Samba an der Mosel: 24. Silvesterlauf

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TRIER. Für die 24. Ausgabe des Silvesterlaufs in Trier, dem deutschen „Sào Paulo“, wie es in diesem Zusammenhang gerne genannt wird, haben sich wieder einmal hochklassige Läufer angemeldet. Auch wenn die Temperaturen ganz sicher keine Erinnerungen an die brasilianische Metropole wecken dürften: Es ist eines der Sport-Highlights im Trierer Sport-Kalender und eine große Party vor der Party ins neue Jahr.

Der Vorsitzende des Silvesterlauf e.V., Berthold Mertes, stellte die wichtigsten Teilnehmer in der heutigen Pressekonferenz vor. Vor wenigen Tagen erst wurde bekannt, dass Vorjahressieger Moses Kipsiro aufgrund von Oberschenkelproblemen nicht teilnehmen wird. Nur 100 Meter von Kipsiros Geburtsort in Tolwo, Uganda, entfernt, fand man namhaften Ersatz: Thomas Ayeko wird seinen Landsmann ersetzen. Der 21-Jährige ist nicht nur Nachbar, sondern auch Trainingspartner von Kipsiro und wurde von ihm zum Laufen animiert. Der schüchtern wirkende Afrikaner gehört sicherlich zu den absoluten Top-Favoriten auf den Sieg beim Bitburger-Lauf der Asse über  8000-Meter Triers Fußgängerzone. In seiner Vita finden sich Topplatzierungen bei der Weltmeisterschaft 2013 (11.) und Olympia in London 2012 (16.) über die 10 000 Meter.

Zwei Deutsche wollen ihm allerdings einen Strich durch die Rechnung machen. Da wäre zum Einen Homiyu Tesfaye, der seit diesem Jahr die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt und prompt zu Deutschlands „Läufer des Jahres 2013“ gewählt wurde. Der gebürtige Äthiopier wurde bei seiner ersten Teilnahme am Silvesterlauf im vergangenen Jahr Neunter. Während er über die 1500 Meter bereits zur Weltspitze gehört, muss der 20-Jährige das über die 8 Kilometer durch die Trierer Innenstadt erst noch beweisen. „Die Weltmeisterschaft in Moskau lief für mich überragend und der Silvesterlauf ist ein erstes Warmlaufen für die Hallen-Europameisterschaft im März. Dennoch steht hier für mich der Spaß im Vordergrund“, sieht er den Wettkampf eher als bessere Trainingseinheit vor tollem Publikum. 

Carsten Schlangen hofft wie im vergangenen Jahr,als er Achter wurde, auf einen einstelligen Platz. Und er geht sicherlich besonders motiviert an den Start, denn er feiert am letzten Tag des Jahres Geburtstag – er wird 33 Jahre alt. „Ich habe trotz meines Alters immer noch Leistungsreserven und habe intensive Trainingseinheiten in den Bergen hinter mir“, will er noch lange nicht zum alten Eisen gezählt werden.

Das gilt auch für Irina Mikitenko, die im Trierer Silvesterlauf „einen der schönsten Silvesterläufe überhaupt“ sieht. Die mittlerweile 41-Jährige gewann 1998 schon einmal in Trier und blickt auf eine erfolgreiche Karriere im Marathon zurück. Jetzt will sie es ihren jungen Kolleginnen noch einmal über die 5 Kilometer zeigen. Auch Töchterchen Vanessa wird erstmals bei den Kindern an den Start gehen – für zukünftige Teilnehmer aus dem Hause Mikitenko ist also wohl gesorgt.

Ebenfalls mit dabei: Vorjahressiegerin Corinna „Coco“ Harrer, die ihren Erfolg gerne wiederholen möchte. „Es wird sicher nicht einfach, aber ich will natürlich gewinnen“, schickt sie eine Kampfansage an die Konkurrenz. Zu der gehört auch Gesa Felicitas Krause. Die Senkrechtstarterin verblüffte bei Olympia in London mit einem starken achten Rang über 3000 Meter Hindernis und hat sich in der Weltspitze etabliert. Sie sieht den Silvesterlauf nicht als Abschluss, sondern als „tollen Auftakt in eine neue Saison“. Die 21-Jährige hat als Hauptziel eine Medaille bei der EM 2014 ausgegeben und will in ihre Bestleistungsbereiche laufen.

Die „gelebte Großregion mit völkerverbindendem Charakter“ (Sportdezernentin Angelika Birk) lockt auch in diesem Jahr über 2000 Teilnehmer beim letzten Großereignis des Jahres an. Die Athleten kommen aus 20 Nationen – ein buntes Fest erwartet die Zuschauer. Der Arbeitskreis „Gegen Rechts“ der Polizei Trier setzt mit einem eigenen Lauf noch ein Zeichen gegen Rechtsextremismus. „Es ist ein deutliche Signal, dass für Rechtsextremismus kein Platz in Trier ist“, begrüßte Birk die Initiative. „Ich hoffe auf ein hals- und beinbruchfreies Fest und wünsche mir, dass auch die letzten Teilnehmer, die im Ziel ankommen, noch entsprechend gefeiert werden“, appellierte sie zum Schluss der Pressekonferenz an die Zuschauer. Das sollte mit Samba-Tänzerinnen und -Trommeln auch gelingen. Dann guten Lauf ins neue Jahr! (cw)

Die Topstars:

Männer:
Startnummer 99: Thomas Ayeko, 21 Jahre , Uganda, Bestzeit 10 000 m (27:40,96 Min.), Finalteilnehmer Olympia 2012 London (16.), WM-Finale Moskau (11.), noch keine Silvesterlauf-Teilnahme
Startnummer 4: Homiyu Tesfaye, 20 Jahre, Deutschland, Bestzeit 1 500 m (3:34,18 Min.), WM-Fünfter in Moskau 2013 über 1500 m, Läufer des Jahres in Deutschland 2013, einzige Silvesterlaufteilnahme 2012 (9.)
Startnummer 6: Carsten Schlangen, geb. 31. 12. 1980, Deutschland, Bestzeit 1 500 m (3:33,64 Min.), Olympia-Halbfinalist 2012, WM-Halbfinalist 2013, Beste Platzierung beim Silvesterlauf: 2008 (4.)

Frauen:
Startnummer 1000: Irina Mikitenko, 41 Jahre, Deutschland, Marathon-Weltrekordlerin der Klasse W 40, Siegerin der Marathonläufe in London und Berlin, World Marathon Majors Siegerin, Deutsche Rekordlerin auf sieben Strecken, mehrfach Topplatzierungen bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften, Silvesterlauf-Siegerin 1998
Startnummer 1001: Corinna Harrer, 22 Jahre, Deutschland, Bestzeit 3000 m (8:55,47 Min.), Halbfinalistin Olympia 2012 London (1500 m), Vizeeuropameisterin in der Halle 2013, Silvesterlauf-Siegerin 2012
Startnummer 1005: Gesa Felicitas Krause, 21 Jahre, Deutschland, Bestzeit 3000 m Hindernis (9:23,52 Min.), Jugendeuropameisterin, Junioreneuropameisterin, Achte der Olympischen Spiele 2012, Neunte der WM 2013, Beste Platzierung beim Silvesterlauf: 2010 (3.)

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