Keine Hühnerqual im Kylltal!

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    BIRRESBORN. Rund 300 Bürgerinnen und Bürger protestierten gegen die geplante Mega-Legehennenfarm mit 330 000 Tieren, die eine niederländische Holding in einem leer stehenden Gewerbeareal mitten im Wald bei Birresborn bauen will. 

    Die für den geplanten Riesenstall notwendige Linksabbiegerspur hätte sich am historischen Datum des 9. November für Birresborn schon mal gelohnt: So stark war die Resonanz auf den Appell der frisch gegründeten Bürgerinitiative gegen die Massentierhaltung im Kylltal, zu einer Demonstration in das waldumsäumte Gewerbegebiet zu kommen. Der Stau auf der Landstraße zwischen Gerolstein und Birresborn dürfte Seltenheitswert gehabt haben. Das Gros der Demonstranten kam nämlich nicht mit den beiden gecharterten Bussen, sondern mit dem eigenen Fahrzeug – von der Nobelkarosse bis zum rustikalen Traktor war alles vertreten. Den Praxistest als Parkplatz hat das sonst verwaiste Gewerbegebiet „Auf dem Boden“ jedenfalls bestanden.

    Auch als Gelände für bunte Volksdemos ist es tauglich. Denn so abwechslungsreich die Fahrzeugflotte, so facettenreich war auch der Querschnitt der Bevölkerung, der sich gegen die Pläne einer niederländischen Holding und eines Teils des Gemeinderates wehrt, hier die größte Legehennenfarm in Deutschland an einem komprimierten Standort zu bauen.

    Ganz junge Menschen, denen immer null Bock auf Politik nachgesagt wird, waren ebenso da, wie gepflegte ältere Damen und in Ehren ergraute Herren, Familien mit Kindern ebenso wie wettergegerbte Landwirte. Auch ein Niederländer mit Eifel-Logo am Heck seines SUV war mit von der Partie: „Wenn hier mit der Natur dasselbe geschieht wie bei uns, warum sollte man dann noch in der Eifel Urlaub machen?“, lautete dessen rhetorische Frage.

    Das Erkennungszeichen, das alle verband: ein Protestplakat gegen die Hühnerfarm in der Hand. Die Bürgerinitiative-Mitglieder und ihre Sympathisanten müssen die vergangenen Tage und Nächte durchgearbeitet haben. Der Aufruf zur angemeldeten Demonstration war erst zu Wochenbeginn erfolgt. „Keine Hühnerqual im Kylltal!“, „Gestankfabrik am Eifelsteig“, „Wir sind Eifel!“ oder „Stoppt den Hühnerwahn“ lauteten die Slogans. Mit seiner Rede sorgte unterdessen BI-Sprecher Hans Nieder für eine nüchterne und nicht aufgeheizte Atmosphäre der Auseinandersetzung: Er kündigte einen sachorientierten Austausch der Argumente an und die Bereitschaft zum Dialog mit dem Gemeinderat

    Mittlerweile hat das Thema auch in den Mainzer Landtag Einzug gehalten. Dietmar Johnen von den Grünen hatte sich bereits kritisch zum Bauvorhaben geäußert und unter anderem die generelle Überproduktion an Eiern, die derartige Megafarmen per se überflüssig mache, in den argumentativen Ring geworfen. Auch Astrid Schmitt, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD, kam in der entsprechenden Plenardebatte auf Grund umwelt- und naturschützerischer, gesundheitlicher, finanzieller und ethischer Bedenken zu dem Schluss, dass sie die Pläne der niederländischen Investoren nicht unterstützten kann.

    Positiv wird hingegen gewertet, dass Birresborns Bürgermeister Michael Zander die Bürger noch vor dem Bauantrag informiert hatte und somit mehr Transparenz walten ließ, als vorgeschrieben. Das sieht auch Michael Horper, Gesellschafter der Regionalmarke Eifel, so. „Große Tierhaltung muss nicht schlechter sein als kleinteilige“, meint er, „denn die emissionsschutzrechtlichen Auflagen sind da strenger.“ Dennoch könne der Plan einer Farm für 330 000 Hennen für die Eifel kein Weg sein. „Wir haben hier ein positives Image von Eifel und Eifeler Landwirtschaft entwickelt, gerade auch mit den Eifel-Eiern als Erfolgsstory. Wenn jedoch eine rein gewerbliche Massentierhaltung ohne Bezug zum Boden und zur Fläche – also keine bäuerliche Produktionsweise – kommen soll, dann kann das unserem Image großen Schaden zufügen. Das ist ein paar Nummern zu groß.“ Außerdem: Wenn das Beispiel angesichts vieler leer stehender Gewerbegebiete in der Eifel Schule mache…

    Markus Pfeifer, Geschäftsführer der Regionalmarke Eifel, bringt es so auf den Punkt: „Der geplante Groß-Legehennenbetrieb in Birresborn, auch wenn er alle gültigen gesetzlichen Regeln und Auflagen erfüllen wird, passt nicht zu unserer Philosophie. Diese Stallungen werden von uns als Trübung unseres eigenen regionalen Qualitätsimages und auch des gesamtes Images der Region Eifel angesehen. Eine Anlage mit einer solch hohen Konzentration von Tieren an einem Standort sollte sich keine Eifel-Gemeinde für sich selbst und für die gesamte Eifel leisten. Dieser Legehennenbetrieb wird sich nicht förderlich auf die bereits lange andauernde, breit angelegte und sehr positiv verlaufende Qualitätsoffensive der Eifel auswirken.“

    Lambert Lehnertz, selbst Eierproduzent aus Habscheid und „Herr“ über rund 40 000 Hühner, will Interessierte unterdessen über die fachlichen Aspekte artgerechter Legehennenhaltung informieren. Sein Hof zählt zum bundesweiten Projekt „Lernort Bauernhof“, bei dem es um die Vermittlung nachhaltiger Erzeugermethoden geht. Lehnertz bezweifelt unter anderem, dass die marktgängige Reinigungs- und Filtertechnologie in der Lage ist, Geruchs- oder Staubbelästigung auszuschließen. (ako)

    1 KOMMENTAR

    1. …die meisten wollen möglichst billige Eier, die Folge: industrielle Produktion. Mein Rezept: erstens weniger Eier essen, und wenn, dann zweitens nur Bio. Drittens: selber Hühner halten!

    2. Liebe(r) G.Mü, haben Sie auch Rezepte, wie das auf z.B. auf Leute übertragen werden kann, die in der Stadt, 2 Zi-Wohnung im 5. Og wohnen und ALG 2 beziehen?
      Das anbieten und Herstellen von extrem billigen Lebensmittel ist politisch so gewollt, da sonst, würde sich der Warenkorb ändern, die Kosten für Sozialleistungen explodieren würden.

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