Missbrauchs-Prozess hat begonnen

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    TRIER. Am ersten Verhandlungstag im Prozess gegen den 30-jährigen Philipp S. aus Mehring hatte Einiges für eine schnelle Entscheidung gesprochen: Der gelernte Versicherungskaufmann hatte zugegeben, vom 14. bis zum 16. Juni 2013 mehrmals einvernehmlich mit der 13-jährigen Verena F. (Name von der Redaktion geändert) Geschlechtsverkehr gehabt zu haben, bestritt jedoch, sich des wahren Alters der Minderjährigen bewusst gewesen zu sein.

    Anfangs behauptete der Angeklagte auch, höchstens vier Mal mit der Minderjährigen geschlafen zu haben. Nachdem es lange nach einer Einigung ausgehen hatte, entschied sich Philipp S. kurz vor Ende des ersten Verhandlungstags gegen ein Geständnis, in dem er zugegeben hätte, das Alter von Verena F. gekannt zu haben. Seine Chancen auf ein mildes Urteil hat er damit vielleicht schon verspielt.

    Im Mai 2013 hatten sich Philipp S. und die in Bayern wohnhafte Verena F. im Internet kennengelernt. Über ein soziales Netzwerk und den Handy-Kurznachrichtendienst Whatsapp hielten sie stetigen Kontakt, schnell entwickelten beide Gefühle füreinander. Verena F., die ihr Alter zunächst mit 17, dann mit 18 Jahren angab, berichtete dem Angeklagten von ihrer angeblichen Ausbildung zur Kosmetikerin, einem Nebenjob als Kellnerin, aber auch von Problemen mit ihren Eltern: So soll ihr Stiefvater ihr nach Angaben von Philipp S. Abführmittel verabreicht haben, den Personalausweis des Mädchens habe deren Mutter entwendet und vernichtet.

    Neben den Liebesschwüren, die eher wie eine Konversation zwischen zwei Teenagern wirkten, war Sex das Hauptthema der Chatgespräche. So tauschten sich der Angeklagte und das Opfer unter Verwendung von teilweise obszöner Sprache über Phantasien und Wünsche aus. Verena tätigte Aussagen, die man von einer 13-Jährigen in der Regel nicht erwartet. Vor dem ersten Treffen der Beiden, bei dem Philipp S. das Opfer ohne Absprache mit deren Eltern mit zu sich nach Mehring nahm, erhielt der Angeklagte einen Anruf: Verenas Stiefvater klärte den 30-Jährigen über das wahre Alter seiner Stieftochter auf, was dieser als weiteren Akt der Tyrannei gegenüber seiner Bekanntschaft auffasste. Er verbrachte daraufhin wie geplant das Wochenende mit dem Opfer in seinem Einfamilienhaus in Mehring, mehrmals kam es zum ungeschützten sexuellen Kontakt. Nach einer Vermisstenanzeige der Eltern wurde der Angeklagte am 16. Juni dieses Jahres gegen vier Uhr morgens von der Polizei festgenommen und sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

    Richter Albrecht Keimburg empfahl dem Angeklagten früh, sich kooperativ zu zeigen. Nach einer anderthalbstündigen Verfahrenspause sah es so aus, als ob der seit 2012 geschiedene Philipp S. diesen Rat befolgen würde: Er ließ seinen Verteidiger Marco Liell aus Trier ein Dokument verlesen, das den Tathergang aus seiner Sicht beschreibt, und gab sich reumütig. Lediglich die in der Anklage festgehaltene Zahl von zehn Fällen des Geschlechtsverkehrs wies er entschieden zurück: „Es waren vielleicht vier Mal.“ Auf die Mahnung von Richter Keimburg, das Gericht könne nicht „einfach ohne Weiteres mehrere Fälle des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern einstellen, ohne dazu Zeugen zu befragen“. revidierte der Angeklagte seine Aussage und gab die Zahl der sexuellen Kontakte mit sieben an.

    Neben der Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs war am heutigen Montag die Frage, ob sich Philipp S. über das tatsächliche Alter von Verena F. im Klaren war, der größte Streitpunkt. Er beteuerte mehrmals, den Aussagen des Opfers Glauben geschenkt zu haben, dass dieses bereits volljährig sei. Er habe sogar einen Ersatz für ihren angeblich zerstörten Ausweis besorgen wollen. Eine Verurteilung, egal ob diese wegen eines umfassenden Geständnisses milde ausfallen würde, schien Philipp S. kategorisch abzulehnen. „Sie geben die Taten zu, wollen aber nicht dafür bestraft werden“, hielt der Vorsitzende sichtlich genervt fest.

    Wegen der unkooperative Haltung des Angeklagten hat das Gericht seine Absicht, die Minderjährige nicht aussagen lassen, revidiert. Eigentlich sollte eine zusätzliche seelische Belastung von Verena F. durch eine Aussage vor Gericht verhindert werden. Dennoch muss die 13-Jährige, die laut Aussage des Verteidigers von Philipp S. bis heute mit einem falschen Alter in Online-Singlebörsen aktiv ist, am morgigen Dienstag vor der 1. Großen Jugendkammer des Landgerichts Trier aussagen. Die Anhörung findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, für den Rest des morgen fortzusetzenden Prozesses sind Zuschauer zugelassen. Im Falle eines umfassenden Geständnisses hätte Philipp K. mit einer Haftstrafe von mindestens drei Jahren rechnen müssen. Die spannende Frage ist, wie sein heutiges Verhalten im Trierer Landgericht auf das Strafmaß auswirken wird. (jow)

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