Prozess gegen mutmaßlichen Brandstifter fortgesetzt

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TRIER. Am gestrigen Freitag, den 10. Januar, wurde der Prozess gegen einen 44-jährigen Mann aus dem Eifelkreis Bitburg-Prüm fortgeführt. Er muss sich unter anderem wegen schwerer Brandstiftung vor dem Landgericht Trier verantworten.

Dem Angeklagten Michael S. werden mehrere Straftaten zur Last gelegt, die er im Zeitraum zwischen September 2012 und dem Frühjahr 2013 begangen haben soll, darunter auch die Brandstiftung im März 2013 in seinem Elternhaus. Bei der Verhandlung zwei Tage zuvor hatten auch mehrere Sachverständige und Ärzte ausgesagt, die dem Angklagten teilweise depressive Phasen bescheinigten.

Der schwerwiegendste Vorwurf ist der der Brandstiftung, bei der er laut  Anklageschrift „zumindest billigend in Kauf genommen habe, dass sich das  Feuer im Wohnhaus seiner Eltern ausbreiten, als auch auf das unmittelbar angrenzende Wohnhaus des Zeugen B. übergreifen würde.

Wie schon am vorherigen Verhandlungstag waren etliche Zeugen geladen. Zunächst sagte der  55-jährige Peter L. aus. Der IT-Techniker ist ebenfalls ein direkter Nachbar des Angeklagten. Im Jahr 2012, so Peter L., habe dieser bei ihm vor der Haustür Scheibenwischer zerstört, Brief- und Zeitungskästen aus den Halterungen gerissen sowie Blumenkübel umgeworfen: „Als ich aus dem Fenster schaute, sah es aus wie nach einem Sturm – überall lagen Gegenstände herum! Eine andere Nachbarin sagte dann zu mir, dass sie gesehen habe, dass Michael S. der Täter sei. Der Schaden betrug insgesamt um die 1 000 Euro!“ Auf Nachfrage von Richter Armin Hardt, ob er eine Versicherung habe, die für solche Schäden aufkomme, verneinte er dies: „Ich musste alles selbst bezahlen.“

Zwei Tage nach dem Vorfall sei der Angeklagte schließlich zu ihm gekommen, um sich zu entschuldigen. Der 55-Jährige habe ihm jedoch daraufhin mitgeteilt, dass „alles nicht so einfach zu entschuldigen sei“. Dann, so der Zeuge, sei der Angeklagte ausgerastet: „Er hat Naziparolen rumgeschrien. Zudem hat er mir gedroht. Er sagte, dass er wisse, wo meine Frau arbeite, und dass meine Tochter täglich an seinem Haus vorbei gehe. Ich war sehr verunsichert durch diese Drohungen, sodass ich ihn des Geländes verweisen musste. Ich hatte Angst!“

Rudolf W., ein Polizeioberkommissar, war der nächste Zeuge. Er habe einmal mit ihm zu tun gehabt, so der 46-Jährige. Im September 2012 habe ihn Peter L. (voriger Zeuge) angerufen, um Sachbeschädigungen auf seinem Grundstück zu melden: „Als wir dann zu dem Grundstück fuhren, war alles verwüstet! Eine Nachbarin teilte mir dann mit, dass sie den Angeklagten bei der Begehung der Taten gesehen habe.“ Dann sei er mit seinem Kollegen in die Wohnung von Michael S. gegangen: „Dort hörten wir ohrenbetäubende Musik – Klassik. Nachdem wir diese ausgeschaltet hatten, fanden wir den Angeklagten tief schlafend in seinem Bett vor. Wir mussten ihn wecken, er schlief tief und fest – trotz dieser Musik.“ Dann habe sich Michael S. vor ihn niedergekniet und habe etwas geschrien, was man jedoch nicht verstanden habe: „Er war für uns gar nicht ansprechbar, als ob er in einer anderen Welt leben würde.“ Dann, so der 46-Jährige, habe man den Mann in eine „Unterbringungsbehörde“ in Gerolstein gebracht, die er jedoch bereits nach zwei Tagen wieder verlassen habe.

Melanie H. eine 36-jährige Gastronomie-Fachfrau, ist die Nachbarin, die den Angeklagten bei der Verwüstung des Grundstücks von Peter L. gesehen hatte. Sie berichtete, sie sei nachts durch laute Geräusche wach geworden sei. Dann habe sie lautes Geschrei vernommen und Michael S. gesichtet. Daraufhin habe sie die Polizei informiert, aber sei in der Wohnung geblieben: „Ich hatte große Angst und wollte erst einmal nicht hinaus gehen.“ Am nächsten Morgen sei sie schließlich raus gegangen und habe dort die Polizei gesehen und laute Rock-Musik aus der Wohnung des Angeklagten vernommen.

Polizeioberkommissar Herbert S., schilderte einen Anruf den er vom Vater des Angeklagten angenommen hatte. Michael S. habe seinem Vater während eines Telefonats aus der Psychiatrie damit gedroht, ihn umzubringen. Wortwörtlich, so der 50-Jährige, habe er zu seinem Vater gesagt: „Wenn ich heim komme, bringe ich dich um!“ Dem Vater sei es jedoch wichtiger gewesen, dass man seinen Sohn länger zu einer schnellen Genesung in der Psychiatrie lasse, als dass er selbst geschützt werde, so Herbert S. Der 72-Jährige pensionierte Postoberat Ulf P. ist ebenfalls ein Nachbar der Eltern des Angeklagten. Über diese sagte er: „Das sind sehr nette und fleißige Leute. Ich kam immer gut mit ihnen zurecht.“ An einem Sommerabend, so Ulf P., sei der Vater von Michael S. zu ihm gekommen und habe ihn darum gebeten, schnell die Polizei zu rufen: „Er klingelte ganz aufgelöst bei uns. Ich wusste gar nicht was los war, folgte aber seiner Bitte und rief die Polizei an.“ Als er danach zu dem Anwesen seiner Nachbarn gegangen sei, so P., habe er gesehen, wie Vater und Sohn „Stirn an Stirn in der Tür“ gestanden hätten. „Michael hatte seinem Vater damit gedroht, ihn tot zu schlagen! Ich ging dazwischen und versuchte, den aufgebrachten Sohn zu beruhigen – was mir zu meiner eigenen Überraschung gelang. Ich lenkte ihn ab und sprach über vergangene Ereignisse aus seiner Jugendzeit.“

Einige Tage später habe die Mutter des Angeklagten bei ihm geklingelt und ihm und seiner Frau von dem Vorfall berichtet, als der Angeklagte versucht hatte, das Haus seiner Eltern in Brand zu setzen. „Ich war geschockt, jedoch habe ich schon öfter harte Wortgefechte zwischen Vater und Sohn mitbekommen. Meine Frau zitterte außerdem immer, wenn Michael S. an unserem Haus vorbei ging! Und nicht nur das, auch Verkäuferinnen aus einem nahe gelegenen Supermarkt sagten mir einmal, dass sie Angst verspürten, wenn er zum Einkauf kam.“ Der Zeuge betonte außerdem, er halte den Angeklagten für hochintelligent. Er selbst sei immer gut mit ihm klar gekommen sei.

Walter D., ein 60-jähriger Fleischermeister, war der nächste Zeuge. Er kenne Michael S. aus dem Ort, so der Zeuge. Als er einmal in einem italienischen Restaurant in dem Ort gewesen sei, habe ihm der Pizza-Lieferant gesagt, dass draußen „der Mann wieder Scheibenwischer kaputt macht.“ Es sei unter anderem sein Auto gewesen, welches beschädigt worden sei. Tage später habe sich der Angeklagte bei ihm in einer Kneipe entschuldigt und ihm gesagt, dass er ihm das Geld für den Schaden gebe: „Das hat er bis heute nicht gemacht.“

Der 22-Jährige Krankenpfleger Tobias L. berichtete, dass die Besitzerin derselben Pizzeria einmal bei ihm geklingelt habe, um ihm mitzuteilen, dass ihr Sohn gesehen habe, wie Michael S. die Scheibenwischer an seinem PKW abgebrochen habe. Daraufhin, so Tobias L., habe er die Polizei alarmiert. Die Rechnung in Höhe von 52,52 Euro habe er selbst begleichen müssen. „Das war das erste Mal, dass ich mit Herrn S. zu tun hatte.“

Wilfried N., ein 65-jähriger Rentner, berichtete von zwei Vorfällen, die er im Zusammenhang mit dem Angeklagten mitbekommen habe. Zum einen habe er einmal durch die Fenster seiner  ohnung gesehen, wie Michael S. sich vorsichtig einem BMW genähert und umgesehen habe, um dann den Scheibenwischer  leicht abzuziehen. Dann habe er den 65-Jährigen gesehen und sei   weggegangen. Später sei er wiedergekommen und habe etwas, was er zuvor vom Boden aufgehoben habe, zwischen diese Scheibenwischer geklemmt. „Dann bin ich hinausgegangen und habe ihm gesagt, er soll gehen!“ Außerdem habe er einmal mitbekommen, wie der Angeklagte massiv die Scheibenwischer eines anderen PKW abgebrochen habe. Daraufhin habe er die Polizei alarmiert und später hätte er mit der Polizei versucht, den Angeklagten zu finden, jedoch sei er unauffindbar gewesen.

Die letzte Zeugin war die ehemalige Freundin des angeklagten 44-Jährigen. Sie sagte, dass sie Kontakt zu ihm habe und ihm helfen wolle, „sein Leben neu zu ordnen“. Er nehme seine Medikamente regelmäßig und habe seine Krankheit nun akzeptiert. Zudem betonte sie, dass ihr ehemaliger Partner nichts mehr mit seinen Eltern zu tun haben wolle. Als Richter Hardt fragte, wie er über ihre gemeinsame Zukunft denke, antwortete Michael S.: „Wir warten das Urteil ab!“

Am 24. Januar soll der Prozess fortgeführt, das Urteil Anfang Februar verkündet werden, so Hardt. Laura Dolfen

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