Wieder Ärger mit ECE

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Das erst vor vier Monaten eröffnete "Skyline Plaza" in Frankfurt

Bildquelle: wikimedia commons/Epizentrum

TRIER/FRANKFURT. Auch wenn es um die Debatte bezüglich einer möglichen Ansiedlung des Hamburger Investors ECE in der Stadt Trier spürbar ruhiger geworden ist, so kann man das nicht von anderen Standorten behaupten. Vier Monate nach der Eröffnung des „Skyline Plaza“ in Frankfurt muss der Investor heftige Kritik an seinen Geschäftspraktiken einstecken.

Vier Monate ist es nun her, dass der Projektentwickler ECE sein neuestes Objekt am Börsenplatz Frankfurt eröffnet hat. 360 Millionen Euro nahmen die Hamburger dafür in die Hand. Nun hagelt es heftige Kritik von den im Center ansässigen Geschäftsleuten. Wie die die Tageszeitung „Frankfurter Rundschau“ berichtet, bleiben viele Geschäfte deutlich hinter ihren Gewinnerwartungen zurück.

Verantwortlich machen die Ladenbetreiber vor allem die Geschäftsführung des Centers. In einem Brief an den kommissarischen Centermanager Daniel Quaas machen sie auf aktuelle Probleme aufmerksam. Trotz hoher Werbepauschalen, die die Ladenbetreiber an die Centerleitung abführen müssen, würde keine Werbung seitens des Managements betrieben. Außerdem beschwerten sich Kunden vor allem über fehlende Toilettenanlagen und horrende Parkgebühren. Nach Informationen der Frankfurter Rundschau hat sich an dem Brief fast die Hälfte der ansässigen Geschäfte beteiligt.

Aufgrund der fehlenden Werbung und der Unannehmlichkeiten für potentielle Kunden blieben die Läden deutlich hinter den erwarteten Gewinnen zurück. Centermanager Quaas kann sich das nicht erklären. Er äußerte gegenüber der Frankfurter Rundschau, das „Skyline Plaza“ hätte durchschnittlich 25 000 Besucher täglich. Das liege innerhalb der Erwartungen des Investors.

Daniel Zettl, ansässiger Blumenhändler, kann diese Zahl nicht nachvollziehen. Zum einen sei diese Zahl nicht realistisch, zum anderen habe ECE zunächst mit 40 000 Besuchern gerechnet. Er selbst habe seinen Businessplan bei der Bank auf diese Prognosen gestützt.

Nach vier Monaten sei die Lage bereits „existenzbedrohend“, berichten auch andere Ladenbetreiber. Obsthändlerin Gülsüm Akin äußerte gegenüber der Frankfurter Rundschau: „Das Management will mit jedem Mieter individuell sprechen, wahrscheinlich weil es keine Zeugen für seine Aussagen haben will. Wir sind hier aber vom Konkurs bedroht und mussten Mitarbeitern kündigen.“

Vermutlich wird sich die Lage für die Frankfurter Einzelhändler noch länger zuspitzen. Der kommissarische Centermanager Quaas hat kaum eigene Kompetenzen. Er vertritt derzeit lediglich den eigentlichen, aber derzeit erkrankten Leiter Thorsten Kemp. Bis zu dessen Rückkehr ist mit einer Verbesserung der Situation nicht zu rechnen.
Fraglich ist auch, wie sich diese Erfahrungswerte auf eine potentielle Ansiedlung in Trier auswirken. Viele der Frankfurter Einzelhändler erklären die Flaute des neuen Centers damit, dass Frankfurt bereits über diverse andere Shoppingtempel verfügt, teilweise mit besseren Konditionen wie beispielsweise kostenlosem Parken. Auch wenn die Debatte um den Trierer Standort derzeit ruht, sollten die Verantwortlichen sich den dort gemachten Erfahrungen nicht verschließen. Auch Trier verfügt mit der „Trier Galerie“ bereits über ein Einkaufszentrum. Zusätzliche Einkaufsmöglichkeiten bestehen in den Warenhäusern „Karstadt“ und „Galeria Kaufhof“.

Von dem Vorhaben, am derzeitigen Standort „Karstadt“ ein neues ECE-Center zu errichten, ist Manager Gerd Wilhelmus bereits vor einigen Wochen abgerückt. Interesse am Standort der Europahalle am Viehmarkt besteht aber nach wie vor.

Die vom Stadtrat eingerichtete Arbeitsgruppe zur Innenstadtentwicklung tagte indes im Dezember 2013 erst zum zweiten Mal. Nach lokalo-Informationen wurde die Arbeit dort aber noch nicht konkretisiert. Der Name ECE sei so gut wie gar nicht gefallen. Offenbar soll das Thema in der Öffentlichkeit gezielt ruhig gehalten werden. Mit der Veröffentlichung erster Ergebnisse ist vor der Kommunalwahl am 25. Mai wohl ebenso wenig zu rechnen, wie mit dem Vorliegen von Arbeitsergebnissen. Die Aufschieberitis bis zum Wahltermin beginnt. Jonathan Sauer

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1 KOMMENTAR

  1. Der ECE Konzern ist eine Heuschrecke, eine Krake, die man zerschlagen sollte. Ich habe bisher nichts schlimmeres kennen gelernt. Dahinter steckt der Milliardenschwere Otto-Konzern, dem auch der Hermes-Versand gehört. Und wie die ihre Mitarbeiter versklaven ist ja hinreichend bekannt.

    Zum Teufel jagen sollte man auch die Politiker, die ein ECE genehmigen.

    Was die Trierer Stadtratsmitglieder betrifft, so sollte man ihnen mal die Frage stellen, welch eine Wertschöpfung ein ECE Trier bringt.

    Man weiß ja, dass in ECE`s hauptsächlich die großen KLetten wie MCDonalds, H&M, Douglas, Tacko, KIK etc. und andere Heuschrecken, vertreten sind und die Mitarbeiter meist im Niedriglohnsektor beschäftigt sind. Welch eine Wertschöpfung für den Arbeitsmarkt?

    Dann sollten die Stadtpolitiker man ganz ernsthaft überlegen und die Frage stellen, wie viel Steuern diese Ketten und das ECE wirklich an die Stadt bezahlen. Sie zahlen so gut wie nichts, 3-5 Prozent Steuern, das ist ja auch bekannt. Die inhabergeführten Einzelhändler (oft über Generationen geführte Familienbetriebe) haben eine Steuer-u. Abgabenlast von über 49 Prozent zu entrichten. Wo bleibt die Steuergerechtigkeit? Spätestens jetzt kann man nicht mehr sagen, man hätte nichts gewusst.

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