Grenzüberschreitende Vermittlungsstelle gewinnt Fachkräfte für die Region

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TRIER. Arbeiten über Grenzen hinweg: Dieser Slogan ist in der Großregion längst Realität geworden. Täglich pendeln 29.000 Deutsche nach Luxemburg, davon fast 28.000 aus der Region Trier. Aber auch nach Deutschland hinein gibt es Pendlerströme: 18.000 Franzosen fahren die Woche über ins Saarland zur Arbeit, 5.000 nach Rheinland-Pfalz. Zukünftig sollen weitere folgen, die in der Gegend rund um Trier und Saarburg eine Arbeitsstelle finden.

Denn im November wurde in Saarbrücken ein deutsch-französisches Vermittlungsbüro eröffnet, das Franzosen über Jobchancen in Deutschland informiert und ins Saarland, in die Region Trier und in die Pfalz vermittelt. Bei einem gemeinsamen Besuch am 16. Januar konnten sich Landrat Günther Schartz und Arbeitsagenturleiter Heribert Wilhelmi von der Arbeit vor Ort überzeugen und nun die Weichen für eine grenzüberschreitende Vermittlung auch in die Trierer Region legen.

„Es ist nicht so, als habe es bisher keine Zusammenarbeit zwischen deutscher Arbeitsverwaltung und französischer pole emploi gegeben. Mit der grenzüberschreitenden Vermittlungsstelle gehen wir nun aber neue Wege und institutionalisieren die Kooperation. Das schafft mehr Möglichkeiten“, erklärt Jürgen Haßdenteufel, Leiter der saarländischen Arbeitsagentur, seinen Gästen Schartz und Wilhelmi das Projekt. Landrat Schartz hofft mit dem Vermittlungsbüro insbesondere auf einen Gewinn für die Region Trier-Saarburg in Sachen Fachkräftesicherung: „Die Firmen in meinem Landkreis suchen händeringend qualifizierte Mitarbeiter. Eine Möglichkeit ist die Anwerbung ausländischer Fachkräfte. Und da liegt es natürlich nahe, erst einmal den Blick ins Nachbarland zu werfen“, so Schartz. In Lothringen liegt die Arbeitslosenquote bei 10,2 Prozent. Im Landkreis Trier-Saarburg beträgt sie hingegen 3,5 Prozent. Viele gut ausgebildete Menschen finden in Ostfrankreich keinen Job und hoffen deshalb auf eine Chance im benachbarten Rheinland-Pfalz. „Diese Menschen müssen wir für einen Arbeitsplatz in unserer Region begeistern“, betont Schartz.

Auch Wilhelmi bekräftigt die Wichtigkeit des neuen Vermittlungsbüros: „Regionale Arbeitgeber, die Interesse an Mitarbeitern aus Frankreich haben, können uns ihre Stellenangebote melden. Wir beraten sie und die Kollegen in Saarbrücken gehen gezielt auf die Suche nach geeigneten französischen Bewerbern mit deutschen Sprachkenntnissen. Insbesondere über unser bestehendes EURES-Netzwerk werden wir zukünftig noch enger von Trier aus mit den Kollegen in Saarbrücken und Frankreich zusammen arbeiten und so qualifiziertes Personal anwerben.“

In der grenzüberschreitenden Vermittlungsstelle mit zwei ständigen Büros in Saarbrücken und Saargemünd und weiteren Serviceeinrichtungen entlang der deutsch-französischen Grenze arbeiten ausschließlich zweisprachige Arbeitsvermittler. Sie beraten derzeit rund 90 französische Arbeitsuchende, die Interesse an einer Stelle im Nachbarland haben. In den letzten Wochen wurden so bereits zehn Bewerber aus Lothringen nach Deutschland vermittelt. Bevor es jedoch an die konkrete Stellensuche geht, werden erst einmal Bewerbercoachings durchgeführt und Sprachkenntnisse abgeklärt.

So auch bei der 24-jährigen Jeanne-Marie Catania: Die junge Französin hat Rechtswissenschaften studiert und in Lothringen bereits erste Berufserfahrung in der Verwaltung und bei Krankenkassen gesammelt. Per Zufall ist sie auf das neue Vermittlungsbüro aufmerksam geworden. Jetzt wird sie von der deutschen Arbeitsvermittlerin Stefanie Schlick betreut: „Wir besprechen meine Bewerbungsunterlagen. Das Bewerbungsverfahren in Deutschland unterscheidet sich doch sehr von dem in Frankreich. Darauf muss ich mich vorbereiten. Danach geht`s auf Stellensuche.“ Auf die Frage, wieso sie sich für eine Beschäftigung in Deutschland interessiere, antwortet die Juristin: „Ich möchte meine Sprachkenntnisse einsetzen und verbessern. Wenn der Job passt, würde ich über die Grenze pendeln oder sogar umziehen. Da bieten sich viele Möglichkeiten.“ (red)

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