„Es war als hätten alle 100 Tage kein Essen bekommen“

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TRIER. Der Erstverkaufstag („Launch“) der Playstation 4 am „Black Friday“ sorgte in der vergangenen Woche auch in Trier für jede Menge Schlagzeilen. Im Kaufhof ging eine Glastür zu Bruch, Kristin Trautmann erlitt eine Rippenprellung. Die Triererin hatte versucht für ihren Sohn eine der begehrten Konsolen zu ergattern. Gegenüber lokalo.de äußerte sie sich zu dem Ausnahmezustand vor der Kaufhof-Filiale in der Simeonstraße.

Die Premiere eines neuen „Star-Wars-Films“, der Release eines neuen IPhones oder Karten für eine Kracher-Partie in der Fußball Bundesliga – es gibt viele Gründe, warum Menschen stundenlang vor der Eingangstür eines Gebäudes ausharren. Am 29. November kam die Playstation 4 von Sony offiziell in die Läden – und schon um 1 Uhr nachts bezogen die ersten Interessenten Stellung vor dem Haupteingang des Trierer Kaufhofs in der Simeonstraße. Das Ziel: Möglichst zuerst den Saturn im 3. Obergeschoss erreichen und auch als Nicht-Vorbesteller eine der Konsolen abgreifen.

Schon um 5 Uhr morgens bildeten Schlangen am Haupt- und am Seiteneingang in der Moselstraße. Nicht alle sind gekommen, weil sie derart heiß auf das Videospiel-System sind – einige wittern auch die Chance auf das schnelle Geld. Nennt man eine Konsole sein Eigen, so kann man nur nur Sekunden später fast das Doppelte des Einkaufspreises (399 Euro) verlangen. Beim amazon-Marketplace werden sogar Bundles (500 Euro) für bis zu 2000 Euro angeboten.

Kristin Trautmann aus Trier ist bei dem Wahnsinn mittendrin. „Als ich ankam standen 4er- und 5er-Reihen vor dem Haupteingang und dem Eingang Moselstraße. Mein Sohn wollte unbedingt eine Konsole und da ich jetzt schon da war, versuchte ich mein Glück.“ Trautmann platzierte sich vor dem Eingang in der Nähe der Eisdiele Calchera. „Da war so wenig Andrang, dass ich schon dachte, die öffnen hier gar nicht.“

Stattdessen öffnet sich ihre Tür sogar als erste – der Wettlauf beginnt. „Ich habe nur noch gehört wie einer ‚Wir sind die Ersten, rennt!‘ rief, und dann sprinteten wir alle los“, schildert sie ihre Eindrücke. Vom Haupteingang sieht die teilweise seit 1 Uhr wartende Menge, wie am anderen Eingang bereits die ersten Personen die Rolltreppen hocheilen. „Die sahen definitiv ihre Felle wegschwimmen – zumal wir erst alle nach neun Uhr ankamen. Das hat dazu beigetragen, dass die Leute aggressiv wurden und die Tür dann zu Bruch ging.“ Auf den Rolltreppen kommen die ersten Personen, meist Frauen, zu Fall. Ohne Rücksicht auf Verluste sprinten alle weiter, für Hilfestellungen ist keine Zeit. „Es war als hätten alle 100 Tage kein Essen bekommen und oben liegt eine Banane“, zieht die Fotografin einen bildhaften Vergleich.

Sie widerspricht vehement der Schilderung im Trierischen Volksfreund, der in seinem Bericht lediglich das Bersten des gläsernen Haupteingangs „durch den Druck der Menschenmenge“ erwähnt hatte. „Die Mitarbeiter waren total überfordert und es gab definitiv Verletzte. Eine Frau trug eine Platzwunde am Kopf davon. Ich habe mitbekommen, wie sie mit einem Mitarbeiter des Saturn redete, der ihr sogar Hilfe anbot. Sie wies darauf hin, dass sie nicht tätlich angegriffen worden war und durch die Glastür geflogen ist.“

Trautmann selbst hatte sogar eine Hand an einer Playstation 4, ehe ein Mitstreiter ihr mehrfach mit geballter Faust zunächst gegen den Arm und dann in die Rippen schlug. „Mit dieser Aggressivität rechnet man einfach nicht. Vor allem die ersten 20-30 Personen, die oben waren, haben das zu spüren bekommen. Es war wirklich ein Kampf.“ Ihr Arzt, bei dem sie an diesem Tag sowieso einen Termin hatte, diagnostizierte eine Rippenprellung. Warum sie den Übeltäter nicht anzeigte? „Das ging alles so schnell und irgendwie war ich es ja auch selber schuld. Außerdem bestand ja keine Lebensgefahr.“ Sie stellt jedoch auch klar, dass die uns zugetragene Information, nach der sie in ein Regal geschubst wurde, falsch sei. „Da ist definitiv nichts dran.“

Aus den diesjährigen Erfahrungen wird man bei Saturn wohl beim nächsten großen Launch-Day lernen. Die Konkurrenz machte es auch in diesem Jahr schon besser – und brachte die Situation schon im Voraus unter Kontrolle. Im Auchan in Luxemburg verteilte man Tickets an die wartenden Kunden – nur Personen mit Ticket bekamen am nächsten Morgen eine Konsole. Das Ergebnis: Ein entspannter Freitagmorgen. Beim SK GameNatiX, einem Spezialgeschäft für Computerspiele, bat man im Vorfeld darum, dass nur Vorbesteller, die eine E-Mail-Benachrichtigung bekamen, in den Laden kommen sollten. Auch hier: Keine Spur von Aggressivität durch gelungene Organisation.

Kristin Trautmann, die trotz ihrer Blessuren leer ausging, hat jedenfalls aus ihrer Erfahrung gelernt. „Ich werde nie wieder versuchen für meinen Sohn eine Playstation am Release-Tag zu besorgen.“ (red)

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1 KOMMENTAR

  1. Genau so war es !
    Die erste Schlagzeile die *passt* !
    Ich war auch einer der Ersten und es war katastrophal.
    Das mit der *Banane* kann ich nur bestätigen, vor allem weil sich einige tatsächlich wie Affen benommen haben.
    Ich glaube tatsächlich auch, das die Schlimmsten die waren, die das schnelle-Geld gesehen haben, im Wiederverkauf !
    Fazit, – auch für strahlende Kinderaugen an Weihnachten ist so ein *Kampf* echt verrückt, aber wir *Eltern* haben`s eben versuchen wollen, allerdings war es auch bei mir das letzte Mal !

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