TBB Trier: Hausbesuch bei Trevon Hughes – Teil 1

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TRIER. Es ist wieder soweit: Die erste Homestory für die Saison 2013/14 steht auf dem Plan. Dieses Mal waren wir bei TBB-Neuzugang Trevon Hughes zu Gast und schildern die Eindrücke unseres Besuchs beim Star des Teams. Dabei stellte sich heraus: Dieser Mann hat einiges erlebt – und ist eine beeindruckende Persönlichkeit. Teil 2 folgt morgen.

Shuler, Joyce, Howell – in der Wohnung von TBB-Star Trevon Hughes haben schon diverse Guards ihre Zeit in Trier verbracht und ihre Namen prangen immer noch auf der Klingel. Mal mehr, mal weniger gut lesbar. Den Namen „Hughes“ sucht man bisher allerdings vergebens. Ich drücke die Klingel, warte ab – keine Reaktion. Erst nach dem zweiten Versuch hört man Schritte im Treppenhaus und schließlich öffnet der gut gelaunte US-Amerikaner die Tür. Es geht nach oben ins Dachgeschoss, wo Hughes mit seiner Frau und den beiden Kindern lebt.

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Seine Tochter Jaeda (2 Jahre) ist weniger begeistert von dem ungewohnten Gast und rennt heulend zu Mama Kaylee (25). Der jüngste Spross Trevon (1), genannt TT, hält derweil noch sein Mittagsschläfchen. Von Ruhe und Entspannung, soviel wird schnell klar, kann für Hughes bei der Heimkunft keine Rede sein. Stattdessen Nonstop-Action im Wohnzimmer. Jaeda taut schneller auf, als das Eis in der Antarktis und füllt den Wohn-Essbereich mit Leben. Tanzeinlagen, undefinierbare Kindersprache – hallo Fremder, hier bin ich! Platz zum Toben gibt es genügend.

„I love the Snizzles“ 

Wir nehmen auf der Couch Platz und Hughes zeigt sich redseliger, als erwartet. Seine Frau und er betonen, wie gut es Ihnen in Trier gefällt. „Im Vergleich zu Litauen sind das hier Welten. Ich will nicht schlecht über meine Zeit dort reden, aber das hier ist wirklich eine andere Liga in punkto Stadt und Menschen“, erinnert er sich an seine Zeit bei Pieno ´vaig¸dės. Kaylee hingegen hat es das Essen angetan. „Ich weiß nicht, ob wir hier nur deutsche Küche probiert haben, aber bislang war alles sensationell“, während Trevon einwirft, dass die Schnitzel wirklich spitze seien („I love the Snizzles“).

Mit seinen Teamkameraden trifft sich Hughes häufig zum gemeinsamen Essen oder auf eine Partie Domino mit Jermaine Anderson. Die Freizeit zu Hause gestaltet er hingegen mit Serien und Videospielen. „Momentan spiele ich häufig MLB 13 The Show (Anm. der Red.: Baseball-Spiel). Meine Frau hat mir wegen der Kinder verboten, das neue GTA (Anm. der Red.: Grand Theft Auto V) zu kaufen. Aber wenn man die Jungs in seiner Freundesliste ständig davon schwärmen hört, ist es echt schwierig die Finger davon zu lassen“, lacht er. Natürlich stehen auch die Playstation 4 und die Xbox One auf seiner Einkaufsliste für die kommenden Monate.

Bei den Serien haben es ihm Dexter, Homeland und die zur Prohibitionszeit angesiedelte Drama-Serie Boardwalk Empire angetan. Zu seinen Lieblingsfilmen zählt neben „Spiel des Lebens“ mit Ray Allen auch „The Social Network“. Sein Lieblingsbuch war für mich ein bis dato völlig unbeschriebenes Blatt, obwohl es sich um einen US-Bestseller handelt. „The Coldest Winter Ever“ von Sister Souljah spielt in Brooklyn und handelt von Winter Santiaga, der Tochter eines mächtigen Drogenbosses. Kein unbekanntes Metier für Hughes – er hätte eventuell selbst einem Leben auf der Straße entgegen gesehen, wenn seine Mutter nicht gehandelt hätte.

„Noch heute mache ich jeden Morgen nach dem Aufstehen mein Bett“

„Ich habe meine Mutter lange Zeit für die Entscheidung gehasst, aber mittlerweile bin ich froh darüber“, gibt der sympathische Combo-Guard einen Einblick in seine Gedanken, als diese ihn von 2002-2006 nach Delafield auf die St. John’s Northwestern Military Academy schickte. Diese Lektion für sein Leben habe er gelernt. Dinge wie Pünktlichkeit und Verlässlichkeit. Um 6 Uhr aufstehen, um spätestens zehn Uhr gingen die Lichter aus. Dazwischen etwas Sport (Hughes spielte für das High School Team der St. John`s), Drills und Unterricht. Zeit, über die neue Situation nachzudenken oder auf krumme Gedanken zu kommen, blieb nicht. „Noch heute mache ich jeden Morgen nach dem Aufstehen mein Bett“, verrät er und seine Frau wirft ein, dass er „bestimmt auch fünf Mal täglich die Decken auf der Couch faltet, die die Kids durcheinander wirbeln.“ Die Erfahrungen haben Spuren hinterlassen. Steht Hughes morgens zu spät auf, gibt ihm das ein schlechtes Gefühl für den Rest des Tages: „Der frühe Vogel macht den Korb.“

Trotzdem bezeichnet Hughes New York als seine Heimat. „Immer, wenn ich an zuhause denke, erinnere ich mich an die damalige Zeit. Dort hat sich meine Kindheit abgespielt und ich habe noch immer viele Freunde in Queens.“ Ob alle – wie er – den Absprung geschafft haben? Hughes überlegt kurz, bevor er antwortet. Das macht er während der ganzen Homestory. Jedes Wort ist wohlbedacht. „Die Hälfte hat es geschafft, die andere Hälfte lebt im Ghetto.“ Als drittältestes von acht Kindern ist er zumindest froh, dass seine zwei Brüder und fünf Schwestern nichts mit dem kriminellen Leben am Hut haben. Sein älterer Bruder ist bei der Navy – Aufenthaltsort aus Sicherheitsgründen unbekannt. Der jüngere Bruder sollte auch zur Militärakademie, doch er hielt es dort nicht aus. „Momentan ist er in der Highschool und spielt Basketball, Football und Baseball. Leider ist er nicht so talentiert wie ich.“ Hughes lacht, meint es aber durchaus ernst. Ihr Vater Derrick habe ihm mehr Talent vererbt. Der hochveranlagte Derrick Hughes galt als sicherer NBA-Kandidat, doch er schaffte den Absprung vom Straßenleben nicht rechtzeitig – Chance vertan. Hughes geht wieder in sich und verrät, dass er sich erst spät endgültig für den Basketballsport entschieden hat.

„Ich habe keine Angst davor, Verantwortung zu übernehmen“ – „Penny“ Hardaway als Vorbild

„Ich habe Football gespielt und mir wurde NFL-Potential nachgesagt. Sowohl als Running Back, als auch als Quarterback. Dann habe ich mir aber überlegt, dass ich lieber in einer warmen Halle als draußen im eiskalten Stadion spielen will.“ Eiseskälte – eigentlich etwas, dem er sich verbunden fühlen müsste. In der Crunch-Time hat er mit seiner Kaltschnäuzigkeit schon am College für Furore gesorgt und ist prädestiniert, auch im TBB-Trikot den Ball in der entscheidenden Phase in den Händen zu halten. „Wir haben mehrere Spieler, die das können, aber ich traue mir das definitiv zu und habe auch keine Angst davor, Verantwortung zu übernehmen.“ Seine Frau Kaylee meint, dass er sogar genau für diese Momente lebt und unter Druck noch mehr glänzt. Was Hughes so stark macht ist das Vertrauen in seinen Wurf. Der 181 cm große Guard verliert nie sein Selbstvertrauen, selbst wenn die ersten Würfe nicht fallen. „Das habe ich mir über die Jahre aufgebaut. Jeden Wurf, den ich nehme, nehme ich, weil ich davon überzeugt bin, ihn verwandeln zu können.“

Viel hat er sich auch bei seinen großen Vorbildern, Anfernee „Penny“ Hardaway und Allen Iverson, abgeschaut. „Allen Iverson ist vielleicht so groß wie ich, hat sich aber dennoch in der NBA durchgesetzt und scorte dort nach Belieben. Hardaway habe ich als Spielmacher immer bewundert. Vor allem seine Aussage, dass er dem Korb nie den Rücken zukehrt, weil er trotz seiner Größe von über 200 cm an seine Dribbling-Fähigkeiten glaubt und so immer seine Mitspieler im Blick hat, fand ich inspirierend. Das versuche ich für mein Spiel zu adaptieren.“ (cw)

Hier geht es zu Teil 2 der Homestory

1 KOMMENTAR

  1. Ich muss sagen, dass mir dieser Spieler bislang nicht sympathisch war. Diese Bilder von ihm und seinen Kindern und der dazugehörige Text: Es wird langsam. Freue mich auf den zweiten Teil und bin gespannt, was er noch zu erzählen hat! Weiter so lokalo! Wann werrden die Gewinner des Rätsels aus dem INSIDE Magazin gekürt?

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