Hammer, Gasrevolver und ängstliche Töchter

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TRIER. Am heutigen Dienstag, den 13. Dezember, wurde der Prozess um versuchten Totschlag vor der 1. Schwurgerichtskammer unter Vorsitz von Richterin Petra Schmitz fortgeführt werden. Der Angeklagte ist ein 59-jähriger Mann aus der Verbandsgemeinde Wittlich-Land.

Laut Anklageschrift soll sich der polnische Staatsbürger im Juni 2013 zunächst mit einem Hammer Zugang zur Wohnung seiner Ex-Frau, der Zeugin Eva W., und deren neuen Lebensgefährten, J., verschafft haben. Wenig später soll er mit einem Gasrevolver in Tötungsabsicht auf das Opfer (J.) gefeuert haben. Der Zeuge J. habe sich hierbei Verletzungen im Gesichtsbereich sowie Verbrennungen am Hinterkopf zugezogen und ärztlich versorgt werden müssen. Danach sei es dem Verletzten gelungen, zu flüchten, obwohl der Angeklagte weitere Schüsse in seine Richtung abgegeben habe.

Zunächst wurde der 67-jährige Marian G., ein Freund der Familie als Zeuge vernommen. Er sagte aus, sowohl den Angeklagten als auch dessen frühere Ehefrau und die Töchter manchmal besucht zu haben. Bei seinen Besuchen habe er die Trennungsphase des Ehepaares erlebt, sie sei „nicht gut“ gewesen: „Sie haben sich sehr oft gestritten! Einmal waren sie bei mir zu Besuch. Als der Angeklagte sah, dass ich mit seiner Ex-Frau kurz alleine auf der Terrasse war, kam er raus und schlug ihr ins Gesicht! Er war wahrscheinlich eifersüchtig – grundlos.“

Der Angeklagte sei zudem sehr traurig über die Trennung gewesen, so Marian G: „Er war traurig und genervt von dem neuen Partner seiner Ex-Frau. Einmal war ich bei ihm zuhause. Er erzählte mir von dem Mann und sagte beiläufig, er habe bereits eine Waffe gereinigt. Ich dachte er macht Witze. Bei diesem Zusammentreffen war er außerdem ziemlich angetrunken.“

Ungefähr eine Woche vor der Tat habe er den Angeklagten zum letzten Mal gesehen, so G.: „Bei diesem Treffen sagte er mir, dass ‚der Neue‘ nun mehr Respekt vor ihm habe. Ich wusste nicht genau, was er damit meinte.“ Auf Nachfrage von Richterin Petra Schmitz, ob er den neuen Lebenspartner von Eva W., J., kenne, sagte er: „Nein, ich sehe ihn heute zum ersten Mal.“

Nachdem Bilder von dem Tatort vorgelegt worden waren, sagte Anja H. aus. Die 40-jährige Polizeibeamtin, war zwar damals nicht vor Ort gewesen, hatte aber als Dienstgruppenleiterin fungiert hatte. Sie berichtete, dass sie in der Tatnacht um 1.25 Uhr einen Anruf von der älteren Tochter bekommen habe: „Das Mädchen war sehr aufgeregt und verängstigt. Es sagte, dass ihr Vater den neuen Freund ihrer Mutter umbringen wolle und versuche, eine Tür einzuschlagen. Dann ist eine Streife vorgefahren. Die Zentrale meldete mir per Telefon, dass jemand schieße. Der dritte Anruf kam von einer Nachbarin der Familie. Auch sie erzählte mir von Schüssen in ihrer Straße.“

Richterin Petra Schmitz zitierte aus einem am Tag zuvor eingegangenen Fax. Es handelt sich um eine Bescheinigung eines Diplompsychologen, der davon abriet, die jüngste Tochter zum jetzigen Zeitpunkt aussagen zu lassen. Das Mädchen, sei der Gefahr einer Traumatisierung ausgesetzt und wolle sich zudem nicht zu den Erlebnissen äußern.

Die Mutter des Kindes und Ex-Frau des Angeklagten, Eva W., war die nächste Zeugin. Die 45-jährige Reinigungskraft betonte zu Beginn ihrer Aussage, dass sie auf keinen Fall wolle, dass man ihre kleine Tochter als Zeugin vernehme: „Meine Tochter hat sich verändert. Sie hat Angst. Ihre schulischen Noten haben sich verschlechtert und sie hat Schlafprobleme. Sie spricht nicht über die Vorkommnisse von damals, weder mit mir, ihrer Schwester oder mit dem Psychologen.“ Auch sagte die Frau, dass das Mädchen derzeit keinen Kontakt mit ihrem Vater wünsche. Die Kinder würden dem Angeklagten zwar manchmal Karte schreiben, jedoch sei dies auch der einzige Kontakt.

Ob die jüngste Tochter noch vernommen wird, wie ihr Vater das will, ist noch offen.

Die Verhandlung wird am 30. Januar fortgesetzt. Laura Dolfen

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