Egger und der vergessene Einzelhandel?

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TRIER. In der vergangenen Woche ließ Wirtschaftsdezernent Thomas Egger ein Schreiben an die Teilnehmer des „Runden Tischs Einzelhandel“ verschicken. Ein Schreiben, das eigene Unfähigkeiten aufzeigt und die Kritik über die Trierer Hinterzimmerpolitik nicht gerade entschärft – eine Recherche nach den Arbeitsergebnissen eines blassen Dezernenten.

„Sehr geehrte Damen und Herren, wie Sie wissen, fand seit längerer Zeit keine Sitzung des ‚Runden Tisches Einzelhandel‘ mehr statt. Hierzu möchte ich kurz Stellung beziehen“, beginnt Egger sein Schreiben an die Mitglieder des angesprochenen Gremiums, das unserer Redaktion vorliegt. Es folgt eine Aufzählung von Gründen, weshalb seit Längerem keine Sitzung mehr zustande kam. Der Tod eines leitenden Verwaltungsmitarbeiters und die Arbeiten rund um den ZENSUS hätten die Organisation einer ordentlichen Vor- und Nachbereitung der Treffen mit den Einzelhandelsvertretern erschwert.

Der „Runde Tisch Einzelhandel“ besteht aus Vertretern der Stadt, der Fraktionen, der City-Initiative, des Einzelhandelsverbandes, der IHK und HWK. Die Ursprüngliche Intention dieses Gremiums bestand in der gemeinsamen Fortschreibung des Einzelhandelskonzeptes 2006. Die ehemalige Wirtschaftsdezernentin Christiane Horsch nutzte dieses Instrument damals ausgiebig zum Austausch, um die gemeinsame Ist-Situation und entsprechende Handlungsansätze auch aufgrund von Praxis-Erfahrungen zu erarbeiten.

Nun allerdings ist Thomas Egger seit Beginn seiner Beigeordneten-Tätigkeit Vorsitzender des Runden Tischs. Es läge in seiner Verantwortung Sitzungen einzuberufen und entsprechende Tagesordnungen anzusetzen und vorzubereiten. Das Eingeständnis über die eigene Untätigkeit in dem Schreiben aus der vergangenen Woche kommt nicht gerade überraschend. Überraschend dürfte allerdings sein, dass sich angehängt an besagtes Schreiben auch ein Protokoll der letzten Sitzung – immerhin aus dem Mai 2012 – befindet. Dort finden sich bereits zu diesem Zeitpunkt mehrere Hinweise auf geäußerte Bedenken der Einzelhändler zu den Plänen des Investors ECE, in Trier ein Einkaufszentrum anzusiedeln. Richard Leuckefeld, Trierer Buchhändler und Grünen-Fraktionsmitglied, monierte dort bereits an, „dass die Fraktionen in letzter Zeit sehr viel Werbung und Infomaterial von ECE zugeschickt bekommen“. Er merkte an, der Druck wachse und er fände es wichtig, früh genug darüber zu diskutieren, wie damit umgegangen werden soll.

Im Laufe der damaligen Sitzung kamen die Mitglieder des Runden Tischs laut Protokoll immer wieder auf die Möglichkeit der Ansiedlung eines ECE-Centers zurück. Insgesamt sind 18 Wortmeldungen zu diesem Thema protokolliert. Auch Michael Cornelius, damaliger Vorsitzender der City-Initiative äußerte sich eher kritisch. Er habe früher für die ECE gearbeitet und kenne daher deren Vorgehensweise. Aus seiner Erfahrung heraus wisse er, dass ECE „jeden Preis zahlt, wenn das Projekt letztendlich rentabel ist“. Egger ergänzte damals, dass ECE mittlerweile auch Stadtentwicklungsprojekte umsetze und damit versuche, die notwendigen Entscheidungsträger zu überzeugen. Auf Nachfrage gestand er ein, dass eine mögliche Gefahr darin bestehen könnte, dass durch ein weiteres Shopping Center der „Rest der Innenstadt ausgesaugt werden und es zu vielen Leerständen in bislang attraktiven Lagen kommen kann.“

Umso erstaunlicher ist es, dass Eggers Dezernat es seit über eineinhalb Jahren nicht geschafft hat, eine weitere Sitzung unter den neuesten Erkenntnissen einzuberufen. Schon im Protokoll aus dem Mai letzten Jahres ist deutlich ersichtlich, dass unter den Einzelhändlern ein großer Diskussionsbedarf besteht. Für Egger allerdings offenbar kein Anlass, trotz zugegeben hoher personeller Belastungen in seinem Dezernat, alle Beteiligten an den Runden Tisch zu laden. Immerhin: er gelobt Besserung. Die nächste Sitzung soll im Februar 2014 stattfinden. (cin)

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