Update 2: Ein „Dessert“ zum Zigeunerschnitzel

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FLIESSEM. „Du musst los Zigeuner – sonst wachsen deine Fußnägel in den Boden“ steht im Klappentext des Buches „Fröhlich bin ich, bin ich, ich“ von Harry Fröhlich, das im Frankfurter Taschenbuchverlag erschienen ist. Fröhlichs Buch (lokalo berichtete) hat erneut eine öffentliche Diskussion darüber entfacht, ob der Begriff „Zigeuner“ und daraus abgeleitete Wörter diskriminierend sind, oder nicht.

In Hannover wurde das Zigeunerschnitzel auf Wunsch des Forums für Sinti und Roma aus öffentlichen Kantinen verbannt. Dort heißt es nun „Schnitzel nach Balkan Art“. Auch die Zigeunersauce musste dran glauben. Sie hat jetzt schlicht und einfach den Zusatz „pikant“. Etliche Hersteller von Zigeunersauce, z.B. „Kühne“, beharren weiter auf der ursprünglichen Bezeichnung und begründen das mit der mehr als hundertjährigen Tradition der Fabrikation dieser Sauce. Ein „Dessert“ zum Zigeunerschnitzel liefert jetzt das Fernsehprogramm des SWR mit einem Porträt über den Autor. „Harry Fröhlich – persönlich“ ist am heutigen Donnerstag, den 14. November in der Landesschau des SWR-Fernsehens ab 18.45 Uhr zu sehen.  Wegen der Brandstiftungen in Idar-Oberstein erfolgte die Ausstrahlung nicht, wie vorgehehen, am gestrigen Mittwoch (http://www.swr.de/landesschau-rp/persoenlich/-/id=8504226/1iqnbet/).

 

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Fröhlich, der sich selbst als Zigeuner bezeichnet, sieht den Begriff nicht als negativ an. Um so kurioser ist es, dass man ihn selbst des Antiziganismus bezichtigte. Seine ausführliche Stellungnahme zu diesen Vorwürfen auf der Facebook Seite des „Atelier F“ in Fließem (Anm. d. Red.: das „F“ steht für Fröhlich) entfachte eine kontroverse Diskussion, die mit Strafanzeigen wegen Volksverhetzung gegen den Buchautor ihren vorläufigen Höhepunkt erreichte. Mittlerweile verfolgen mehr als 10 000 User den Streit auf Facebook. Die Berichterstattung bei lokalo und die anschließende Diskussion beim Socialmedia-Netzwerk lieferten dem Redakteur und Filmemacher Wolfgang Dürr vom SWR-Fernsehen ausreichend Gründe, ein Porträt über den Eifeler anzufertigen.

Der SWR hat gleich einen ganzen Drehtag dafür angesetzt. Der Dreh beginnt in Fröhlichs „Zigeunerwagen“, der mittlerweile in Ernzen in der Südeifel steht. Fröhlichs Kernaussage: „In diesem Wagen habe ich die intensivste und schönste Zeit meines Lebens verbracht.“ In entspannter Atmosphäre plaudert er über sein Leben als Kreativdirektor einer Werbeagentur über seinen Ausstieg aus dieser Gesellschaft und über sein Leben als „Zigeuner“. Während er noch über die Schönheit der Südeifel-Landschaft schwärmt, wechselt der Drehort. Es geht zum Felsenweiher auf das Plateau von Ferschweiler.

Die Mittagspause verbringen das SWR-Team und Fröhlich in der „Frittenscheier“ Bollendorf die für Fröhlich nicht nur die „beste Frittenbude weit und breit“ sondern eben auch „Anlaufpunkt für bunte Vögel“ ist. Hier trifft man beispielsweise den „Halbrasierten Armand“ der links Vollbart und Haare trägt und rechts Glatze. Im Schottenrock präsentiert der gelernte Polsterer Handarbeiten und Accessoires aus Abfallprodukten. Die den Stammgästen gehören auch Künstler, Philosophen, Kulturschaffende, Architekten, Handwerker und Vereinsmeier. Inhaber Frank Harren empfiehlt zum Mittag das „Zigeunerschnitzel“ während auf der Wunschliste eines Gastes dann doch lieber ein „Amerikaner“ aus der Bäckerei steht – „aber einen schwarzer…“ Wer hier verkehrt, begegnet der Antiziganismus-Debatte mit Ironie.

Der Drehtag findet sein Ende im „Atelier F“ in Fließem, das Fröhlich mit seiner Lebensgefährtin Diplom-Designerin Anke Loscheider betreibt. Auf die Diskriminierungsdebatte angesprochen äußert sich Fröhlich: „Es gibt unzählige Sippen, die weder zur Volksgruppe der Sinti, Roma oder Jenische gehören und sich selbst als Zigeuner bezeichnen, wie ich auch. Wird dieses Wort verbannt, wie sollen wir uns dann nennen?“ Die rhetorische Frage bleibt natürlich unbeantwortet. Auch das ausführliche Porträt des Künstlers im SWR wird darauf keine Antwort geben.

Wann die Landesschau den Beitrag über Harry Fröhlich ausstrahlt, steht noch nicht fest, wird von lokalo aber frühzeitig bekanntgegeben. (wir)

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