Flexible Beschäftigung erhöht Einstellungsbereitschaft der Firmen

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TRIER. In 28 Prozent der regionalen Unternehmen bleiben offene Stellen länger als zwei Monate unbesetzt. Das zeigt eine Umfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Trier unter 120 Betrieben mit insgesamt mehr als 10 000 Beschäftigten. In der Industrie bekommen sogar 38 Prozent der Unternehmen Fachkräfteengpässe zu spüren. 36 Prozent der befragten Betriebe haben keine Probleme bei der Stellenbesetzung, weitere 36 Prozent vermelden derzeit keinen zusätzlichen Personalbedarf.

Wie die Umfrage nach Auskunft der IHK Trier gezeigt hat, setzen sich die Unternehmen verstärkt für die Fachkräftesicherung ein. Rund zwei Drittel der Befragten wollen ihr Ausbildungsengagement intensivieren, etwa die Hälfte die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter stärken. Jeweils etwa ein Drittel hofft, den Fachkräftebedarf im Betrieb mit Hilfe stärkerer Bemühungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie der Einstellung älterer Arbeitnehmer besser decken zu können. 43 Prozent wollen ihre Attraktivität als Arbeitgeber weiter steigern. Mit 14 beziehungsweise zwei Prozent stehen die Themen ausländische Fachkräfte beziehungsweise Azubis derzeit weniger im Zentrum der Unternehmensaktivitäten.

Für die regionalen Betriebe sind aber auch flexible Beschäftigungsformen sehr wichtig, wie die IHK mitteilt. 62 Prozent der Befragten geben an, die Möglichkeit, befristete Beschäftigungsverhältnisse einzugehen, habe hohe Bedeutung für ihre Bereitschaft, Mitarbeiter einzustellen. Im Hinblick auf Teilzeitarbeit sind dies noch immer 33 Prozent und bei Minijobs 24 Prozent. Zeitarbeit (19 Prozent) und Werkverträge (zehn Prozent) spielen für die betriebliche Personalflexibilität eine geringere Rolle.

„Unternehmen im Wettbewerb müssen ihren Personalbestand anpassen können – gerade bei starken oder lang anhaltenden Auftrags- und Konjunkturschwankungen. Wer flexible Beschäftigungsformen übermäßig einschränkt, schafft letztlich nicht mehr unbefristete Vollzeitstellen, sondern gefährdet Arbeitsplätze“, interpretiert IHK-Geschäftsführer Matthias Schmitt die Umfrageergebnisse.

Das zunehmende Altern der Belegschaft haben viele regionale Betriebe als Herausforderung erkannt. Jeweils rund die Hälfte der Befragten kümmert sich der IHK-Umfrage zufolge verstärkt um die Sicherung des betriebsinternen Wissenstransfers zwischen den Generationen und bietet älteren Mitarbeitern flexible Arbeitszeiten an. „Es gibt aber noch ungenutzte Potenziale: Erst knapp drei von zehn Betrieben setzen sich mit dem Thema betriebliches Gesundheitsmanagement auseinander oder unterstützen ältere Arbeitnehmer gezielt mit Weiterbildungsmaßnahmen. Hier ist noch Luft nach oben“, folgert Matthias Schmitt.

Die Kammer werde in diesen Bereichen zusätzliche Informationen und Beratungsleistungen anbieten. „Angesichts eines nahezu leer gefegten Arbeitsmarkts wollen wir kleine und mittlere Unternehmen verstärkt dabei unterstützen, in die Beschäftigungsfähigkeit ihrer Belegschaft zu investieren und so ihre Fachkräftebasis langfristig zu erhalten“, ergänzt Martina Becker, IHK-Referentin für Fachkräftesicherung. (red)

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1 KOMMENTAR

  1. Nette Befragung. Als Gedankenspiel: Wenn 120 Firmen mit 10.000 Beschäftigten es zu 62 Prozent in Betracht ziehen, befristete Arbeitsverträge anzubieten, hieße es im Extremfall, 6.200 Arbeiter haben nur für (in der Regel) ein Jahr lang einen sicheren Arbeitsplatz. Das gibt Planungssicherheit, aber leider nur für Firmen.

  2. Fachkräftemangel ?! Unsere Fachkräfte versauern in branchenfremden Jobs, weil sie dort aufgrund von Festeinstellung Planungssicherheit genießen.
    Mit 40 zählt man zum „Alten Eisen“, hat zu hohe Gehaltsansprüche und gilt als unflexibel, weil man nicht bereit ist 50 und mehr Wochenstunden zu arbeiten (die Überstunden natürlich unbezahlt).
    Hinzu kommt die nicht messbare soziale Kompetenz vieler Mittelständler, die auf hohem Niveau jammern und die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter gekonnt ignorieren gelernt haben.
    Themen wie Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz usw. muß man hier gar nicht ansprechen.
    Hoffen wir also weiter darauf, dass möglichst viele Fachkräfte flexibel und blauäugig genug sind und keine Familie planen, damit unsere Firmen Planungssicherheit haben und das unternehmerische Risiko gegen Null konvergiert.

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