Rechtsformen der Selbständigkeit

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TRIER. Im vierten Teil unserer Serie „Auf dem Weg in die Selbständigkeit“ geht es heute um die verschiedenen Rechtsformen für Unternehmen. Wir berichten über ein Seminar an der Universität Trier, das vom Gründungsbüro initiiert wurde.

„Freiberufler, gewerblich Selbständiger oder Kapitalgesellschaft?“, ein Vortrag von Oliver Kuhn lüftet das Geheimnis über die rechtlichen Aspekte der Selbständigkeit und was dabei wichtig ist. Welche Rechtsform passt für ihre Art der Selbständigkeit? Was genau ist der Unterschied zwischen gewerblicher und freiberuflicher Selbständigkeit?

Bereits bei dieser ersten Entscheidung zwischen gewerblicher oder freiberuflicher Selbständigkeit kann es zu Schwierigkeiten kommen, denn die Grenzen sind oftmals fließend, haben allerdings für die spätere Wahl der Rechtsform eine hohe Bedeutung.

Freiberufliche Selbständigkeit kann durch die „Katalogberufe“ wie dem Rechtsanwalt oder Arzt, und ähnliche Berufe wie Fotograf oder Unternehmensberater zusammengefasst werden. Die Freien Berufe erfordern in der Regel besondere berufliche Qualifikation oder „schöpferische Begabung“ und erbringen eine Dienstleistung im Interesse der Auftraggeber, wie es z.B. bei Publizisten oder Pressesprechern der Fall ist.

Tendenziell kann gesagt werden, dass geistiges Eigentum und Dienstleistungen freiberufliche Tätigkeiten sind und dass Produktion und Verkauf in die gewerbliche Selbständigkeit fallen. Allerdings sind die Übergänge schwierig zu fassen und eine frühzeitige Prüfung durch das Finanzamt ist ratsam, da ansonsten Gewerbesteuer nachgezahlt werden muss.

(Beratungsstelle: Institut für Freie Berufe www.ifb.uni-erlangen.de)

Die ist nämlich für gewerbliche Tätigkeit Pflicht und genauso auch die Mitgliedschaft in der Industrie- und Handelskammer. Außerdem unterliegt das selbständige Gewerbe der Gewerbeordnung.

Die Wahl zwischen der gewerblichen und freiberuflichen Selbständigkeit ist bei der Entscheidung über die rechtliche Wahl ausschlaggebend und sollte sorgfältig bedacht werden.

Wer eine selbständige Tätigkeit aufnimmt, hat die Wahl zwischen verschiedenen Rechtsformen, die bestimmte steuerliche, finanzielle und rechtliche Auswirkungen haben. Die Rechtsformen sind in drei Kategorien zu unterscheiden: Einzelunternehmen, Personenunternehmen und Kapitalgesellschaften. Laut einer Studie des Instituts für Mittelstandsforschung in Bonn aus dem Jahr 2012, wählen 80,2 Prozent der Selbständigen die Rechtsform des Einzelunternehmens. Diese entsteht automatisch mit der Gründung, wenn keine andere Rechtsform gewählt wurde. Es sind keine Gründungsformalitäten notwendig – Einreichung bestimmter Unterlagen – und es ist auch kein Mindestkapital erforderlich. Hinzu kommt, dass keine Buchführung erstellt werden muss. Ein Nachteil ist die Haftung, die unbeschränkt und unmittelbar ist und bis zur Pfändung gehen kann.

Neben dem Einzelunternehmen gibt es die Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR), die automatisch eintritt, wenn mehrere Einzelunternehmer einen gemeinsamen geschäftlichen Zweck verfolgen und keine andere Rechtsform gewählt haben. Im Gegensatz zum Einzelunternehmen ist die Anforderung für eine GbR ein Gesellschaftsvertrag, in dem der Zweck des Unternehmens, die Einlagen und die Geschäftsführung definiert werden. Ansonsten sind für eine GbR ebenfalls kein Mindestkapital und keine Buchführung notwendig. Die Haftung wiederum ist unbeschränkt und unmittelbar.

Unter die Kategorie einer Kapitalgesellschaft fällt die Rechtsform der Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH), die nicht nur hohe Gründungsformalitäten besitzt (GmbH-Vertrag, Eintragung ins Handelsregister), sondern auch hohe Gründungskosten (abhängig von Art und Umfang ab ca. 400 Euro). Daneben ist ein Mindestkapital von 25 000 Euro erforderlich. Wie der Name es schon verdeutlicht, ist die Haftung lediglich beschränkt auf das Gesellschafts- und nicht auf das persönliche Vermögen. Das ist der Vorteil bei der Wahl dieser Rechtsform. Nach der bereits erwähnten Studie des Instituts für Mittelstandsforschung steht die GmbH nach dem Einzelunternehmen mit 11,9 Prozent an Platz zwei der am häufigsten gewählten Rechtsformen. Grundsätzlich können Freiberufler und gewerblich Selbständige diese Rechtsform wählen, wobei Freiberufler bei der GmbH weniger Vorteile besitzen, da für sie die Gewerbesteuerfreiheit entfällt.

Besser geeignet für Freiberufler ist die Rechtsform der Partnergesellschaft (PartG), in der die Haftungsbedingungen differenzierter sind. Bei beruflichen Fehlern haftet der persönlich Verantwortliche in der Gesellschaft – der Fachbegriff hierfür ist „Haftungskonzentration“. Es muss ein Partnerschaftsvertrag geschrieben werden und ein Eintrag im Partnerschaftsregister durch einen Notar ist ebenfalls notwendig für eine Partnerschaftsgesellschaft (Kosten ca. 90 Euro).

Je nach Wahl der Rechtsform verändern sich die Haftungsregeln und die notwendigen Schritte zum optimalen Start in die Selbständigkeit. Das Wissen über die unterschiedlichen Formen ist absolut notwendig um für sich klar zu entscheiden, welche Rechtsform die beste Wahl für jemanden ist. Neben dem festen Ansprechpartner gibt es die Möglichkeit einer Beratung durch die Handelskammern, Verbände oder Wirtschaftsförderungsgesellschaften, damit der Start optimal gelingt. (yo)

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