Film der Woche: Alphabet

0

TRIER. Im Broadway Filmtheater in Trier läuft seit dem 07.11.2013 der Dokumentationsfilm  “Alphabet“ von dem österreichischen Regisseur Erwin Wagenhofer. In seinem neuesten Streifen nimmt der Österreicher das heutige Bildungssystem unter die Lupe und versucht herauszuarbeiten, ob es den Kindern in ihrer Entwicklung eher nützlich oder schädlich ist. Eine Hypothese ist, dass das vermittelte Schulwissen die Kinder davon abhält, selbstständig zu denken und ihre Kreativität auszuleben. 

Inhalt

Die großen Namen aus Wirtschaft und Politik haben nahezu alle die besten Schulen und Universitäten besucht. Sie haben sich eine Menge Faktenwissen angeeignet, doch bei schwierigen Situationen, die die Allgemeinbevölkerung betreffen, haben sie meist keine Lösung parat. Ist das heutige Bildungssystem mit daran schuld, dass viele Menschen unzufrieden sind und oftmals unreflektiert ihrem festgefahrenen Tagesablauf nachgehen? Erzieht es die Kinder dazu, gut und gesellschaftlich erwünscht zu funktioniert, statt selbstständig und kreativ zu denken? Dieser Frage geht der bekannte österreichische Dokumentarfilmer Erwin Wagenhofer mit seinem neuesten Streifen auf den Grund.

Kritik

Nach seinen erfolgreichen Dokumentationsfilmen zu den Themen “Agrarindustrie“ (We feed the world) und “Finanzbranche“ (Let´s make money) legt Wagenhofer den Fokus nun auf das Bildungssystem. Der Film beginnt in China. Dort herrscht bereits in den Schulen ein immenser Leistungsdruck, dem viele Kinder nur unzureichend gewachsen sind. Hinzu kommt der Drill von Lehrern, den eigenen Eltern und der Gesellschaft im Allgemeinen. Das Ergebnis: China brachte in den letzten Jahren eine riesige Nachhilfeindustrie hervor. “Die meisten Menschen denken, dass Kinder nicht bereits an der Startlinie verlieren dürfen. In der heutigen Zeit ist eine adäquate Bildung der Schlüssel zu einem guten Lebenm zumindest, was das Materielle betrifft“, so der chinesische Pädagoge Yang Danping. Dieses Zitat verdeutlicht die Situation in mittlerweile sehr vielen Staaten der Erde.

Die Motivation zum Film schöpfte Wagenhofer aus einer “tiefen Unzufriedenheit“ was den heutigen Ist-Zustand angeht. “Ich hatte nicht vor verschiedene Bildungssysteme vergleichen oder gar bewerten zu wollen. Vielmehr wollte ich Menschen auf eine Reise in die verwinkelten Ecken unseres heutigen Bildungssystems einladen, um, im besten Falle, ein nachhaltiges Bewusstsein für aktuelle Probleme und zukünftige Möglichkeiten zu schaffen“, so der Regisseur.

Schlussendlich ist es Wagenhofer einmal mehr gelungen, einen guten und informativen Dokumentationsfilm zu drehen. Ohne mit dem Finger auf jemanden zu zeigen, stellt der Regisseur das heutige Bildungssystem mit all seinen Schwächen transparent dar. Wer sich schon immer für das Thema Bildung und die menschliche Entwicklung (und deren mögliche Interaktionen) interessiert hat, sollte den Film nicht verpassen. (tw)

1 KOMMENTAR

  1. Als Mutter von gleich zwei Kindern die als hochbegabt (mit extrem hohem IQ) getestet worden sind koennte ich einiges zu diesem Thema sagen.Interessanter Film dessen Thesen von mir absolut nachvollziehbar sind weil wahrheitsentsprechend.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Die Redaktion behält sich vor, Lesermeinungen zu kürzen. Es besteht kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihrer zugesandten Meinungen. Klarname ist nicht erforderlich. Eine E-Mail-Adresse muss angegeben werden, wird aber nicht veröffentlicht.