„Macher, Ideenfinder, Netzwerker“

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TRIER. Nachdem Oberbürgermeister Klaus Jensen am gestrigen Tage erklärte, nicht für eine erneute Amtszeit kandidieren zu wollen, war am Abend bereits medial über eine Kandidatur des ehemaligen Leiters der Trierer Arbeitsagentur, Wolfram Leibe, spekuliert worden. Auf der heutigen Pressekonferenz im Café Steipe stellte SPD-Chef Sven Teuber den 53-jährigen Juristen offiziell vor.

Die Örtlichkeit hatten die Parteioberen bewusst ausgewählt, schließlich diente das Steipe am Hauptmarkt bis in das 18. Jahrhundert hinein als Rathaus der Stadt. Die Stimmung  war gelöst und freundlich, als der Trierer SPD-Vorsitzende Teuber den Mann vorstellte, der nach dem Willen der Sozialdemokraten die Nachfolge von Klaus Jensen  antreten soll.  

 

„Wir hatten Wolfram Leibe schon länger auf dem Schirm, er ist durch seine Tätigkeiten ein über die Parteigrenzen hinaus geschätzter Mann.“

In der Tat ist der studierte Volljurist in der Moselstadt kein Unbekannter:      Von 2008 bis 2012 leitete er die Agentur für Arbeit, ehe er Anfang 2013 die Geschäftsführung der baden-württembergischen Regionaldirektion der Agentur für Arbeit in Stuttgart  übernahm. Seitdem ist der geborene Süd-Badener gezwungen, zwischen seiner Wahl-Heimat Trier und dem Arbeitsplatz in Stuttgart zu pendeln.

Einstimmig hatten ihn Vorstand und Ausschuss zum Spitzenkandidaten gekürt, bei rund 60 involvierten Personen ein eindrucksvolles Ergebnis. „Wolfram ist der richtige Mann, zur richtigen Zeit, am richtigen Ort“, konstatierte Teuber am Ende seiner Einleitung über die Vita des erst kurz vor der Bundestagswahl in die SPD eingetretenen Leibe. Er habe zwar immer seine persönlichen Grundüberzeugungen gehabt, aufgrund seiner beruflichen Tätigkeiten wollte er jedoch politische Neutralität wahren, begründete der in Grießheim Geborene diesen späten Eintritt in die Sozialdemokratie.

Vor rund sechs Wochen sei dann der Anruf gekommen, in welchem er aus „einem spontanen Moment heraus“ die Frage, ob er sich die Kandidatur vorstellen könne, bejaht habe. Danach folgten  viele Gespräche mit seiner Familie und der Partei, an deren Ende er sich sicher war, den richtigen Schritt getan zu haben.

 

„Ich habe extra meinen chiquen Anzug aus Stuttgart mitgenommen.“

Was die Bürgerinnen und Bürger der Stadt von einem Oberbürgermeister Leibe erwarten können, beantwortete der Kandidat dann selbst: Er habe sich während seiner beruflichen Laufbahn sowohl als Mediator und Politikberater fungiert, als auch in den leitenden Positionen Erfahrung in Verwaltungs- und Haushaltsfragen gesammelt. Ein OB müsse Macher, Netzwerker, Ideengeber, Verwalter und Repräsentant der Bürger sein, so Leibe weiter. All dies würde er sich zutrauen, lediglich Erfahrungen als Aktiver in der Kommunalpolitik konnte er bisher nicht sammeln.  Wichtige Themen in Trier seien vor allem Wirtschaft, Bildung und Wohnen, als OB will Leibe im Besonderen kleine und mittelständische Betriebe stärken. Auch neue Akzente im öffentlichen Nahverkehr gehören zu seinem Programmportfolio.

 

Ideen und Realitäten

Beruflich bedingt käme er viel herum, sowohl innerhalb als auch außerhalb der Bundesrepublik. „Oft nutze ich den Aufenthalt in einer anderen Stadt und halte die Augen nach neuen Ideen offen, die auch für unsere Stadt von Nutzen wären.“, führte der Vater einer 14-jährigen Tochter weiter aus. Gerade ihm als Verwalter sei jedoch bewusst, dass Ideen sich immer an den finanziellen Realitäten messen lassen müssen, was aber nicht dazu führen dürfe, sinnvolles gleich zu verwerfen. Auch müsse in der haushaltspolitisch angespannten Lage der Stadtvorstand „in die gleiche Richtung gehen“.  

 

„Kultur, Reisen, Essen gehen“

Der Privatmann Leibe wohnt mit seiner Frau und der 14-jährigen Tochter in Trier, sieht deshalb auch seinen Lebensmittelpunkt in der Moselmetropole, obgleich sein Beruf ihn zum Pendeln in die baden-württembergische Landeshauptstadt zwingt:  „Meine Frau hat hier als Professorin an der Universität Trier ihren beruflichen Mittelpunkt, meinen Tochter besucht das Gymnasium. Für uns war schnell klar, dass wir hier unsere Heimat gefunden haben. Sich gemeinsam mit anderen daher für eine lebenswerte Zukunft für die Menschen in dieser wunderschönen Stadt einzusetzen, erscheint für mich somit nur konsequent“. Privat würde er sich für Kultur, Reisen und gutes Essen begeistern können, gerne zusammen mit der Familie und Freunden.

Seinen beruflichen Pflichten will Leibe jedoch vorerst nicht ruhen lassen, er habe sich lediglich den Freitag für Termine „blockiert, um ggf. am Donnerstagabend für Wahlkampfveranstaltungen in Trier zu sein“.  Ein Schritt, den der studierte Jurist als logisch ansieht, schließlich habe er in seiner Position als Geschäftsführer der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit viele wichtige Projekte angestoßen und will diese gewissenhaft fortführen.

Da die bisherigen Rückmeldungen aus der Partei durchweg positiv gewesen seien, ist das Procedere für SPD-Chef Teuber klar: Anfang des nächsten Jahres wird ein Parteitag die Nominierung offiziell bestätigen. Leibe ist froh über das Vertrauen der hiesigen Parteikollegen und schließt seine Vorstellung mit der Ankündigung,  dass „wir uns nun gemeinsam aufstellen, um das Jahr 2014 zu einem sehr erfolgreichen für die Trierer Sozialdemokratie werden zu lassen“. (ros)

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