Es hat sich erst einmal „ausgehüpft“

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TRIER. Franziska Garcia Almendaris kam, sah und siegte. Der Höhenflug der erst am 23. Dezember verpflichteten Kreisläuferin wurde am vergangenen Mittwoch, den 8. Januar, bei der Auswärtsniederlage in Leverkusen (28:35) jäh gestoppt. In der 8. Minute verdrehte sich der Neuzugang bei einer Eins-gegen-Eins-Aktion das Knie und schied aus.

Am heutigen Freitag bestätigten sich dann bei der finalen Untersuchung, einer Computer-Tomographie, die schlimmsten Befürchtungen: vorderes Kreuzband gerissen. Im ohnehin schon lädierten linken „Wackelknie“, in dem bereits Innen-, Außen- und Kreuzband gerissen waren. Schon nach dem ersten Kreuzbandriss hatte sich die junge Frau aus Guben in der Niederlausitz eine Plastik einsetzen lassen. Aber auch die konnte ihrem unwiderstehlichen Zug zum Tor nicht standhalten. „Es war eine typische Situation für eine solche Verletzung“, sagt sie. „Das Knie ist weggeknickt, ohne dass eine Gegnerin beteiligt war.“

„Franzi“ ist hart im Nehmen. „Bei den ‚Playdowns‘ bin ich wieder da, die sind im März. Ich lasse mich nicht operieren. Das wäre doch total peinlich. Ich komme hier als Neuzugang und nach drei Spielen bin ich weg – wie peinlich.“ Das ist sicher eine seltene Art mit einer so schweren Verletzung umzugehen. Mit einer gehörigen Portion Sarkasmus fügt sie hinzu: „Das Knie ist ja ohnehin instabil. Wenn die Schwellung abgeklungen ist und die Physiotherapie anschlägt, dann haut das mit Tapes schon hin. Ich bin gekommen, um beim Klassenerhalt zu helfen, und das will ich auch tun.“

„Sie wird sehr wichtig für uns werden“, hatte sich Jana Arnosova, eine der beiden Trainerinnen der Miezen schon vor der Ankunft des 29-jährigen Neuzugangs sehr optimistisch gezeigt. Nach den  ersten beiden Spielen, hatte sich die Neubrandenburgerin dieser Vorschusslorbeeren als absolut würdig erwiesen. Ihre ersten beiden Spiele im blauen Trikot, in denen die gelernte Kreisläuferin überwiegend im Rückraum eingesetzt wurde, gewann die MJC und gab das Schlusslicht der Tabelle ab. Und daran hatte sie wesentlichen Anteil.

15 Monate lang hat sie an keinem echten Wettbewerb mehr teilgenommen, war stattdessen in Asien unterwegs. Um ihren Vater zu besuchen. Den Nachnamen Garcia („bitte ohne Almendaris, das ist mir zu lang“) hat sie von ihrem Stiefvater, einem Kubaner. Ihr leiblicher Vater ist Vietnamese, zu dem sie auf abenteuerlichen Irr- und Umwegen Kontakt bekam. Und dann wollte sie ihn auch kennenlernen und brach ihre Zelte in Deutschland erst mal ab. Nach einem Trip durch Bali, Thailand und Kambodscha hat sie in Saigon die Handballdamen trainiert. Für 10 Millionen Dong im Monat. „Das sind umgerechnet 500 Dollar – in Vietnam ein Vermögen.“

Sie sah sich dort „als eine Art Entwicklungshelferin“. Einen richtigen Spielbetrieb gibt es nicht, das Niveau siedelt sie nach den wenigen Spielen, die dort untereinander ausgetragen wurden, nach deutschen Maßstäben „in der unteren zweiten Liga“ an. Aber es hat ihr Spaß gemacht. Weil sie ihren Vater kennenlernen konnte, die Menschen dort auf Anhieb mochte und ihren Schützlingen etwas beibringen konnte.

Als wir uns trafen – vor ihrer Verletzung, wackelte das Knie auch schon, aber sie war noch fit. Voller Optimismus sah sie die Miezen auch in der kommenden Saison in der 1. Liga: „Weil wir vor den Abstiegsspielen auch noch das eine oder andere Ding gewinnen werden, mit dem niemand rechnet. Wir sind das Überraschungsei  der Liga.“

Für Abstiegskampf war sie bisher eher nicht zuständig. Als schönstes Erlebnis bezeichnet die frühere Juniorennationalspielerin den Aufstieg in die erste Liga im Jahr 2000 mit der TSG Ketsch. Noch vor dem Double mit dem Thüringer HC im Jahr 2011. Bevor sie 2012 ihre Zelte in Deutschland abbrach und nach Asien reiste, hatte sie als Redakteurin beim Sportinformationsdienst (sid) gearbeitet. Nebenbei als Journalisten arbeiten, wollte sie in Trier ohnehin – jetzt hat sie mehr Zeit dafür, als vorgesehen.

Mit der Knieverletzung ist ihr eine Entscheidung abgenommen. Vor dem Kreuzbandriss hatte sie sich noch nicht festlegen wollen, ob nach dieser Saison Schluss ist, oder sie vielleicht doch noch einige Zeit in Trier verbringt. Was MJC-Vorstand Joga Brech gehofft hatte. Ein Funke, den sie glimmen ließ. „Ich bin ein Hüpfer. Kann sein dass ich noch bleibe, kann sein dass ich wieder weg bin.“

Jetzt hat es sich ausgehüpft. Da redet sie Klartext.: „Ich bin doch nicht beknackt und ramponiere mir das Knie völlig. Nee, nee. Aber den Endspurt mache ich noch mit. Und wir werden nicht absteigen.“ (wir)

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