Im Fokus: Keine Hühnerqual im Kylltal

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Seit 2009 ist die Käfighaltung von Legehennen in Deutschland verboten. Aber nicht der Konsument hat dies durch den Boykott von Eiern aus Legebatterien am Markt gelöst, sondern der Gesetzgeber.

Es ist ja auch nicht so einfach. Nahezu jeden Tag schreit ein neuer Missstand nach der Änderung des Konsumverhaltens. Nun, da die holländische Holding im beschaulichen Kylltal 330 000 Hühner ansiedeln will, machen die Bürger mobil. Verständlich, wo doch gerade die Eifel mit ihrer „Regionalmarke“ alles daran setzt, nachhaltige Landwirtschaft und Qualität zu sichern.

Der Deutsche verzehrt im Schnitt pro Kopf 220 Eier im Jahr. Das sind insgesamt über 17 Milliarden Eier. Dabei kommt nur ca. die Hälfte dieser gewaltigen Menge als Frischei zu uns nach Hause. Der andere Teil wird in Teigwaren, Nudeln etc. verbraucht. Ist ein Ei verarbeitet, besteht keine Kennzeichnungspflicht mehr auf der Verpackung. Darunter fallen auch die bunten gekochten „Oster- oder Frühstückseier“, die wir ganzjährig im Supermarkt finden.

Deutschland versorgt sich zu ca. 68% selbst mit Eiern. Der Rest wird importiert. Um unseren Eierbedarf zu decken müssten wir ca. 65 Mio. Legehennen halten. Zurzeit gibt es in Deutschland ca. 44 Mio. Multipliziert man nun die gesetzlich vorgegebene Mindestfläche bei Freilandhaltung von 4 qm/pro Huhn wird einem die Dimension klar.

Die Farm im Kylltal hätte gerade mal 10% des Eierbedarfs von Rheinland Pfalz erzeugt. Eine Lösung wäre es, generell den Eierkonsum zu senken. Dass der stetig steigende Cholesterinspiegel der Deutschen mit dem Eierkonsum in Verbindung steht, darüber streiten zwar die Wissenschaftler – dennoch klingt die Parallelität plausibel.

Den wenigsten ist bewusst, wie man selbst als Konsument Einfluss auf die Nahrungsmittelindustrie nehmen kann, denn diese richtet sich unmittelbar nach unserem Konsumverhalten, wie die Verkaufszahlen zeigen. Rund zwei Drittel der Eier kommen aus Bodenhaltung, auf Platz zwei ist liegen Eier aus Freilandhaltung und mit gerade noch 7% auf dem letzten Platz folgen Bio-Eier. Ein bis zwei Eier weniger konsumieren und dafür Bio-Eier kaufen, würde im Geldbeutel nichts ausmachen.

Aber die Konsequenz in der Änderung des Verhaltens durchzusetzen, die einer Empörung folgen sollte, ist nicht einfach. Nehmen wir beispielsweise den Nahrungsmittelriesen Nestlé, der immer wieder mit neuen Skandalen auf sich aufmerksam macht. So groß die Empörung auch ist, dass bei der Kakaoernte in Afrika Kinder wie Sklaven behandelt werden, um Kakaobohnen zu ernten die schlussendlich im Nesquik landen oder dass der Konzern eine Wasserquelle in Afrika belegt während der in der Nähe liegende Slum kein sauberes Trinkwasser hat. So zieht der Verbraucher nicht die Konsequenz des Boykotts solcher Konzerne. Es ist auch nicht so einfach. Wer einmal recherchiert, welche Produktkette hinter Nestlé steht, wird feststellen, dass er beim Boykott dieses Konzerns zunächst einmal den halben Kühlschrank ausräumen müsste. Solange wir Äpfel aus Neuseeland kaufen, während in der Südeifel der Überschuss an Äpfeln die Straße herabrollt und vom fließenden Verkehr zu Apfelmus verarbeitet wird, wir in der Eifel Butter aus Irland konsumieren und nicht wirklich bereit sind, für Produkte wie Milch, Eier, Mehl ein paar Cent mehr auszugeben, wird die Nahrungsmittelindustrie weiterhin mit Kommastellen kalkulieren und da einkaufen wo es am günstigsten ist.

Wer ein wenig recherchiert, findet schnell regionale Anbieter, die Produkte aus der Region anbieten. Transparenz und Qualität wird hier großgeschrieben, kostet nicht erheblich mehr und sorgt für ein gutes Gewissen beim gemeinsamen Essen. In manche Dörfer kommt sogar noch der Eiermann. Harry Fröhlich

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1 KOMMENTAR

  1. Ja, leider ist es so, daß die meisten Gegner von Massentierhaltungen diese nur nicht in ihrer Nähe haben wollen und die Kaufentscheidung gegen Massentierhaltungen völlig ungenügend ist. Die meisten essen sich billig krank und schimpfen, wenn es sie erwischt hat, über die Krankheitskosten und den Verlust an Lebensqualität.
    Die Einführung der Eierkennzeichnung kam auf Druck der Tierschützer und ihrer Verbände aus Brüssel. Die Politik hätte das nicht allein geschafft. Das zeigt schon die Tatsache, daß die verarbeiteten Eier immer noch nicht deklariert werden müssen, weil die Geflügelindustrie das nicht will. Erst seitdem die Bundesregierung den Bau von Legebatterien alten Typs in der Ukraine durch Hermesbürgschaften absicherte, zeigte sich ein verhaltener(!) Sinneswandel ab. Er würde massiv ausfallen, wenn nicht die Hersteller der Käfige in Deutschland ansässig wären.

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