Harte Kritik an der Bürgerinitiative

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MEHREN. Gegen die Pläne niederländischer Investoren, ein mindestens vier Hektar großes Gewächshaus im Fremdenverkehrtsort Mehren in der Vulkaneifel zu bauen, wehrt sich eine Bürgerinitiative. Doch die trifft ihrerseits auf stürmischen Gegenwind seitens des Ortsbürgermeisters.

Nach der ersten lokalo-Berichterstattung über den geplanten Tomatenanbau in großem Stil („Glaswüste im Touristenparadies?“) gab es Bewegung. So wurde ein zwischenzeitlich verborgener Artikel über einen Delegationsbesuch aus Mehren beim niederländischen Gartenbaubetrieb Jacobs in Belfeld wieder auf die Homepage der Gemeinde eingestellt. „Von Hummeln, Schlupfwespen und anderen ‚Nützlingen’“, lautet die Überschrift.

Die Autoren, zu denen auch Gemeinderatsmitglied Hubert Eiden zählt, kommen in ihrem Erlebnisbericht zu folgendem Fazit: „Ein großer Teil der Besucher aus Mehren zeigte sich beeindruckt von dem hier vorgefundenen ökologischen Ansatz: Schädlinge werden mit Nützlingen bekämpft, Pflanzmaterial aus Eifel-Basalt wird in den Kreislauf zurückgeführt, CO2-neutrale Energie kommt zum Einsatz, dient dem gesunden Wachstum wie dem Aufheizen des Regenwassers zum Gießen der Pflanzen usw. (…) Die kritischen Fragen einiger Gäste bezüglich der Nachhaltigkeit der Produktion wurden alle ausführlich und sachlich beantwortet.“

Selbst hatten die Niederländer zuvor bereits folgende Unternehmensphilosophie verkündet: „Grundidee ist, dass die Faktoren ‚reine Eifelluft’, ‚klares Eifel-Wasser’ in Kombination mit kurzen Transportwegen für die Produkte und vor allem dem Einsatz regenerativer Wärme aus dem benachbarten Biomassekraftwerk zusammengeführt werden“, schreiben sie. Es ist von einem „biologischen Anbauverfahren“ die Rede, mit dem Tomaten und Gurken produziert werden, von „sehr guten klimatischen Voraussetzungen“ des Standorts, von anfallender Gewerbesteuer, Schaffung von bis zu 15 festen und 30 Teilzeit-Arbeitsplätzen für die Region. Zudem komme man „ohne jedweden Einsatz von Pflanzenschutzmitteln“, ohne Kompostierung und sowie ohne Belästigung durch Geruch oder Beleuchtung aus. Die Firma Jacobs schreibt von einer umweltschonenden Produktionsweise, die einen „Beitrag zu gesunden Produkten aus der Eifelregion“ leisten werde.

Wie kann so viel Ökologie eine kritische und den Plan ablehnende Bürgerinitiative auf den Plan rufen (siehe lokalo-Bericht)? „Die Kritik ist einfach so in die Welt gesetzt worden und von vorn bis hinten nicht richtig“, äußert sich Ortsbürgermeister Josef Ring (CDU) vehement und spricht von „unverschämt falschen Aussagen“. Das Flugblatt der Bürgerinitiative, welches in Mehren verteilt wurde, sei ein „Schmierblatt“. Er ist überzeugt: „So kann man nicht miteinander umgehen! Das ist keine Bürgerinitiative, sondern es sind nur drei Initiatoren mit rein privaten Motiven.“

Ring sieht weder eine Interessenskollision mit dem Konzept des „GesundLand Vulkaneifel“, das den sanften Tourismus in der Region beleben soll, noch eine Vergleichbarkeit mit dem gescheiterten Projekt niederländischer Investoren, im Kylltal eine agrarindustrielle Megafarm für Legehennen zu errichten. Er sieht vielmehr klare Vorteile in den künftigen Arbeitsplätzen, in den Synergien mit dem ortsansässigen Biomassekraftwerk und in den erwarteten Gewerbe- und Einkommensteuereinnahmen.

Laut Ring ist Stand der Dinge, dass ein Bauantrag noch nicht gestellt wurde. Der Gemeinderat müsse auf jeden Fall zustimmen, weil das gemeindeeigene Gewerbegebiet komplett für das Gewächshaus verbraucht werde. Über die genaue Größe des Bauvorhabens gebe es jedoch keine zuverlässigen Informationen, sondern: „Wir wissen nicht genau, was geplant ist, gehen jedoch von vier Hektar mit der Option auf Erweiterungen aus.“ Was ihm spürbar Sorgen macht: „Teils wurden bereits Kaufverträge über Land mit den Investoren geschlossen. Doch es kann noch schief gehen, wenn nicht alle benötigten Grundstücke zur Verfügung gestellt werden.“ Seine Forderung: Die betreffenden Grundstückseigentümer sollen verkaufen!

Einer, der das Projekt kritisch beäugt, ist der agrarpolitische Sprecher der grünen Landtagsfraktion, Dietmar Johnen: „Angesichts der hohen Importquote von Tomaten ist es sicherlich ökologisch vorteilhaft, wenn sie in der Nähe der Verbraucher produziert werden und nur kurze Transportwege brauchen“, räumt er ein. Das geplante Projekt in Mehren werfe jedoch viele Fragen auf. Zum Beispiel fehlten klare Aussagen zum von den Investoren versprochenen „biologischen“ Anbauverfahren: „Nirgendwo werden entsprechende Zertifizierungen oder konkrete Standards genannt, so dass dieses Versprechen nebulös bleibt. Allein durch die notwendige Beheizung der Anlage, die im Gewächshausanbau übliche CO2-Begasung der Pflanzen und die Haltung in Containern mittels einer Nährlösung dürfte zudem von der ‚reinen Eifelluft’ und dem ‚klaren Eifelwasser’, mit denen geworben wird, beim Produkt selbst nichts übrig bleiben.“

Da die Mittelgebirgsregion der Vulkaneifel – anders als von den Investoren behauptet – keinesfalls „sehr gute klimatische Voraussetzungen“ für den Tomatenanbau biete, seien auch Zweifel am behaupteten Verzicht auf die Belästigung der Umwelt durch Kunstlicht angebracht. „Ohne zusätzliche künstliche Beleuchtung können Tomaten in der Region allenfalls in einer sehr kurzen Hochsommerperiode erntereif werden.“ Es sei fraglich, wie dieser Zeitrahmen ausreiche, um eine millionenschwere Investition in die neue Anlage rentabel zu machen.

Seine größten Bedenken betreffen jedoch generell die Strategie, agrarindustrielle Strukturen in der bislang bäuerlich und touristisch geprägten Naturlandschaft Eifel einführen zu wollen. „Daran nimmt der Kern der Regionalmarke Eifel Schaden, wenn er verwässert oder gar mit falschen Produktversprechen verbunden würde.“ Zudem zeige die Erfahrung, dass viele niederländische Agrar-Investoren mit Auslagerungen von Produktionen hin ins benachbarte Ausland lediglich das Ziel verfolgten, EU-Förderungen abzugreifen, ohne damit ein echtes langfristiges Interesse am neuen Standort zu verbinden. „Die dauerhafte Schaffung von geeigneten Arbeitsplätzen für die Bevölkerung der Region und die Zahlung von Gewerbesteuern – die ohnehin erst nach der Abschreibungsphase anfallen – sind faktisch Ausnahmen.“ Angelika Koch

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