Jugendbündnis Zukunftsenergie tagt in Berlin

    0

    BERLIN. Dass sich das weltweite Klima verändert, ist mittlerweile kaum mehr zu bestreiten. Während das Abschmelzen der Polkappen voranschreitet und Extremwetterlagen sich häufen, wächst das Bewusstsein, dass sich etwas verändern muss.

    Seit der Entscheidung der Bundesregierung bis 2022 aus der Atomkraft auszusteigen, ist klar, dass Alternativen gefunden werden müssen. Folglich muss der Ausbau der erneuerbaren Energien vorangebracht werden, denn Sonne, Wind und Wasser stehen nahezu unbegrenzt zur Verfügung und werden in Zukunft neben Biomasse eine wichtige Rolle bei der Energieversorgung spielen. Auch in der Eifel wird Windkraftenergie kontrovers diskutiert und erregt nicht selten die Gemüter. Die größten Herausforderungen werden künftig voraussichtlich die Verträglichkeit mit ökologischen und sozialen Aspekten sein. Welche Eingriffe in die Natur sind notwendig, wie kann die Energiewende für alle bezahlbar bleiben und wie erreicht man die Akzeptanz der Bürger vor Ort?

    Mit diesen Fragen beschäftigten sich auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Jugendkonferenz „U-turn – Energiewende sauber durchdacht“ vom 31. Oktober bis zum 3. November in Berlin, die ich ehrenamtlich begleitet habe, um mich mit dem Thema Energiewende auseinanderzusetzen. Die Konferenz zeigte eindrucksvoll, dass junge Menschen zwischen 16 und 27 Jahren sich sehr stark für die Zukunft unserer Gesellschaft interessieren und sie mit ihrem Engagement aktiv mitgestalten möchten. In Workshops wie: „Erneuerbare Energien und Naturverträglichkeit“ und „Energiewende? Aber bitte sozial gerecht!“ wurden Thematiken erläutert und kontrovers mit Experten diskutiert.

    Veranstalter war das Jugendbündnis Zukunftsenergie (JBZE), das sich aus den Jugendverbänden der BUNDjugend, der Naturfreundejugend, der Naturschutzjugend und der Katholischen Landjugendbewegung zusammensetzt. Das JBZE nimmt alljährlich als Deutsche Jugenddelegation an den Internationalen Klimagipfeln teil, wie auch dem diesjährigen, der am kommenden Montag, den 11. November in Warschau beginnt. Die Konferenz in Berlin verdeutlichte noch einmal, wie wichtig der Wandel hin zu erneuerbaren Energien ist, erinnerte mich jedoch zur gleichen Zeit an die Problematiken, die damit einhergehen.

    Die Energiewende ist beschlossene Sache und betrifft alle Bürgerinnen und Bürger. Ob durch die Stromrechnung oder durch den direkten Eingriff in bekannte und geliebte Landschaftsbilder. Als Verbraucher hat man bei dem Gedanken an die nächste Stromrechnung nicht selten Sorgenfalten auf der Stirn. Immerhin wird der Bürger durch die EEG-Umlage auf der Stromrechnung direkt an den Kosten der Energiewende beteiligt, während Großunternehmen, welche im internationalen Wettbewerb stehen, hiervon ausgenommen werden. Bisher zahlen energieintensive Unternehmen zwischen 0,624 Cent und 0,05 Cent EEG-Umlage je Kilowattstunde Strom. Die reguläre Umlage, die etwa Privatverbraucher und Kleinunternehmer zahlen, beträgt 5,277 Cent. Je mehr Strom ein Unternehmen verbraucht, desto weniger muss es pro Kilowattstunde bezahlen. Die neue Bundesregierung berät aktuell darüber, die Ausnahmen für Unternehmen einzuschränken und Ausnahmeregelungen an Energiesparauflagen der Unternehmen zu koppeln, um so das Anreizsystem fairer zu gestalten.

    Gerade in Rheinland-Pfalz wird die Energiewende intensiv vorangetrieben, weswegen natürlich auch die Region Eifel hierfür im Gespräch ist. Bei der Auseinandersetzung über die Umsetzbarkeit der Energiewende treffen nicht selten konträre Meinungen aufeinander. Während die Befürworter die Energiewende möglichst schnell voranbringen möchten, fürchten Naturschützer bei den Planungen übergangen zu werden.

    Die schmerzlichen Auseinandersetzungen der Energiewende sind aktuell deutlich in der Eifel zu spüren. Während sich der Kreisverband Kelberg (Vulkaneifel) von Bündnis 90/Die Grünen aus Protest gar aufgelöst hat, kämpft die Bürgerinitiative „Sturm im Wald“ vor Ort für eine windenergiefreie Zone in der gesamten Vulkaneifel:

    Seit über zwei Jahren betreiben wir eigene naturschutzfachliche Untersuchungen, deren Ergebnisse die Auszeichnungen des BFN (Bundesamt für Naturschutz) und BMU (Bundesumweltministerium) bestätigen. Die Region ist ein bundesweit bedeutsames Kerngebiet für den Rotmilan, den Schwarzstorch, Uhu und weitere streng geschützte Vogel- und Fledermausarten, sowie für  die europäische Wildkatze und den Luchs. Wir fordern ein weiträumiges Schutzgebiet für den Rotmilan in der gesamten Kalk- und Vulkaneifel. Dieser bedeutsame Natur-, Landschafts- und  Erholungsraum ist von Windkraftanlagen (WKA) freizuhalten„, fordert die Initiative „Sturm im Wald“ auf ihrer Internetseite.

    Generell kann man über die Windkraftproblematik folgendes zusammenfassen: WKA’s schränken die Tierwelt ein und haben erhebliche Auswirkungen auf deren natürliches Verhalten: Brutphasen werden gestört, Flugrouten von Vögeln sind betroffen, diverse Vogel- und Fledermausarten sterben bei Kollisionen mit solchen. Bei der Planung von Windkraftparks bestehen hierfür Auflagen, die beachtet werden müssen. So dürfen in speziellen Ausnahmegebieten keine Anlagen aufgestellt werden. Die Standorte sollen dem Verhalten der Tiere angepasst werden. Nachts können Anlagen auch abgestellt werden.

    Daneben ist die Lärmbelästigung ein weiterer, häufig genannter Kritikpunkt. Ein Windkraftrad verursacht unter Volllast eine Lautstärke von ca. 50 Dezibel im Abstand von 200 m. Dies entspricht einem leisen Gespräch. Bei der Planung müssen Schallschutzvorgaben berücksichtigt werden, sodass tagsüber 50 und nachts maximal 35 Dezibel nicht überschritten werden.

    Schließlich ist ein beliebtes Argument auch die sogenannte Verspargelung und auch Vermaisung der Landschaft (Anm. d. Red.: Damit sind Monokulturen wegen des ausschließlichen Anbaus von Spargel oder Mais gemeint), die durch den Eingriff in die Natur entstehen. Die Sichtweise liegt naturgemäß im Auge des Betrachters. Junge Menschen verbinden mit dem Anblick eines Windkraftrades oftmals ein positives Bild der Zukunft und Fortschritts. Anwohner stören sich aber oft an der Optik und befürchten ausbleibenden Tourismus. Laut des „Naturpark Nordeifel e.V.“ träfe dies nicht für den Tourismus der Eifel zu. In Umfragen heißt es, dass 91% der Befragten trotz neuer WKA’s ihren Urlaub in dieser Region verbringen möchten.

    Klarer Fakt ist, dass die Lage in der Eifel angespannt bleibt und die Landesregierung viel zu tun hat, um die Gemüter der Bürgerinnen und Bürger zu beruhigen. Aus den Erfahrungen von Bürgergesellschaften ergibt sich, dass eine Beteiligung der Bürger an den Gewinnen der erneuerbaren Energien vor Ort eine viel breitere Akzeptanz schaffen konnte. Schließlich existieren auch Gemeinden, die durch die Umsetzung der Energiewende autarker werden und von Investitionen in erneuerbare Energien profitieren konnten. Wie die Windkraftplanung in der Eifel voranschreitet, bleibt abzuwarten. Am Freitag, den 08. November lädt der Verbandsgemeinderat Daun zu einer Sitzung über Windkraftplanung in der Verbandsgemeinde in das Bürgerhaus in Utzerath. Beginn ist um 15 Uhr. Marilena Häring

    Jetzt lokalo liken und alle aktuellen News rund um Trier und die Region, inklusive Luxemburg, sofort sehen und KOSTENLOS lesen


    HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

    Please enter your comment!
    Please enter your name here

    Die Redaktion behält sich vor, Lesermeinungen zu kürzen. Es besteht kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihrer zugesandten Meinungen. Klarname ist nicht erforderlich. Eine E-Mail-Adresse muss angegeben werden, wird aber nicht veröffentlicht.