TBB Trier: Ausboxer „Vitalis Klitschko“ knockt Tiger aus

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TRIER. Vor 3236 Zuschauern gelang der Mannschaft der TBB Trier der zweite Saisonsieg. Mit 79:71 (45:42) schlug man die Walter Tigers aus Tübingen und schafft so vorerst den Sprung ins Mittelfeld der Tabelle. Überragend auf Trierer Seite: Vitalis Chikoko mit 23 Punkten.

Der Simbabwer Vitalis Chikoko wurde nach dem Spiel mit Sprechchören gefeiert. Beim 79:71-Erfolg gegen Tübingen hatte der Power-Forward, der in diesem Spiel auch viel Spielzeit auf der Fünf bekam, seine bisher beste Leistung im TBB-Trikot abgeliefert. Immer wieder wurde er von Hughes und Anderson in Korbnähe gefunden und verwandelte die Bälle sicher in der 305 cm hohen Reuse. Seine Center-Moves erinnern in manchen Situationen unweigerlich an NBA-Center-Legende Hakeem „The Dream“ Olajuwon – Chikoko hat sein großes Vorbild studiert. Chikoko zeigte sich auch in der Defense kompromisslos und machte in den entscheidenden Situationen die nötigen Rebounds oder Blocks. Egal was Igor Perovic versuchte – Chikoko hatte die passenden Antworten. Der im bisherigen Saisonverlauf taumelnde Boxer verpasste den Tigern den Knockout.

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Nach dem Spiel zeigte sich „Vitah“ dann von der gewohnt zurückhaltenden Seite. „Ja, es war mein bestes Spiel in der BBL. Das ganze Team hat hart gearbeitet und hart gespielt“, verriet er angesprochen auf seine starke Leistung. Sein schelmisches Grinsen und seine schüchterne Art steht im krassen Gegensatz zu dem Spieler, der zuvor in überragender Art und Weise die lange Garde der Neckarstädter vor unüberwindbare Probleme stellte. Die Hand aus Simbabwe – ein wahrlich bescheidener Held. Stattdessen stellte er das gesamte Team ins Rampenlicht. „Alle haben die Woche über unglaublich hart gearbeitet und freiwillig mehr Zeit in der Trainingshalle verbracht. Wir sind früher gekommen und später gegangen – diese harte Arbeit zahlt sich jetzt aus“, so der 209 cm große Hüne im Interview nach dem Spiel. Momentan arbeitet Vitah vorwiegend an seinen Fähigkeiten außerhalb der Zone und versprach, auch zusätzliche Einheiten von der Freiwurflinie einzulegen. Die Würfe vom „Charity Stripe“ waren einer der wenigen Kritikpunkte am Spiel des etatmäßigen Power-Forwards beim letztlich souveränen Erfolg gegen die „Tiger“ aus dem Schwabenländle. Doch der Reihe nach.

Schon vor dem Spiel war klar, dass Trier wieder einmal auf Kapitän Andreas Seiferth verzichten musste. Der deutsche Nationalspieler und Anthony Canty standen wie schon Oldenburg nicht im Aufgebot der Moselstädter.

Es war ein Spiel auf Augenhöhe und von der Offensive beider Teams bestimmt. Auf Trierer Seite taten sich vor allem Mathis Mönninghoff und Vitalis Chikoko hervor. Auf Seiten der Tübinger waren es Routinier Alexander Nadjfeji und Alex Harris, die positiv auffielen. Beide Trainer sahen ein munteres und vor allem sehr treffsicheres Spiel ihrer Teams und sahen sich zu keiner Auszeit gezwungen. Harris beeindruckte mit vier Treffern von jenseits der 6,75-Meter-Linie und war einer der Hauptgründe, warum es für Trier trotz guter Leistung mit einem 24:29-Rückstand in die erste Viertelpause ging.

Wie die vielzitierte Feuerwehr dann der Start der Trierer ins zweite Viertel: Angeführt von Trevon Hughes, der mit zwei tollen Assists und starkem Zug zum Korb glänzte, erkämpfte man sich binnen 90 Sekunden die Führung zurück. Perovic nahm beim 32:29 für die TBB zum ersten Mal eine Auszeit. Die Tübinger lebten von ihren starken Drei-Punkte-Schützen. Benjamin Simons traf ebenfalls von der 6,75-Meter-Linie zum 36:36. Beide Mannschaften agierten nun auf Augenhöhe, die Quoten gingen nach unten. Tübingen lebte fast ausschließlich von den Dreiern. Durch starke Defense im letzten Angriff der Tübinger ging es durch Punkte von Mathis Mönninghoff mit 45:42 in die Halbzeitpause. Die Tigers trafen 58 Prozent ihrer Würfe von der 6,75-Meter-Linie – live by the three, die by the three. Trier präsentierte sich variabler, aber hatte Probleme von der Freiwurflinie. 56 Prozent sind indiskutabel.

Auch der Start in den dritten Spielabschnitt gelang den Trierern wie gewünscht. Wieder war es Hughes, der mit schönem Assist und einem Dreipunktespiel großen Anteil an der 53:44-Führung hatte. Der unsichere Spielmacher der Gäste, Jonathan Wallace, sorgte mit seinem insgesamt siebten Turnover für die erste zweistellige Führung der TBB: Beim 57:46 bat Igor Perovic erneut zum Gespräch. Doch dieses hatte nicht den gewünschten Effekt. Vitah Chikoko wurde nun von seinen Teamkameraden gesucht und immer wieder unter dem Korb gefunden. Sieben Punkte erzielte der Simbabwer in Serie und war damit maßgeblich an der zwischenzeitlichen 64:48-Führung beteiligt. Bitter: Durch Fehlentscheidungen der Schiedsrichter gelang es den Tübingern noch vor Viertelende wieder auf 64:54 zu verkürzen.

Das letzte Quarter startete mit einem wunderschönen Drei-Punkte-Spiel von Warren Ward verheißungsvoll. Doch die Tübinger hatten jetzt Blut geleckt und Erinnerungen an den Comeback-Sieg der Vechtaer in Trier wurden wach. Beim 67:60 schienen die Neckarstädter wieder in Schlagdistanz zu sein. Trier hatte sich wieder zu sehr darauf fokussiert den Vorsprung zu verwalten. Durch den unglaublich agilen Vitalis Chikoko kamen die Trierer jedoch wieder in die Spur und waren beim 73:60 durch Jermaine Anderson, knappe vier Minuten vor Schluss den Sieg wieder zum Greifen nah. Würden sie dieses Mal den komfortablen Vorsprung über die Zeit bringen?

Durch starkes Rebounding und einen gut aufgelegten Chikoko gelang es, den Sieg dieses Mal über die Zeit zu retten. (cw)

Stimmen zum Spiel

Henrik Rödl: „Tübingen war wie erwartet sehr gut vorbereitet, sie haben das erste Viertel offensiv dominiert. Wir hatten uns in der Verteidigung viel vorgenommen, Tübingen hat schwere Würfe getroffen und den Ball gut laufen lassen. Im Verlauf hat sich unsere Verteidigung sehr verbessert, wir haben in der zweiten Halbzeit genau so viele Punkte zugelassen wie im ersten Viertel – das ist eine klare Ansage darüber, wie wir in der zweiten Hälfte verteidigt haben. Es freut mich sehr, dass die Mannschaft das umgesetzt hat, auch an einem Abend mit schwachen Dreier und Freiwurfquoten kann man mit Kampf, Verteidigung und Zusammenspiel zurück kommen. Die ungestörte Vorbereitung über die Woche hat uns sehr geholfen. Auf dieser Leistung können wir aufbauen.“

Igor Perovic, WALTER Tigers Tübingen: „Glückwunsch an Henrik und sein Team. Wir sind gut in die Partie gekommen, vor allem haben wir am Anfang offensiv überzeugt, haben 29 Punkte im ersten Viertel erzielt und wenige Turnovers gehabt. Danach hat Trier den Druck erhöht, wir hatten zu viele Ballverluste, die Trier zu schnellen Angriffen genutzt hat. Trier konnte zu viele einfache Punkte aus guter Verteidigung heraus erzielen – das war ein entscheidender Faktor. Wir hatten ein großes Problem auf der Point Guard-Position; Trevon Hughes hat auf unsere Aufbauspieler großen Druck ausgeübt, mit dem sie nicht klar kamen.“

 

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