Weihnachten in Uruguay

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Trier/Montevideo. Weihnachten unter Palmen. In unserer Zeit schon fast normal. Viele zieht es ganz bewusst weg in die Sonne. Lokalo-Redakteur Bastian Lütge lebte ein Jahr lang in Uruguay. Statt eines Weihnachtsbaumes gab es eine Weihnachtspalme und auch sonst war nicht alles wie bei uns.

Nun war es wirklich soweit, Weihnachten stand auch in Uruguay vor der Tür. Am Vormittag noch schnell am Stadtstrand Sonne tanken, einen üblen Sonnenbrand an den Füßen inklusive.  Weihnachtsstimmung wollte hier nun mal wirklich nicht aufkommen, bei ständigen Temperaturen um die 30°C bis abends und Dauer-Sonnenschein. Doch wie wird in Montevideo traditionell das Fest begangen? Supermärkte und Geschäfte haben bis 19 Uhr geöffnet, unvorstellbar in Deutschland.

Ab 12 Uhr, so wurde mir berichtet, gibt es eine jährliche, traditionelle „Feier“ auf dem Mercado de Puerto, einem der zentralen Treffpunkte der Stadt. Dort wird „Medio y Medio“, eine süß-klebrige Mischung aus Wein und Sekt getrunken und bald darauf auch zur Abkühlung benutzt, um alle Leute damit zu übergießen. Nun, als immer noch „ordentlicher Deutscher“, denkt man ja eigentlich, dass sich dann auch alle Leute um 12 Uhr dort sammeln. Weit gefehlt, um 12 Uhr begannen die Feierwilligen erst einmal damit, Stände aufzubauen, wo Unmengen an Medio y Medio gelagert, nein, aufgetürmt wurden. Für umgerechnet 1,50 bis 2 € pro Stück konnte man diese Flaschen dann kaufen.

Bei knapp 33 Grad im Schatten entschied ich mich erst einmal für ein kühles Bier. Die „Urus“ jedoch legen direkt los. Vor allem die Kinder hatten ihren Spaß, die komplett vollen Flaschen über Leute, die sich am Rande des Marktplatzes im Schatten aufhielten, zu entleeren. Es kam, wie es kommen musste: Meine Freunde und ich bekamen natürlich auch etwas ab. Zunächst nur ein bisschen. Da wir noch mit Freunden an einem anderen Teil des Marktes verabredet waren, wollten wir schnell austrinken. Unglücklicherweise hatten wir noch knapp 3 Liter des süßen Getränkes als Vorrat. Ich kam auf die dumme Idee zu fragen, wie wir das in so kurzer Zeit, die wir noch hatten, schaffen sollten. Eine blöde Frage, wie ich schnell merkte. Hoch das Glas und das klebrige Zeug rann über meine Haare und das Gesicht. Nun entbrannte eine regelrechte Verfolgungsjagd. Jeder versuchte, den anderen nass zu machen und auch die umherstehenden Einheimischen nutzten die Gelegenheit, den Deutschen mal zu zeigen, wie es richtig gemacht wird.

Da wir jetzt eh schon vollkommen durchnässt waren, wagten wir uns durch die tanzenden und singenden Menschenmassen. Von überall spritzte diese klebrige Wein-Sekt-Mischung auf und über uns. Ein gelungener Einstieg in die Weihnachtsfeierlichkeiten. Da es mittlerweile schon gegen 18 Uhr in Deutschland war, sind wir kurz nach Hause gepilgert und haben uns live zu den Weihnachtsessen unserer Familien zuschalten lassen.

Nach ausführlichem Duschen mit Klamotten, da „Medio y Medio“ bei knapp 30 Grad echt unglaublich klebt, haben wir uns dann am Abend zum „Asado „begeben. Man kann sich das so vorstellen: Alles was an Fleisch einer Kuh verwertbar ist, kommt auf den Grill.   Vollkommen unweihnachtlich für deutsche Verhältnisse, aber echt lecker. Später haben wir uns dann noch von einer Dachterrasse mit Blick auf das Meer das traditionelle Weihnachtsfeuerwerk angeschaut. Die jagen hier alles hoch, was sie haben. Kinder mit selbstgebauten Böllern in Plastikrohren, Bengalische Feuer in jeder zweiten Hand und Raketen, die sicher nicht vom deutschen TÜV abgenommen worden wären.  Eigentlich bin ich kein Feuerwerk-Fan, aber was hier in Montevideo abgebrannt wurde, war wirklich sehr ansehnlich. Auch wenn die Kombination aus Lautstärke und dem Verzehr von Bier und „Medio y Medio“ nicht förderlich waren, so dass wir schon am Abend mit einem veritablen Kater den Heimweg antreten mussten. Anders als die meisten „Urus“, die gegen 3 Uhr nachts in die Clubs pilgern. Der 1. Weihnachtstag gehört dann der Familie und ist auch der Tag der Geschenkübergabe. Ähnlich wie der 6. Januar, der „Día de los Niños“. Am Tag der Kinder wird der Nachwuchs reich beschenkt. Gemeinsames Essen im Kreise der Familie, ähnlich wie in Deutschland, ist weit verbreitet. Allerdings fehlt da irgendwie was. Ach ja, der Weihnachtsbaum. Bei uns war es eher eine Weihnachtspalme, in vielen Haushalten stehen aber auch künstliche Bäume. Andere Länder, andere Sitten halt. (bas)

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1 KOMMENTAR

  1. Er hat das Fest in Uruguay schon ganz gut erfasst, aber die Uruguayer haben noch ganz andere Sitten und Gebräuche an Weihnachten,, manche sind schon zum Schmunzeln

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