Brutalo-Foul mit schlimmen Folgen

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MEHRING/SALMROHR/SAARLOUIS. Statt auf Torejagd zu gehen, liegt Christian Schroeder, Angreifer des Fußball-Oberligisten FSV Salmrohr, in der St.-Elisabeth-Klinik in Saarlouis. Nach dem im Spiel bei Röchling Völklingen erlittenen Schien- und Wadenbeinbruch wird er monatelang ausfallen.

Die 40. Minute der Partie des FSV in Völklingen war der mit Abstand schlimmste Moment seiner noch jungen Laufbahn. Der 20-Jährige, dessen Gradlinigkeit und seine Schnelligkeit seine größte Stärke sind, marschierte mit dem Ball am rechten Fuß durchs Mittelfeld in Richtung Völklinger Tor. Da kam von der Seite „mit Anlauf“ Idir Meridja angerauscht, wie alle neutralen Zuschauer zugeben, ohne Chance, und noch schlimmer, ohne Absicht, den Ball zu treffen und grätschte den Salmrohrer in der Mitte zwischen Knie und Fußgelenk ab.

„Ich habe es krachen hören und wusste direkt, da ist was Schlimmes passiert“, sagt Schroeder. Sein Mannschaftskamerad Alexander Adrian unterstreicht die Aussage: „Alle die da waren, auf und neben dem Platz, haben es krachen hören.“ Als die Mitspieler zu ihm gelaufen kamen und ihm aufhelfen wollten, „hing die Hälfte meines Unterschenkels gerade nach unten“, sagt Schroeder, dessen gesamte Familie kurze Zeit später auch auf dem Platz war. Mutter Ute, Vater Elmar und Bruder Michael hatten das Foul gesehen, das selbst im Kurzbericht des Saarländischen Rundfunks als „brutal“ bezeichnet wurde.

„Wie schlimm es war, hat man nur deshalb nicht auf Anhieb sehen können, weil ich die Stutzen ja noch an hatte.“ Man hat sie ihm erst im Krankenhaus aufgeschnitten, kurz vor dem röntgen. „Eine halbe Stunde lang habe ich aber noch dort gelegen, hatte höllische Schmerzen, habe geschrien und gefroren“, sagt der Schüler des Wirtschaftsgymnasium in Trier. Zu diesem Zeitpunkt konnte er noch nicht wissen, was in der Folge alles auf ihn zukommen würde.

Die Diagnose in der Klinik – „Schien- und Wadenbeinbruch“ – war an sich schon schlimm genug. Aber das war erst der Anfang einer deprimierenden Woche. Er wurde noch am Abend operiert. Ein Nagel, der vom Knie bis zum Fuß reicht und der zusätzlich noch fixiert wurde, stabilisiert nun das Bein. Doch kurz nach der OP stellten sich Komplikationen ein. Das Kompartment- oder Logensyndrom hat sich eingestellt. „Das sind Einblutungen, die die Durchblutung von Muskeln und Nerven einschränken oder gar verhindern“, erzählt er. Er musste wieder unters Messer. Die Wade wurde auf beiden Seiten auf einer Länge von 35 cm aufgeschnitten, damit die Weichteile vom Druck entlastet würden. Auf der linken Seite griff die Methode, rechts nicht. Die nächste Operation war fällig.

Inzwischen war schon Muskelgewebe abgestorben. „Man hat mir ein Teil der Muskulatur an der rechten Scheinbeinseite entfernt“, berichtet er erstaunlich gefasst, „es sollte noch eine vierte Operation erfolgen, die scheint mir aber jetzt erspart zu bleiben.“ Und es geht aufwärts. Am heutigen Montag konnte er die ersten Schritte mit Krücken machen.

Trost gibt ihm seine Familie, die täglich ans Krankenbett kommt, der inzwischen nicht mehr im Amt befindliche Trainer Patrick Klyk („er hat mich mehrfach besucht“) und der gesamte FSV, „die mir alle regelmäßig schreiben und von denen auch einige schon zu Besuch bei mir waren.“ Das macht ihm Mut und gibt ihm Kraft, die Phase im Krankenhaus zu überstehen und anschließend die sicherlich lange Reha in Angriff zu nehmen. Sein erster Gedanke nach dem Foul, das man nach Ansicht des Videos nur als vorsätzliche Körperverletzung bezeichnen kann, war nämlich der: „Ich werde nie mehr Fußball spielen können.“

Jetzt ist er schon so weit, dass er sagt: „Ich weiß, dass ich wieder spielen werde.“ Sein Urteil über den Treter fällt angesichts seiner Leidensgeschichte noch moderat aus: „Ich kann nicht verstehen, wie man so etwas tun kann.“ Derzeit macht er sich andere Gedanken. „Ich hoffe nicht, dass ich in der Schule zu lange ausfalle. Ich will am Ende dieses Schuljahres mein Abitur machen.“ Das alles wird vom Heilungsprozess abhängig sein. Seine Eltern ziehen in Erwägung, ihn, falls das von ärztlicher Seite empfohlen wird, stationär in einem Reha-Zentrum unterzubringen, „weil es das wichtigste ist, dass Christian wieder völlig gesund wird.“

Wie lange ein solcher Heilungsprozess dauern kann, weiß sein Mannschaftskapitän Daniel Schraps aus eigener Erfahrung. Auch der hatte vor einigen Jahren einen Schien- und Wadenbeinbruch erlitten. Auch er musste mehrfach operiert werden, allerdings nicht in so kurzer Zeit. Bei ihm dauerte es drei Jahre, bis er wieder völlig hergestellt war. „Ich weiß, was Christian durchmacht“, sagt Schraps, „wir alle sind in Gedanken bei ihm und drücken ihm die Daumen, dass er wieder völlig gesund wird. Und wenn er dann wieder mit uns Fußball spielen kann und will, dann sind wir alle happy.“

1 KOMMENTAR

  1. Da kann man nur gute Besserung wünschen und hoffen, dass seine Karriere nicht so ein frühes Ende findet.

    War nicht beim Spiel anwesend, aber wenn das Foul mit voller Absicht geschehen ist,so wie ich es schon von einigen Zuschauern gehört habe, könnte man auch über eine Anzeige wegen Körperverletzung nachdenken. Es hilft dem betroffenden Spieler leider nicht, seine Verletzung zu überstehen, aber meiner Meinung nach sollten „Brutalo-Foul-Spieler“ auch härter bestraft werden.

    „Schon die freiwillige Teilnahme an einem sportlichen Wettkampf enthalte die Einwilligung in die Körpergefahren enthält, die ein solcher Wettkampft typischerweise mit sich bringt. Liege freilich ein grober Regelverstoß, insbesondere eine vorsätzliche Mißachtung der Sportregeln, vor, so werde von einer solchen Einwilligung keine rechtfertigende Wirkung ausgehen können (BayObLG, Urt. v. 3.8.1961, NJW 1961, S. 2072 ff)“

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