Missbrauchs-Prozess vor der Wende?

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TRIER. Am gestrigen Tag hatte der Prozess gegen den 30-jährigen Philipp S. aus Mehring begonnen. Der gelernte Versicherungskaufmann, dem sexueller Missbrauch vorgeworfen wird, hatte zugegeben, in mindestens fünf Fällen Geschlechtsverkehr mit der 13-jährigen Verena F. gehabt zu haben. Die sexuellen Kontakte seien jedoch einvernehmlich gewesen sein. Ferner gab Philipp S. an, das Alter des Mädchens nicht gekannt zu haben.

Am heutigen Dienstag wurde das Opfer Verena F. unter Ausschluss der Öffentlichkeit vernommen. Ihre Angaben standen, so Richter Keimburg in seiner Zusammenfassung, im Gegensatz zu den Angaben, die die 13-Jährige bei der polizeilichen Vernehmung gemacht hatte und die aus dem verlesenen, rund 800 Seiten umfassenden, Chatverlauf zwischen Philipp S. und Verena F. hervorgehen.

Demnach sagte Verena F. heute aus, von Philipp S. entführt worden zu sein. Dieser habe sie zunächst zum Geschlechtsverkehr genötigt, leugnete dann aber nicht, dass nachfolgende Handlungen einvernehmlich erfolgt seien. Der Angeklagte habe sie dann durch das Vorzeigen einer Schusswaffe versucht einzuschüchtern. Laut Keimburg widersprach sich Verena F. des Öfteren, weshalb die Kammer ihre heutigen Aussagen anzweifelt.

Als nächster Zeuge erschien dann Michael L., der Stiefvater des Opfers. Er sagte aus, dass seine Stieftochter bereits im Alter von 11 Jahren via Onlineplattformen und Chats den Kontakt zu älteren Männern gesucht und mit diesen in obszöner Weise kommuniziert habe. Ihm seien diese  Vorgänge erst bewusst geworden, als er das Handy der Tochter durchsucht habe. Anschließend habe er seine Tochter ermahnt und das Handy zerstört, so Michael L. weiter. In diesem Jahr habe er bei weiteren Kontrollen eines weiteren Handys erneut verdächtige Chatverläufe entdeckt. Daraufhin habe er nach eigener Aussage zu rund 100 Chatpartnern fernmündlich Kontakt aufgenommen und die Männer über das wahre Alter seiner Tochter aufgeklärt. Auch mit dem Angeklagten habe er telefoniert, Philipp S. hatte dieses Gespräch bereits in der gestrigen Verhandlung zugegeben. Die Nachfrage des vorsitzenden Richters Keimburg, ob Verena F. – angesichts der offensichtlichen Lüge bei ihrer Aussage – bereits in der Vergangenheit durch Unwahrheiten aufgefallen sei, bejahte der Stiefvater.

Nach der Vernehmung des Zeugen Michael L. beriet die Kammer zusammen mit der Staatsanwaltschaft, ob eventuell von einem minderschweren Fall auszugehen sei. Die Frage soll bis zum nächsten Verhandlungstag am kommenden Freitag geklärt werden. (ros)

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