TBB Trier: Hausbesuch bei Trevon Hughes – Teil 2

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TRIER. Es ist wieder soweit: Die erste Homestory für die Saison 2013/14 steht auf dem Plan. Dieses Mal waren wir bei TBB-Neuzugang Trevon Hughes zu Gast und schildern die Eindrücke unseres Besuchs beim Star des Teams. Dabei stellte sich heraus: Dieser Mann hat einiges erlebt – und ist eine beeindruckende Persönlichkeit. Im zweiten Teil äußert er sich über seine Mitspieler, Spitznamen, Henrik Rödl und seine Pläne für die Zukunft.

Hier geht es zum ersten Teil der Homestory

…Bei der Beantwortung der Frage, welcher Song am besten sein Leben und seinen Spielstil beschreibt, erbittet er sich etwas Bedenkzeit. Schließlich landet die Antwort in meinem Posteingang: „All of the Above by Maino feat. T-Pain“. Jede Zeile passt wie die Faust aufs Auge. Der Song handelt vom Jungen der das Ghetto überlebt hat und jetzt Karriere macht. Money und fame gibt es jetzt natürlich im Übermaß

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Er schwärmt von den Teamkameraden, die alle gute Jungs seien. Von Chiko (Vitalis Chikoko), der mit seinem Eins-gegen-Null Dunking, den er an die Unterkante des Rings setzte, für den bislang lustigsten Moment im diesjährigen Training sorgte. Oder von Larry (Laurynas Samenas), der diesen Spitznamen nach einem Versprecher von Henrik Rödl im Training nicht mehr los wird. „Wir mögen uns alle sehr und ich hoffe, dass man das bald auch konstant auf dem Feld sehen wird“, glaubt er an eine rosige Zukunft für das neuformierte und von Verletzungen geplagte Team. Kritik an seinen Teamkameraden übt er dennoch.

„Zu nett“ seien die meisten Mitspieler auf dem Parkett. Fairplay ja, aber keine Nettigkeiten gegenüber dem Gegner. „Basketball ist keine „nette“ Sportart und das versuche ich Ihnen zu vermitteln. Man darf sich beim Kampf um den Rebound keinen Kopf darüber machen, ob man sich eine blutige Nase holt oder sich verletzt – der Gedanke daran erhöht nur die Wahrscheinlichkeit einer Verletzung. Wir sind auf einem guten Weg, dass die Nettigkeiten spätestens auf dem Parkett aufhören“, ist er von der Lernfähigkeit seiner Mitspieler überzeugt.

„Wir sind erst bei 70 bis 75 Prozent unserer Leistungsstärke“

Hughes geht sogar noch weiter. Die Frage, ob er ein Wettkampftyp sei, bejaht er vehement. „Wenn wir Trainingsspiele machen, werden wir in Team Grün und Team Weiß eingeteilt. Meistens spiele ich im weißen Team und rede mit den Spielern aus dem grünen Team kein Wort während dieser Zeit“, erklärt er seine Vorgehensweise. Der größte Respekt, den man seinen Mitspielern zollen könne, sei jedes Training zu versuchen, besser als sie zu sein. Sich auf seinen Lorbeeren auszuruhen sei hingegen respektlos gegenüber den Teamkameraden. „Sobald das Training vorüber ist, scherzen wir alle wieder miteinander und ziehen an einem Strang.“

Noch sei das Team bei lediglich 70 bis 75 Prozent seiner wahren Leistungsstärke glaubt der gebürtige New Yorker. Jeder gebe zwar mehr als 100 Prozent, aber durch die Verletzungen in der Vorbereitung sei man spielerisch noch weit vom Optimum entfernt. Das Potenzial für die Playoffs sei aber definitiv vorhanden. „Jetzt müssen die einzelnen Puzzleteile nur noch ineinandergreifen. Jeder hat das Recht, ein schlechtes Spiel zu machen. Auch ich habe diese Saison schon schlecht gespielt. Die Mitspieler müssen den schwarzen Tag eines Einzelnen dann auffangen.“

Ziel vor der Saison war, alle Heimspiele und mindestens 50 Prozent der Auswärtsspiele zu gewinnen. Zumindest das erste Ziel kann nicht mehr erreicht werden. „Wir haben die ganze Zeit darüber geredet, unsere Halle zu verteidigen und den Heimnimbus zu wahren. Gegen Vechta waren wir schon mit 14 Punkten vorne und haben dann den Faden verloren. Es hat weh getan, mit vier ausgefoulten Spielern draußen zu sitzen und tatenlos zusehen zu müssen, wie der Vorsprung schmilzt. Ich habe die ganze Nacht kein Auge zugemacht“, berichtet Hughes über die unnötige Heimniederlage zum Saisonauftakt, als man mit 83:87 gegen den Aufsteiger unterlag. Vielleicht sollte er darüber nachdenken, mit Henrik Rödl eine Wohngemeinschaft zu gründen. Auch der Trierer Cheftrainer beantwortete die Frage des „Sechsten Manns“ bei einer Pressekonferenz im vergangenen Jahr, wie Rödl nach verlorenen Spielen schlafe, mit: „Ganz ehrlich? Gar nicht!“

„Ich würde gerne für mindestens ein weiteres Jahr in Trier bleiben“

Auch wenn schon vor der Saison die Hoffnung gegen Null tendierte, dass man einen Ausnahmekönner wie Hughes länger als eine Spielzeit halten kann, musste ich die Frage stellen, ob er sich trotz des frühen Zeitpunktes in der Saison einen Verbleib vorstellen kann. Die Antwort ist ebenso überraschend, wie erfreulich. „Ich würde sehr gerne für mindestens ein weiteres Jahr in Trier bleiben. Es gibt mir einfach ein besseres Gefühl, mit dem selben Team in eine weitere Saison zu gehen. Ich mag es nicht, Jahr für Jahr vor einer neuen Situation zu stehen und mich neu einleben zu müssen. Mein Ziel ist es sicherlich, irgendwann Euroleague oder in der NBA zu spielen – aber erst muss ich mich als Spieler verbessern – und ich denke das hier ist der richtige Platz dafür.“

Eine wichtige Rolle beim Wechsel spielte Henrik Rödl. Der Headcoach der TBB rief persönlich an und lotste ihn an die Mosel. „Coach Rödl hat von Anfang an großes Interesse an mir gezeigt und wollte mich unbedingt haben – er wusste sehr viel über mich und hat mir einfach ein gutes Gefühl gegeben. Das kannte ich bislang von keinem Coach.“ Diesen positiven Eindruck hat er auch weiterhin von seinem Übungsleiter. Der gebürtige Offenbacher kenne seine Spieler und wisse, wie man ein Team forme. Selbst nach bitteren Niederlagen habe er die Fähigkeit, das Team so zu motivieren, dass es mental gestärkt ins nächste Match ginge.

Hughes hat Aggy schon ins Herz geschlossen, räumt aber auch lachend ein, dass es auch Situationen gebe „in denen er mir schrecklich auf den Geist geht“. Lachen muss er auch, als ich ihn auf ein YouTube-Video anspreche, dass ihn bei einem misslungenen Dunkingversuch zeigt. „I can accept failure, but I can’t except not trying“ wird im Video eines litauischen Fans eingeblendet. „Es ist lustig, dass sie diesen Michael-Jordan-Spruch benutzt haben, ohne zu wissen, dass ich genau dieses Zitat im Jahrbuch meines Senior-Years in der Highschool stehen hatte“, erzählt Hughes. Ob wir einen Dunking im Spiel von ihm im TBB Trikot sehen werden? „Ich würde gerne, aber wenn er misslingt wird der Coach sicherlich sauer werden.“ Zumindest beim Warm-Up glänzt der US-Amerikaner mit spektakulären 360° Dunks.

Vielleicht ja auch in der nächsten Saison. Alle zahlungskräftigen Leser, die Hughes eine weitere Saison im TBB-Trikot sehen wollen, können sich sicherlich gerne als „Patenonkel“ bei der TBB bewerben. Fakt ist jedoch auch, dass mit jedem Spiel der Marktwert des Ausnahmekönners steigt. Zumindest gibt es aber eine kleine Chance, die man vorher wohl nicht für möglich gehalten hätte. Es wäre eine tolle Auszeichnung für das Trierer Programm, falls das scheinbar Unmögliche gelingen sollte.

Nach dem Familien-Portrait macht sich Familie Hughes gemeinsam mit mir auf in die Innenstadt – und ich bedanke mich für wirklich interessante Einblicke in das Leben und die Arbeitseinstellung von „Tray“. (cw)

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1 KOMMENTAR

  1. wow, das nenne ich mal einen vollprofi! der junge ist echt der wahnsinn. spielerisch und menschlich top :)) und eine hübsche frau hat er auch noch hehe

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