Deutschland und Russland – eine belastete Beziehung

0

TRIER.  Noch nie waren Russland und Deutschland wirtschaftlich und kulturell so eng verflochten wie heute. Nach der deutschen Wiedervereinigung haben die beiden Länder ihre kulturellen und bildungspolitischen Bande enger geknüpft.

Insbesondere in den gemeinsamen Amtsjahren von Gerhard Schröder und Wladimir Putin wurden auch die Beziehungen in Wirtschaft und Politik intensiviert. Dennoch ist das Bild des jeweils anderen Landes in den Gesellschaften verzerrter als vielleicht jemals zuvor.

Diese Diskrepanz ist Thema einer öffentlichen Podiumsdiskussion an der Universität Trier. Am Mittwoch, den 30. Oktober, debattieren Russlandexperten verschiedener Fachrichtungen mit Wladimir Grinin, Botschafter der Russischen Föderation in Deutschland.

Grinin hat seit 1971 im diplomatischen Dienst die Geschichte der abwechslungsvollen Beziehungen Russlands zu Europa miterlebt und mitgestaltet. In jüngster Vergangenheit breitet sich in der Beziehung beider Länder zunehmend Unverständnis aus. Kern der Differenzen ist der Begriff von Freiheit und Individualität im Spannungsverhältnis zum Staat. Andererseits wird die Förderung wissenschaftlicher und kultureller Aktivitäten mit Bezug zum anderen Land auf beiden Seiten minimiert.

Die zunächst gesellschaftlichen Spannungen bleiben jedoch nicht ohne politische, wirtschaftliche und schließlich weltpolitische Folgen: Soll Russland sich seine Partner zukünftig vermehrt in Asien statt in Europa suchen, dem es historisch und kulturell angehört? Wie wird sich dann das globale Kräfteverhältnis verschieben?

Ein neu aufgenommener Dialog in Politik, Gesellschaft und Wissenschaft, getragen von einem kulturell und geistesgeschichtlich fundierten Verständnis des anderen Landes, ist daher die Forderung des Tages – sowohl für Russland als auch für Deutschland. Einen Impuls zu einem solchen Dialog soll die Podiumsdiskussion an der Universität Trier geben. Sie eröffnet zugleich die Ringvorlesung der Uni im Wintersemester, die von der Trierer Slavistik in
Kooperation mit der Konrad-Adenauer-Stiftung veranstaltet wird.

Im Gespräch mit dem russischen Botschafter Wladimir Grinin sollen aktuelle
Schlüsselthemen und Perspektiven eines neuen Dialogs zwischen Russland und
Deutschland diskutiert werden. Unter der Moderation von Jens Paulus (Teamleiter Europa/Nordamerika der Konrad-Adenauer-Stiftung) werden sich Russlandexperten beider Länder aus dem Journalismus, der Politik und Zeitgeschichte, den Rechtsverhältnissen und den Kultur- und Geisteswissenschaften austauschen.

Mit dem russischen Botschafter diskutieren:
– Christian Mihr, Diplom-Journalist und Geschäftsführer von „Reporter
ohne Grenzen“
– Dr. Alexander Rahr, der Biographien über Michael Gorbatschow und
Wladimir Putin geschrieben hat
– Caroline von Gall, Juniorprofessorin für Ostrecht und öffentliches
Recht an der Universität zu Köln
– Aleksej Kruglov, Professor für Philosophie an der RSUH, Moskauer
Partneruniversität der Uni Trier

Prof. Dr. Michael Jäckel, Präsident der Universität Trier, eröffnet die Veranstaltung. Grußworte sprechen Karl-Heinz van Lier (Konrad Adenauer Stiftung) und der Bundestagsabgeordnete Bernhard Kaster. (red)

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Die Redaktion behält sich vor, Lesermeinungen zu kürzen. Es besteht kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihrer zugesandten Meinungen. Klarname ist nicht erforderlich. Eine E-Mail-Adresse muss angegeben werden, wird aber nicht veröffentlicht.