89-jähriger Witwer soll Kinder begrapscht haben

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TRIER. Am heutigen Montag wurde der Prozess gegen den 89-jährigen Bernhard L. aus dem Hochwald fortgesetzt. Ihm wird vorgeworfen, sexuelle Handlungen an drei jungen Mädchen vorgenommen zu haben.

In der Sitzung am heutigen Montag  stand die Frage nach dem Gesundheitszustand des Rentners im Mittelpunkt. Dazu wurde seine Hausärztin Dr. Martina Wagener als Zeugin vernommen. Es deutet vieles darauf hin, dass der Angeklagte dem Prozess zumindest für jeweils 90 Minuten beiwohnen und folgen kann.

Bereits in der Eröffnungssitzung am 09. Oktober hatte die Frage nach dem psychischen und physischen Gesundheitszustand des Angeklagten die Prozessbeteiligten beschäftigt. Dazu wurde ein allgemeinmedizinisches amtsärztliches und ein psychiatrisch-psychologisches Gutachten eingeholt. Beide Gutachter kamen zu dem Schluss, dass Bernhard L. zwar gesundheitlich sehr eingeschränkt ist, es ihm aber möglich ist, an der Verhandlung teilzunehmen, wenn regelmäßige Pausen eingeschoben werden.

Hausärztin Dr. Martina Wagener, die heute als Zeugin aussagte, war zunächst anderer Meinung: „Im Sommer des Jahres hatte L. einen Herzinfarkt. Bei hoher psychischer und physischer Belastung könnte sich dies wiederholen. Daher halte ich ihn für nicht verhandlungsfähig.“ Der Vorsitzende Richter Albrecht Keimburg hakte nach: „Der Angeklagte ist nicht 10 km/h zu schnell gefahren, sondern ihm werden beträchtliche Vorwürfe gemacht. Daher müssen wir im Detail klären, ob er vernehmungsfähig ist.“ Keimburg schob noch nach, ob die Ärztin keine Möglichkeit sehe, dem betagten Mann „guten Gewissens“ eine Teilnahme am Verfahren zuzumuten. „Das Risiko, dass sich sein Blutdruck erhöht und sich daraufhin ein erneuter Infarkt entwickeln könnte ist aus meiner Sicht zu hoch. Sollte er dennoch als vernehmungsfähig bewertet werden, dann würde ich auf jeden Fall einen Notarzt hinzuziehen, der ihn über das komplette Verfahren begleitet und im Notfall eingreifen kann“, so Dr. Wagener.

Dem verwitweten Angeklagten werden sechs selbstständige Handlungen vorgeworfen. Im Zeitraum zwischen Oktober 2008 und Oktober 2011 soll er das heute zehnjährige Mädchen L.L. zu sich auf die Bank gerufen, ihm in sexueller Absicht unter die Oberbekleidung gefasst und seine unbekleidete Brust massiert haben. Im gleichen Zeitraum soll er ein weiteres Mal, diesmal in seiner Wohnung, die unbekleidete Brust des Mädchens in sexueller Absicht massiert und mit Männerdeodorant eingerieben haben. Ein anderes Mal soll er in der Wohnung die Hose des Mädchens geöffnet und dem sitzenden Mädchen mit der Hand über die Unterhose gerieben haben. Zudem habe er die unbekleidete Brust des Kindes gestreichelt. Ein anderes Mal soll er erneut auf der Bank vor seinem Haus das Kind mehrfach im bekleideten Scheidenbereich berührt haben.

Wahrscheinlich am 05. Oktober 2011 soll neben diesem Mädchen auch die Ende 2000 geborene M.S. in seiner Wohnung gewesen sein. Dort soll er gegen den ausdrücklichen Willen zunächst dessen bekleidete Brust massiert haben. Nachdem sich das Mädchen dem Angeklagten habe entwinden können, habe er die Brust des anderen Kindes (L.L.) massiert.

In den Herbstferien des Jahres 2011 habe der Angeklagte mit dem Kind L.L. auf der Bank vor dem Haus gesessen, als das 2002 geborene Mädchen J.S. vorbeigekommen und sich neben L.L. gesetzt habe. Der Angeklagte soll J.S. gefragt haben, ob er ihre Brüste anfassen dürfe, was das Kind mehrfach verneint habe. Dennoch habe der Angeklagte an dem Kind L.L. vorbei gegriffen, um das andere Mädchen an der bekleideten Brust zu berühren. Der Versuch sei gescheitert, weil das Kind ihre Hand vor die Brust gehalten habe und weggelaufen sei.

Der Rechtsanwalt von L., Dr. Stephan Stock aus St. Wendel, ist naturgemäß anderer Meinung. Aus seiner Sicht wäre es zu riskant, seinen Mandanten als verhandlungsfähig einzustufen. Er berief sich auf die Hausärztin, die Bedenken in Bezug auf die Belastungsfähigkeit seines Mandanten geäußert hatte.

Um dieser schwierigen Situation Herr zu werden, versuchte der Richter den Angeklagten, der bisher geschwiegen hatte, zu einem Geständnis zu bewegen. Keimburg erklärte L., wie wichtig es wäre, sich zu äußern. „Sollte die Anklageschrift den Tatsachen entsprechen und die Schuldvorwürfe bestätigt werden, gehen sie bei einem Geständnis mit einer Bewährungsstrafe nach Hause. Ins Gefängnis kommen sie nicht“, so der Richter. Daraufhin bestätigte L., dass er einem der drei Mädchen unter das Oberteil gefasst habe. Die anderen Tatvorwürfe stritt er ab.

In einem abschließenden Rechtsgespräch einigten sich alle Parteien darauf, die Verhandlung an einem noch nicht festzulegenden Termin fortzusetzen. In der Zwischenzeit werden der Angeklagte und sein Verteidiger darüber beratschlagen, ob es notwendig ist, die vermeintlich geschädigten Mädchen überhaupt als Zeuginnen zu laden, oder ob L. mit einem umfassenden Geständnis, den Kindern die für sie psychisch belastende Situation ersparen wird. Zu einer Fortsetzung des Prozesses mit Teilnahme des Angeklagten wird es vermutlich kommen. „Es verdichten sich die Anzeichen, dass wir für jeweils 90 Minuten unter ärztlicher Aufsicht verhandeln können“, so der Vorsitzende. (tw)

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