Pelz ist wieder „in“

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    TRIER. In der Fußgängerzone sieht man immer öfter junge Leute, die wieder Pelz-Accessoires tragen. Mal klein und dezent als Kragenbesatz, mal an den Schuhen, hier und da Ohrenwärmer. Das schmückende Beiwerk, das sich in den vergangenen Jahren fast ausschließlich auf Produkte aus künstlichem Pelz beschränkte, wird zunehmend häufiger aus Naturprodukten hergestellt.

    Topmodel Naomi Campbell posiert fast 10 Jahre nach ihrem „Nacktprotest“ (Anm. d. Red.: Fotoaktion „Lieber nackt als Pelz“) in einer Echtpelzstola. Auch bei der Bambi-Verleihung vor wenigen Tagen trugen etliche Promis Pelzmode.  Melanie (21 Jahre) aus Trier: „Pelze sind schön und ich finde es prinzipiell auch nicht verwerflich, sie zu tragen. Die Frage ist nur, wie der Pelz produziert wurde. Wenn man was gegen Pelzmode hat, dann muss man auch auf Leder verzichten.“

    In der Tat ist es oft ein Irrglaube, dass das Leder immer von ohnehin geschlachteten Kühen stammt, also „nur“ aus der Gesamtverwertung der Tiere stammt. Mastkühe sind für die Ledergewinnung nicht immer geeignet, da das Leder „Schwangerschaftsstreifen“ aufgrund der schnellen Gewichtszunahme hat. Wen beim Kauf von Leder das Gewissen plagt, der sollte sich auch Gedanken um sein Frühstücksei machen oder um das „Nesquik“ dessen Grundstoff, die Kakaobohnen, in Afrika häufig von Kindern geerntet werden. Oder über das Grillhähnchen, das sicherlich auch nicht auf dem Bauernhof groß geworden ist. Aber, wenn es auf dem Teller liegt, sieht man ja nicht mehr, wie es „groß geworden“ ist. Und – das Grillhähnchen ist ja bei Weitem nicht so putzig wie eines der Pelztiere.

    Mindestens genauso problematisch wie die Pelzgewinnung – die „Lieferanten“ werden nach einem Leben in Gefangenschaft in der Regel vergast – sind die Bedingungen für die Arbeiter, die für die Gerbung zuständig sind. In Indien und auch anderswo in „Dritte-Welt-Ländern“ wird hierzu das hochgiftige Chrom III verwendet (Anm. d. Red.: Gerbung mit Chromsalzen), weil es viel preiswerter ist als die Bioalternative mit pflanzlichen Stoffen. Die Arbeiter stehen barfuß in der giftigen Brühe, die anschließend ins Grundwasser sickert.

    Der Pelz ist wieder auf dem Vormarsch und vor allen Dingen bei jungen Leuten. Das Klischee von der feinen Dame im Pelz stimmt nicht mehr. Guido Adrian aus Köln, einer der wenigen, die noch den Beruf des Kürschners (Pelzschneider) ausüben, bekommt zunehmend Aufträge, Mode mit Pelzbesätzen von ausrangierten Pelzmänteln, die Oma einst trug, zu versehen.

    Die Industrie orientiert sich an der Nachfrage. Er kommt schleichend wieder, aber er kommt – der Pelz. Ein Modehaus in Schleiden in der Eifel hat Mützen mit Echtpelzbommeln mit dem Kommentar zurück geschickt: „So was wollen wir hier nicht.“ So geht es auch. Bleibt zu hoffen, dass sich viele dieser klaren Verweigerungshaltung anschließen. Harry Fröhlich

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    1 KOMMENTAR

    1. Nerzfarm:
      Ein Drahtkäfig mit einer durchschnittlichen Bodenfläche von 30 mal 90 Zentimetern ist das Gefängnis der Nerze, ein stinkender Brei aus Fisch‑ und Schlachthofabfällen ihr Futter. In Freiheit ist ihr Revier bis zu 20 Quadratkilometer groß. Hier leben sie ohne Wasser, obwohl das das Lebenselement frei lebender Nerze ist. Selbstverstümmelung gehört bei dieser Lebensweise dazu. Sieben Monate in dieser Enge auf den qualvollen Erstickungstod zu warten, ist ihr einziger Lebenszweck. Dann werden sie getötet. »Ernte« nennt man diesen Gewaltakt in der Pelzbranche…

    2. Selbstgerechtigkeit:
      Vielen Dank für diesen weniger einseitigen Artikel zum Thema Pelz.
      Die Selbstgerechtigkeit vieler Menschen die Pelze ablehnen fällt mir immer wieder unangenehm auf. Über 90% der Deutschen essen regelmäßig Fleisch und tragen Lederwaren und finden nichts dabei. Als Argument hört man immer: „Die werden ja auch gegessen.“ (Gerne auch von dem wirklich sympathischen Modedesigner Guido Maria Kretschmer.)
      Dieses entspricht sicherlich den Tatsachen, aber ist das Schlachten und Essen von Tieren auch notwendig.
      In unserem Land ist Fleisch für die Ernährung ebenso wichtig, wie Pelz zum Wärmen. Wenn ich meinen Hunger stillen will, habe ich ein schier unüberschaubares Angebot an vegetarischen Nahrungsmitteln. Der wahre Grund warum viele Menschen Fleisch essen liegt darin, dass es ihnen schmeckt!
      Das Töten der Tiere „zum Essen“ ist also kein notwendiges Übel, sondern eine reine Befriedigung der Sinne.
      Möchte ich hier den Moralapostel spielen?
      Nein, ich esse Fleisch, trage Leder und Fell und finde es okay.
      Mir nerven nur die zahlreichen Menschen die jeden Tag Fleisch aus Massentierhaltung essen, Autositze aus Leder bestellen und wenn sie dann zu Pelz befragt werden, diesen mit großer Empörung ablehnen.
      Ob man Pelze mag oder nicht, die wenigsten werden bestreiten können, dass Pelz angenehm wärmt, sich wunderschön anfühlt und im Gegensatz zu diesem Sondermüllplastikpelz toll aussieht.
      Somit dient auch Pelz letztlich einer Befriedigung der Sinne, nur halt nicht geschmacklich sondern optisch und gefühlt.
      Und den vielen Tierschützern, die auf alle diese Produkte aus ethischen Gründen verzichten, möchte ich sagen:
      „Ich finde Eure ethische Grundeinstellung wirklich lobenswert, nur berechtigt sie Euch nicht, anderen Menschen Eure Lebensphilosophie aufzuzwingen!“
      Ich persönlich freue mich über jede selbstbewusste Frau, die mit Überzeugung trägt was ihr gefällt und sich nicht von dieser verlogenen politischen Korrektheit abhalten lässt.

      Und meiner Vorkommentatorin sei gesagt, dass die Nerzkäfige somit die Größe haben, in der mehrere zigtausend Kleintiere in Deutschen Kinderzimmern ihr Dasein fristen, um mit etwas Glück täglich für 20 Minuten gestreichelt zu werden, bis sie verenden. Aber dass bezeichnet man hierzulande ja als niedliche Tierliebe.

      Thilo

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