Spuren der Vergangenheit in den Moselauen

0

TRIER. Vier Jahre lang, von 2010 bis 2013, haben Archäologen im Rahmen der „Ausgleichsmaßnahme Moselschleuse“ gegraben. Und dabei haben sie auf dem etwa sieben Hektar (knapp zehn Fußballfelder) großen Gelände ein umfangreiches Gräberfeld entdeckt.

Dr. Hans Nortmann, Leiter der Direktion Landesarchäologie, hat bei einer Pressekonferenz im Rheinischen Landesmuseum in Trier die Ergebnisse der Arbeit vorgestellt und auch die Vorgehensweise der Wissenschaftler beschrieben.

„Archäologen arbeiten nicht nur mit dem Pinsel“, erklärte er. Denn bevor wirklich wissenschaftlich wertvolle Dinge zu Tage kamen, musste die Oberfläche in dem Gebiet in der Nähe des Yachthafens  erst einmal mit dem Bagger abgetragen werden.

Bei der tiefergehenden Arbeit entdeckten die Archäologen dann Spuren von beweglichen Klein-Siedlungen, erzählt Nortmann. „Dunkle Löcher sind der Traum eines Archäologen“, sagt der Wissenschaftler weiter. Denn in dem Gebiet an der Mosel zeugen diese dunklen Löcher von den Häusern, die dort einmal standen. Da gibt es zum Beispiel sechs dunkle Löcher, die nebeneinander angeordnet sind wie eine Sechs auf dem Würfel. Dies sind Spuren eines Hauses, das auf sechs Pfosten errichtet wurde. Sie geben Zeugnis von Siedlungstätigkeiten der Bronze- und Eisenzeit (ein Jahrtausend vor Christus) und bieten damit auch ein Zeugnis vom Siedlungsgeschehen im Moseltal.

Zu den Häusern gehörte meist auch ein Getreidesilo. Auch davon haben die Wissenschaftler Spuren gefunden. Häufig wurden diese, wenn sie nicht mehr gebraucht wurden, mit Abfall verfüllt. Auch davon haben die Archäologen Spuren in dem Gebiet nahe der Mosel gefunden.

Das Wichtigste ist aber, wie Nortmann erklärt, das Gräberfeld. Es existierte etwa von 17 vor bis etwa 400 nach Christus, also in der Zeit der römischen Epoche in Trier. Es handelt sich dabei um etwa 200 Gräber. Zunächst waren es laut Nortmann nur Brandgräber, also Feuerbestattungen. Später wurden auch Körper begraben. Die Zahl von nur etwa 200 Grabstätten in einem Zeitraum von rund 400 Jahren lässt auf eine sehr kleine Siedlung schließen – etwa drei Kilometer vor den Toren von Trier.

Gefunden wurden neben einfachen Gräbern auch solche, in denen Grabbeigaben auf Reichtum der Toten schließen lassen.

Obwohl die Grabungen jetzt beendet sind, geht die Arbeit für die Archäologen  weiter. Denn alle Funde werden jetzt noch genau ausgewertet, um noch mehr über die Menschen in der damaligen Zeit zu erfahren.

Teile der Ausgrabungen sind derzeit im Rheinischen Landesmuseum zu sehen.

Finanziert wurden die 400 000 Euro teuren Ausgrabungen jeweils zur Hälfte von der Stadt Trier und dem Wasser- und Schiffahrtsamt. Die Fläche, auf der hier gegraben wurde, ist eine Ausgleichsfläche als Kompensation für den Landschaftsverbrauch durch die Erweiterung der Moselschleuse. Die  Ausweisung von Ausgleichsflächen ist im Planungsrecht  Vorschrift. Da bei der betroffenen Stelle der Fund von Scherben auf archäologisch interessante Entdeckungen schließen ließ, kam es zu dem Grabungsprojekt, bevor das Gebiet naturnah umgestaltet wird. Angelika Dehne

Jetzt lokalo liken und alle aktuellen News rund um Trier und die Region, inklusive Luxemburg, sofort sehen und KOSTENLOS lesen

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Die Redaktion behält sich vor, Lesermeinungen zu kürzen. Es besteht kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihrer zugesandten Meinungen. Klarname ist nicht erforderlich. Eine E-Mail-Adresse muss angegeben werden, wird aber nicht veröffentlicht.