Entziehungsanstalt statt Gefängnis

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    TRIER. Am heutigen Mittwoch fiel das Urteil gegen Franz S., einen 52-jährigen Mann aus Trier-Ehrang. Die dritte große Strafkammer verurteilte ihn nach nur zwei Verhandlungstagen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von fünf Jahren. Aufgrund einer starken Drogenabhängigkeit wird der ehemalige Seefahrer in einer Entziehungsanstalt untergebracht.

    Bereits während des ersten Prozesstages am 31. Oktober hatte Franz S. die Schuldvorwürfe vollständig eingeräumt (lokalo berichtete: http://www.lokalo.de/artikel/44259/Ehemaliger-Seefahrer-wegen-Drogenhandels-vor-Gericht#.UnobgXBg_a8). Demnach habe er sich die Drogen gegen seine Schmerzen und Schlafprobleme organisiert. Die Verkäufer kannte er nach eigenen Angaben nicht. Er hatte zudem gestanden, einen Teil der Drogen gewinnbringend weiterverkauft zu haben oder weiterverkaufen zu wollen.

    Die Anklageschrift umfasste drei wesentliche Punkte:

    Am 25. Dezember 2012 waren bei S. bei einer Hausdurchsuchung etwa 5 Gramm Amphetamin sichergestellt worden. „Das Zeug hat ein Freund von mir mitgebracht, der bis Silvester bei mir bleiben wollte. Einen Tag später ist er ganz plötzlich an einer Herzattacke gestorben“, so der Angeklagte. Er erklärte der Großen Strafkammer mit dem Vorsitzenden Richter Armin Hardt, dass die Drogen demnach nicht ihm gehörten, er sie aber dennoch konsumiert hatte.

    Am 02. Mai dieses Jahres stellten Beamte weitere Mengen an Betäubungsmitteln in seiner Wohnung sicher. Diesmal handelte es sich um ca. 9 Gramm Haschisch, 48 Gramm Cannabis und 13 Gramm Amphetamin. Außerdem wurde eine Pistole des Fabrikats Beretta gefunden und beschlagnahmt. Am 21.Juni 2013 wurden erneut 1,3 Gramm Amphetamin bei dem Ehranger sichergestellt.

    In der heutigen Verhandlung trug zunächst Dr. Anette Korte ihr psychiatrisch-psychologisches Gutachten vor. Daraus ging hervor, dass Franz S. unter einem polytoxikologischen Suchtverhalten leidet. Das bedeutet, dass er gleich von mehreren Substanzen (u.a. Cannabis und Amphetamin) abhängig ist. Darüber hinaus zeigt er Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung. Diese könnten aus der früheren Mitgliedschaft in einem Motorradclub stammen. Nachdem er aus diesem austrat, wurde mehrfach auf ihn geschossen. Seit dem sind Angst und Verfolgungswahn seine ständigen Begleiter. „Bei Menschen, die unter Angst leiden, kommt es häufiger vor, dass sie sich mit dem Kauf einer Waffe ein gewisses Maß an Sicherheit versprechen“, so die Psychiaterin. Abschließend gab die Ärztin zu Protokoll, dass die Kriterien für die Anwendung des Paragraphen 64 (Unterbringung in einer Entziehungsanstalt) gegeben seien.

    Staatsanwalt Dr. Eric Samel beantrage in seinem abschließenden Plädoyer eine Gesamtfreiheitsstrafe von fünf Jahren, wobei der Paragraph 64 angewendet werden soll. Demnach müsse der Angeklagte die Hälfte der Haftzeit in einer Entziehungsanstalt verbringen. Bei erfolgreicher Therapie wird der Rest der Strafe zur Bewährung ausgesetzt.

    Strafverteidiger Günther Hoffmann beantragte eine mildere Strafe. Aus seiner Sicht liegt ein minderschwerer Fall vor. Das bedeutet, dass die Strafmilderungsgründe die Strafschärfungsgründe übersteigen. „Mein Mandant hat bereits in der ersten Sitzung ein Geständnis geliefert. Außerdem hat er die Drogen weiterverkauft, um seine eigene Sucht zu finanzieren, und nicht, um sich zu bereichern“, so der Rechtsanwalt.

    Die Strafkammer kam zwar auch zu dem Schluss, dass es sich um einen minderschweren Fall handelt, folge aber dennoch der Empfehlung der Anklagebehörde und verurteilte Franz S. zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von fünf Jahren, mit Unterbringung in einer Entziehungsanstalt. Ganz ohne Gefängnis kommt der ehemalige Seefahrer aber nicht davon. Sieben Monate der Gesamtfreiheitsstrafe muss er vor dem Gang in den Maßregelvollzug absitzen.

    Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. (tw)

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