„Mein Mandant ist kein Ultra“

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    TRIER. Zwei zu den Tatzeitpunkten noch dem Jugendstrafrecht unterliegende Angeklagte, waren vor dem Amtsgericht Trier wegen Körperverletzung angeklagt. Die inzwischen 21 Jahre alten Täter kamen wegen ihrer glaubhaften Reue, der Entschuldigung beim Opfer und der günstigen Sozialprognose glimpflich davon.

    Ein Kernsatz bei den Plädoyers war der von Rechtsanwalt Dr. Manfred Ammer: „Mein Mandant ist kein Ultra.“ Gemeint war damit Fabian H, dessen Verteidigung Ammer gemeinsam mit Sven Collet übernommen hatte. Damit ist auch schon klar, welchem Umfeld die zumindest zum Tatzeitpunkt am 3. Dezember 2011 wohl noch miteinander befreundeten Fabian H. und Kai R. zuzuordnen sind oder waren – den gewaltbereiten Fußballfans. Schnell wurde während der Verhandlung klar, sich Kai nach dem ersten Vorfall, der vollzogenen schweren Körperverletzung gegenüber Monzef T., aus diesem Dunstkreis verabschiedet hatte.

    Monzef war damals, nach einem Spiel der Trierer Eintracht gegen den SSV Ulm, am Boden liegend, bei einem provozierten Gewaltakt in der Jakobstraße ins Gesicht getreten worden und hatte dabei mehrere Verletzungen, darunter die Fraktur von zwei Schneidezähnen erlitten. R., der inzwischen eine Lehre als Elektroniker im Fachbereich Betriebstechnik abgeschlossen hat und in einem festen Arbeitsverhältnis steht, hat sich ganz von der Fußballszene abgewandt: „Seit einem Jahr, seit ich mit meiner Freundin zusammen bin.“

    Er entschuldigte sich auch für seine Tat und bot sofort an, Schmerzensgeld an das Opfer zahlen zu wollen. Seine Verfahren wurde schnell abgekoppelt und war nach der von seinem Verteidiger Otmar Schaffarczyk verlesenen Erklärung auch nach kurzer Zeit beendet. Wenn der junge Mann die angebotenen 500 Euro Schmerzensgeld innerhalb von zwei Monaten zahlt, ist das Strafverfahren endgültig beendet, „ohne einen Eintrag ins Strafregister“, wie die Vorsitzende Richterin Iris Scholten betonte. Damit war auch Oberstaatsanwalt Ingo Hromada einverstanden. Der Ankläger gab zu: „Als ich eben auf dem Weg zur Verhandlung war, habe ich ein schwieriges Verfahren und zwei junge Männer erwartet, die sich hier anders präsentieren. Und ich war mir sicher, dass es ohne Haftstrafe nicht abgehen würde. “ Er nutzte sei Plädoyer auch gleich zu einem kleinen Exkurs in die gewaltbereite Fußballszene und mahnte dabei auch die Behörden und die Vereine, sich dieses Problems ernsthaft anzunehmen.

    Wohin die Verwurzelung in dieser Parallelwelt führen kann, zeigte sich mehr als bei R. bei Fabian H. Der hatte sich auch wegen zwei weiterer Straftaten zu verantworten. Eine davon gegen einen Fan aus Ulm, die zweite wegen des Zündens von Pyrotechnik und anschließender Körperverletzung gegen einen Polizeibeamten bei einem Eintracht-Spiel in Wuppertal im April 2012. Aber auch er bekannte sich in allen Anklagepunkte für schuldig, zeigte glaubhafte Reue und bot ebenfalls Schmerzensgeld an.

    Für ihn sprach nicht zuletzt seine Vorgeschichte. Wie sein (ehemaliger) Kumpel war auch er nicht vorbestraft und hatte ein schwieriges Zuhause, wegen seines aggressiven Vaters, von dem sich die Mutter irgendwann getrennt hatte. Nach dem Rauswurf durch seine Mutter und dessen Lebensgefährten, fehlt ihm ein wichtiger Anker. Die Prüfung zum Bankkaufmann hat er im ersten Anlauf nicht bestanden, weil er ein halbes Jahr schulunfähig war. Alle am Prozess Beteiligten waren sich einig, dass ihm eine „Reifeverzögerung“ zu attestieren ist und er daher nach Jugendstrafrecht zu verurteilen ist. Nachteilig wirkten sich aber die Anzahl der Straftaten und die unzweifelhafte Gewaltbereitschaft aus. Seit rund einem Jahr ist Fabian aber straffrei geblieben und paukt, um die Prüfung im zweiten Anlauf zu bestehen.

    Bei ihm fällt die Strafe allerdings empfindlicher aus. Er wird auf Anraten der Starthilfe Trier einen Freizeitarrest antreten und dabei auf ein Anti-Gewalt-Training (AGT) vorbereitet. Zudem muss auch er – obwohl derzeit arbeitslos und von Hartz IV lebend – 500 Euro Schmerzensgeld an T. und noch 200 Euro an den Polizisten aus Wuppertal zahlen, dazu kommen die Kosten, die durch die Nebenklage entstanden sind.  Collet hatte beantragt den Antrag des Polizisten auf „Adhäsion“ zurückzuweisen und zu bedenken gegeben, dass manche Eskalation auch auf die fehlende Zurücknahme von Beamten beruhe. Letztlich kamen beide Angeklagten, auch H. glimpflich davon, was sich auch an seiner Mimik ablesen ließ, die Erleichterung ausdrückte. Die Angeklagten, die Verteidiger und Oberstaatsanwalt Hromada bestätigten gegenüber Richterin Scholten, das Urteil zu akzeptieren, das damit rechtskräftig ist.

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