Night of the Proms auf dem Weg nach Luxemburg

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KÖLN/LUXEMBURG. Nach 13 Veranstaltungen in Belgien (Antwerpen) und Holland (Rotterdam) hat die Deutschlandtour mit einem Doppelkonzert in der Lanxess-Arena in Köln am Freitag und Samstag begonnen. Zu diesem Teil der Tournee zählt auch Luxemburg, wo das erfolgreichste Tourneeprojekt der Welt am kommenden Dienstag, den 10. Dezember, in der „Coque“ Station macht.

Kenner der Night oft the Proms, im Veranstalterjargon nur „NOTP“ genannt, wird es kaum überraschen: Beide Konzerte in der immer noch besser als Köln Arena bekannten Veranstaltungshalle der Rheinmetropole waren ausverkauft. Insgesamt 25 000 Besucher bejubelten den Auftritt der Stars aus Klassik, Pop und Rock beim Auftakt der 20. Tour durch Deutschland. Nun rollt der Tourbus mit seinem in 15 Trucks verstauten Equipment über einige Zwischenstationen in Richtung Luxemburg.

Beim Start der Reise durch Deutschland und Luxemburg war lokalo mit von der Partie. Die mehr als dreistündige Show, wurde dem von Moderator Uwe Bahn noch einmal in Erinnerung gerufenen Ur-Gedanken „Pop trifft Klassik“ absolut gerecht – man hätte „Jazz“, propagiert von der geradezu unglaublichen Pianistin japanischen Pianistin Hiromi – noch hinzufügen können.

Die Zutaten waren wie immer erstklassig. Das großartige Sinfonie-Orchester „Il Novecento“ und der Chor „Fine Fleur“ unter der Leitung von Robert Groslot und die Electric Band. Dazu eine überwältigende Light-Show und als Fixpunkt der Solisten der unvergleichliche John Miles, der in seiner Pop-Hymne „Music“, der frühesten Mischung aus Pop und klassischer Musik, die Intention der Macher dieses immer noch innovativen Events vorweg genommen hat.

Als erste der Weltklasse-Solistinnen betrat Hiromi die Bühne. Das japanische Wunderkind des „Jazz-Fusion-Rock“ zeigte auf denkwürdige Weise, was der Begriff Virtuosität bedeutet. Hiromi Uehara, wie die 34-Jährige mit vollem Namen heißt, vollführte einen regelrechten Tanz auf den Tasten, der beim Publikum erst Staunen, dann Kopfschütteln und schließlich enthusiastische Begeisterung hervorrief. Voller Energie, scheinbar randvoll mit Adrenalin, sorgte sie ebenso für pures Gänsehautfeeling und ungebremsten Bewegungsdrall bei den Zuhörern.

Bei der Interpretation von George Gershwins „Rhapsody in Blue“, ihrem zweiten Auftritt an diesem Abend, prophezeite der Moderator Ungewöhnliches: „Es wird spannend sein, zu erleben, wie das Orchester bei dieser freien Gershwin-Fassung der Vorgabe der Noten hinterherhetzt.“ Nach dem letzten Akkord raste das Publikum. Einmalig! Eine neben uns sitzende Dame brachte die Dimension dieser Leistung auf den Punkt: „Ich spiele selbst Klavier. Ich glaube, ich höre jetzt auf, nachdem ich das erlebt habe.“

Welcher „Prom“ würde folgen? Es war wieder an TV- und NOTP-Moderator Uwe Bahn, die volle Aufmerksamkeit der Besucher auf den nächsten Act zu lenken. Er verteilte mit launigen Kommentaren Haargel an einige Herren, auch an einen, der offensichtlich „mangels Masse“ damit nichts mehr anfangen kann. „Sie müssen jetzt ein bisschen aussehen, wie Elvis.“ Damit war klar: es ist Zeit für den Auftritt der „Baseballs“ – einer deutschen Band – bestehend aus den drei Rock’n’Roll-Begeisterten Sam, Digger und Basti. Ihre Liebe zur Musik und dem Lebensgefühl der 50er und 60er Jahre prägt die private und musikalische Verbindung der drei Jungs, die dieses Jahr bereits in Russland und Australien auf der Bühne standen. Bei der „Night of the Proms“ sorgten sie für Hüftschwünge und viel Begeisterung im Publikum.

Weiter ging es mit Popstar Amy Macdonald , die mit ihrer Akustik-Gitarre in der Hand die Bühne betrat. Die 26-jährige Musikerin aus Schottland, die in den letzten Jahren mehr als fünf Millionen Alben verkauft und zudem noch viele Preise abgeräumt hat, präsentierte unter anderem ihre zwei bekanntesten Songs „This Is The Life“ und „Mr. Rock’n’Roll“. Mit der voluminösen Begleitung von „Il Novecento“ als Unterstützung erhob sich das Publikum schon nach wenigen Klängen von den Plätzen und stand bis zum Ende ihres Auftritts, den es mit rhythmischem Klatschen begleitete.

Nach einer halbstündigen Pause erschien ein gut gelaunter Mark King auf der Bühne, der bis heute als einer der besten und schnellsten Bassisten des Popbusiness gilt. Funk gepaart mit Klassik – der „Level 42“-Star bewies, dass diese Kombination perfekt harmoniert. Als King kam, war der Funke längst von der Bühne auf die Ränge der Arena übergesprungen. Selbst im Innenraum, dessen Plätze übrigens schon für die Veranstaltungen der kommenden NOTP verkauft sind, obwohl noch niemand das Programm kennt, hielt es niemand mehr auf den gepolsterten Stühlen. 

Es folgte der am meisten umjubelte Auftritt des Abends. Ein wirkliches Mitglied der „Proms-Familie“, eine Legende der Pop-Musik trat auf die Bühne: John Miles! Sein weltbekannter Song „Music (Was My First Love)“ verkörpert wie kein anderer die Philosophie des Events, bei dem die Liebe zur Musik im  Vordergrund steht. Als er sich an seinen weißen Flügel setzte, konnte man eine Stecknadel fallen hören. Mit dem Intro machte sich fast ehrfürchtige Konzentration breit. Die Stimme des 67-jährigen Engländers ist noch so klar und rein wie 1976, als er diesen Welthit aus der Taufe gehoben hat.

Der Norweger Morten Harket beendete die Parade der Solisten. Der „a-ha“-Frontmann brachte die Zuschauer ein letztes Mal zum Tanzen, als er Hits wie „The Sun Always Shines On TV“ oder „The Living Daylights“ zum Besten gab.

Zum traditionellen Abschluss mit dem Beatles-Song „Hey Jude“ kamen alle Solisten noch einmal auf die Bühne. Illuminiert von unzähligen Smartphones und LED-Lichtern performten sie die überlange Version dieser Ballade, bei der jeder einzelne noch einmal eine Kostprobe seines Könnens geben durfte, und auch wollte, markierte den stimmungsvollen Schlussakt der Night of the Proms in Köln.

Ein großartiger Abend, der wie immer den Bogen von Klassik bis Pop in Perfektion spannte. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge verließ das begeisterte Publikum schließlich – angeregt diskutierend oder in sich versunken vor sich hin summend, die Lanxess-Arena. Und plante schon den Besuch der „Night of the Proms“ 2014. Viele erstanden schon unmittelbar nach dem Konzert die Tickets für 2014. Die Fans dieser unvergleichlichen Veranstaltung aus unserer Region müssen nicht so lange warten. Am Dienstag, den 10. Dezember (20 Uhr) gastiert die „Proms-Family“ in der Coque in Luxemburg. Laura Dolfen/Willi Rausch

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