Film der Woche: Finsterworld

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TRIER. Im Broadway Filmtheater in Trier läuft seit dem 17.10. der Film „Finsterworld“ von der deutschen Regisseurin Frauke Finsterwalder. Den Episodenfilm zu charakterisieren fällt schwer, da die Handlung zunächst keinen roten Faden erkennen lässt. Mit zunehmender Dauer werden die losen Puzzlestücke zu einem Gesamtbild zusammengesetzt, welches sich als eine große Katastrophe herausstellt.  Die zum Teil bis ins Absurde getriebenen Szenen sind sicherlich nicht für jedermann geeignet, verleihen dem Film aber dennoch eine stark individuelle Note. 

Inhalt

In der Welt von Frauke Finsterwalder scheint die Sonne in Deutschland jeden Tag, die Polizisten tragen Bärenkostüme und die Schüler eine Schuluniform. Dominik, ein verträumter Schüler beobachtet bei einem Schulausflug, wie seine Freundin Natalie seinen Erzfeind Maximilian küsst und läuft kurzerhand davon. Nach einer Odyssee durch Kornfelder trifft er auf Ehepaar Inga und Georg, welches ihn bereitwillig in ihrem Auto mitnimmt. Dass es sich bei den Personen um die Eltern von Maximilian handelt weiß Dominik zunächst nicht.

Kritik

Finsterworld ist einer jener Filme, bei denen das Hinsehen nicht immer leichtfällt, und dass, obwohl er teilweise im schönen Stuttgart spielt. Einen roten Faden gibt es nicht. Vielmehr springt die Handlung von Ebene zu Ebene, von Episode zu Episode. Zunächst ist da eine von Ehrgeiz zerfressene  Dokumentarfilmerin. Daneben gibt es ein Junge in Schuluniform (Leonard Scheicher), der seine Freundin (Carla Juri) beim Turteln mit seinem Rivalen erwischt und ein Luxusehepaar, das für nichts ein Herz hat, außer für sich selbst. Episodenhaft werden ihre Geschichten im Laufe des Films verwoben, bis es schließlich zur Katastrophe kommt.

Der Regisseurin Frauke Finsterwalder gelingt das Kunststück, Hässlichkeit hinter Schönheit zu verstecken und durch den Gegensatz zu entlarven. Dies schafft sie durch eine schonungslose Direktheit der Dialoge und eine gute Umsetzung, die Natur so einzufangen, dass hinter den Sonnenstrahlen das Unheil erkennbar wird.

Auf der anderen Seite stehen bitter-parodistische Einlagen und ein radikales Eintauchen  in die dunkelsten menschlichen Abgründe. Dabei treiben es Kracht und Finsterwalder so weit, dass ab und an die zynische Wirkung verloren geht und „Finsterworld“ ins Absurde abgleitet. Der Kinobesucher lernt beispielsweise einen fetischistischen Fußpfleger kennen, der aus der Hornhaut seiner Lieblingskundin herzförmige Kekse backt und sie ihr zum Kaffee vorsetzt? Na, haben Sie Appetit bekommen? Dann sollten Sie sich dieses cineastische Sahnestück nicht entgehen lassen. (tw)

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