Einkaufen vor Ort: Wo Beratung noch an erster Stelle steht

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BITBURG. Wer in der „Einkaufsstadt Bitburg“ flaniert, gewinnt vielfältige Eindrücke von einem Extrem zum anderen. Neu errichtete Galerien mit Wohn- und Gewerbeflächen wechseln mit weniger attraktiven Flächen oder gar Ruinen ab. Da ist das neue „Bewalo-Gebäude“ – der Erbauer verrät nicht, was sich hinter dem Begriff verbirgt – neben der Stadthalle, gleich bei Bitburgs Postamt im „Big-Brother-Container“, der an die Industriebrache des ehemaligen „Müller-&-Flegel“ Gebäudes angrenzt.

Am Postplatz vermiest der Baulärm der Bagger die vorweihnachtliche Ruhe. In der Fußgängerzone fällt der Blick auf Schilder mit der Aufschrift „Räumungsverkauf wegen Geschäftsaufgabe“ oder schon von der Sonne verblichenen „Zu-Vermieten-Aufschriften“ ab. Was ist hier los? Meine Recherchen führen mich auf lang geführte Diskussionen im Stadtrat, ob, wann, und wenn, wie groß ein Einkaufszentrum angrenzend an  Fußgängerzone sein darf, wenn es denn gebaut wird. Es geht um die viel diskutierte „Bit-Galerie“ – das Pendant in Trier heißt ECE – ein ehrgeiziges Vorhaben der HGH (Heinz und Borne GbR)-Planungsgruppe rund um Visionär und Kolonnadenliebhaber Stefan Kutscheid. Seine Handschrift tragen zahlreiche Wohn- und Geschäftshäuser in der Region, nicht zuletzt die Stadthalle.

Bitburg hat wie viele andere Kommunen in Deutschland mit drohender Verödung der Fußgängerzone zu kämpfen. Es gibt zahlreiche Projektmanager, Gremien oder Kreativteams, die in deutschen Städten etwas zu retten versuchen, was manchmal nicht mehr zu retten ist. Im Wesentlichen betroffen ist hier der Einzelhandel. Viele Geschäftsinhaber können Pacht- und Nebenkosten bei rückläufigen Umsatzzahlen nicht mehr stemmen. Doch das liegt nicht an fehlenden Blumenkübeln oder schlecht beleuchteten Wegen in der Innenstadt, es liegt an der seit Jahren wachsenden Konkurrenz: Internet. Nach einer Studie der GfK (Gesellschaft für Konsumforschung) verzeichneten Onlineeinkäufe im Jahr 2012 weiterhin massive Steigerungen – 2013 wird es nichts anders sein. Allein im Weihnachtsgeschäft 2013 werden im Onlinehandel Umsätze von 33,5 Milliarden Euro erwartet. Und das ist genau das Stück Kuchen, welches dem Einzelhandel fehlt.

Als Hauptvorteil sehen mehr als 40% der Befragten die Möglichkeit des schnellen Preisvergleichs im Internet. Deutschland ist ein Land der Schnäppchenjäger. Das Konsumverhalten richtet sich schlichtweg nach dem billigsten Angebot.

Thomas Klesius, (Printmediacenter PMC): „Bitburg ist von den Kosten her für Gewerbetreibende weder besonders günstig, noch besonders teuer. Wer sich etwas aufbauen möchte, ist in Bitburg gut platziert – abhängig vom Angebot. Druckerpatronen sind ein ‚Ad-hoc-Bedarfsprodukt‘. Wem diese ausgehen der möchte sofort Ersatz. Die Lage in der Petersstraße hat sich für uns als nachteilig herausgestellt, das drückte sich in einem deutlichen Umsatzrückgang aus. Hier in der Mötscher Straße kommen deutlich mehr Kunden, einer hat zugestanden dass er seine Druckerpatronen vor unserem Umzug trotz höherer Preise bei einem Mitbewerber kaufte, weil dieser einen Parkplatz vor der Tür hat. Im Bereich Smartphone-Repair ist es so, dass die Kunden den „Vor-Ort-Service“ bevorzugen, statt das Handy irgendwo hin zu schicken.

Dennoch beklagen immer mehr Einzelhändler, dass sie die Gefahr sehen, zu „Showrooms“ oder „Packstationen“ zu verkommen. In der Tat ereignete sich vor kurzem folgender Vorfall in einem Bitburger Geschäft für Computerzubehör. Ein junger Mann ließ sich vom Verkäufer ausführlich über den für ihn geeigneten Drucker beraten, zückte dann sein Smartphone, scannte den Strichcode und wies den Händler darauf hin, dass es den Drucker bei Amazon günstiger gebe. „Showrooming“ nennt man dieses Verhalten. Nicht immer ist die Masche so dreist und offensichtlich, aber in Schuhgeschäften kommt es sogar vor, dass Kundinnen dort die Schuhe Probelaufen, um dann das gewünschte Modell im Internet bei Zalando oder einem anderen Online-Versand zu kaufen. In der Branche des Buchhandels schadet der Online-Einkauf nicht nur den Geschäften – er ist auch komplett unsinnig. Jeder gute Bücherladen kann ein Buch, wenn er es denn nicht vorrätig hat, im Normalfall innerhalb eines Tages besorgen. So schnell kann kein Online-Anbieter sein. In der Sparte der Buchhändler ist schadet der Online-Einkauf nicht nur den Geschäften – er ist auch komplett unsinnig. Jeder gute Bücherladen kann ein Buch, wenn er es denn nicht vorrätig hat, im Normalfall innerhalb eines Tages besorgen. So schnell kann kein Online-Anbieter sein.

In Hamburg-Grindel protestieren Einzelhändler gegen das zunehmende Internetshopping in dem sie die Schaufenster zuhängen. Internetanbieter haben gegenüber dem Einzelhandel weitaus weniger Kosten, das wirkt sich natürlich auf den Preis aus. Viele Händler wünschen, dass der Gesetzgeber gegen diesen „unfairen“ Handel regulierend eingreift. Wer für einen florierenden Handel in den Städten und gegen die zum Teil menschenunwürdigen Bedingungen bei den Online-Versandhäusern ist, sollte mit gutem Beispiel vorangehen. Denn auch das ist sicher: „Jeder Online-Kauf vernichtet Arbeitsplätze.“ Harry Fröhlich

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