Überraschend mildes Urteil

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    TRIER. Es ist sicherlich eher die Ausnahme, als die Regel, dass am Ende einer Verhandlung sowohl die Anklagevertretung als auch die Verteidigung mit dem gefällten Urteil unzufrieden sind. Vor der 1. Jugendkammer des Landgerichts trat dieser Fall am heutigen Mittwoch ein. Statt mit einer Haftstrafe kam die Angeklagte Stefanie U. mit einer Verwarnung, einer Geldstrafe von 2250 Euro auf Bewährung und der Zahlung von insgesamt 1500 Euro Täter-Opfer-Ausgleich an ihre Kinder davon.

    Richter Keimburg sah es als erwiesen an, dass die Angeklagte zwar Schuld trage, ihren Kindern bei der Misshandlung durch ihren Ehemann nicht geholfen zu haben, allerdings sprach er von verminderter Schuldfähigkeit und damit mildernden Umständen. Außerdem habe sich die Angeklagte geständig gezeigt. Auch der psychologische Bericht der Sachverständigen Korte unterstrich diese Ansicht. So habe sich in zwei Gesprächen, die die Psychologin mit der Angeklagten geführt hat, deutlich gezeigt, dass Frau U. eine schwere Persönlichkeitsstörung zeigt, die sie zu einer „unterwürfigen und unselbstständigen Frau werden lässt, die von Angststörungen und inneren Konflikten geschwächt wird.“

    So wurde im Prozess erläutert, dass die Angeklagte bereits in ihrer eigenen Kindheit von ihren Eltern geschlagen und sexuell missbraucht wurde und deshalb ein „verrücktes Weltbild“ von Gewalt habe. Außerdem habe sie Angst vor den Folgen für sich und ihre Kinder gehabt, wenn sie sich gegen ihren alkoholkranken Mann stellt. So habe der bereits verurteilte Mann ihr gedroht, ihrem Sohn Dennis den Kopf abzuschlagen.

    Alle diese Zusammenhänge überzeugten den Vorsitzenden Richter, in seinem Urteil unter den von der Staatsanwaltschaft geforderten 10 und sogar noch unter dem Strafmaß von drei Monaten, das die Verteidigung vorgeschlagen hatte, zu bleiben. Sie habe sich zwar der Unterlassung strafbar gemacht, indem sie nichts gegen die Misshandlungen der Kinder durch ihren Mann unternommen habe, allerdings dürfe man dieser Frau „nicht wegen ihres Nichtstuns die Zukunft komplett verbauen“, hieß es in der Begründung.

    Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig. Staatsanwaltschaft und Verteidigung haben noch die Möglichkeit, Rechtsmittel gegen dieses Urteil einzusetzen. (bas)

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