend hakte er nach: „Warum macht man das? Es war alles da. Es lag ja nie am Geld. Das kam immer. Es liegt doch nur daran, dass eine Liste nicht erledigt wurde. Ich will wissen, warum nicht und ich will wissen, wie es weitergeht.“ Es folgte die bekannte Aussage, dass man den maximalen sportlichen Erfolg mit den vorhandenen Mitteln wolle. Zum Thema „Liste“ gab es keine neuen Erkenntnisse. Nur die Aussage von Christian Rauen: „Ich habe getan, was ich konnte, mehr ging einfach nicht.“ Sebastian Grub stellte abschließend fest: „Ich höre hier immer nur, dass wir Spieler etwas tun müssen. Der Tenor ist immer der, dass die Spieler was für den Vorstand tun müssen. Ich will aber auch mal hören, dass der Vorstand etwas für die Spieler tut.“ Der letzte Versuch aus den Reihen der Spieler, die Richtung nochmals umzukehren und Meeth erneut als Präsidentschaftskandidat ins Rennen zu schicken, scheiterte am früheren Amtsinhaber. „Ich stehe nicht zur Verfügung“, lautete die eindeutige Antwort.

Wer was für wen tut, oder auch nicht, könnte sich schon heute entscheiden, wenn das Vorbereitungstraining auf die Restsaison beginnt. Dann soll auch mit den Spielern über ihre und die sportliche Zukunft des Vereins gesprochen werden. (wir)

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